Sport

Fehlgeleitet, disqualifiziert und verbal ausgeglitten

Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 24.02.2010

Der Holländer Sven Kramer hätte im Eisschnelllauf über 10'000 Meter souverän Gold gewonnen. Hätte, wenn ihn nicht der Trainer kurz vor Schluss auf die falsche Bahn geschickt hätte.

1/13 Verhängnisvolle Anweisung acht Runden vor Schluss: Sven Kramer nimmt nach dem Zuruf des Trainers die falsche Bahn.
Bild: Keystone

   

Erinnern Sie sich an Sven Kramer? Der Holländer, der der Reporterin von NBC entgegnete, ob sie dumm sei, weil sie nach seinem Namen gefragt hatte? Genau diesem Sven Kramer passierte einer der peinlichsten Fehler überhaupt. Der 23-Jährige hat seit dem 24. Dezember 2006 kein Rennen mehr über diese Distanz nicht gewonnen. Und auch in der Nacht auf heute war auf sicherem Goldkurs.

Tatsächlich überfährt Kramer nach 12:54,50 Minuten die Ziellinie und unterbot die bisherige Bestzeit des Lee Seung-Hoon um vier Sekunden. Das zweite Olympiagold nach dem Sieg über 5000 m schien ihm sicher. «Das Rennen lief eigentlich optimal, es war eines der besten meines Lebens», meinte Kramer.

Aber eben, acht Runden vor Schluss war der verhängnisvolle Zuruf von Trainer Gerard Kemkers: «Geh auf die Innenbahn.» Kramer kurvte das letzte Drittel auf der falschen Bahn – er wurde folglich disqualifiziert.

«Er ist ein Arschloch»

Kemkers bemerkte seinen Fauxpas schnell, teilte ihn seinem Schützling aber erst nach der Zieldurchfahrt mit. Dieser warf entnervt seine Brille weg und war mit seinem Trainer sichtlich unzufrieden. Die Disqualifikation kommentierte er mit wenig druckreifen Worten: «Verdammt noch mal, was für ein Arschloch. Er weist mich in die falsche Kurve.»

Er habe auf die Aussenbahn wollen, doch die Anweisung des Trainers befolgt, führte er später aus. «Ich dachte, vielleicht hat er recht.» Man müsse sich im Bruchteil einer Sekunde entscheiden. «Ich hätte meinem Instinkt folgen sollen, aber ich zweifelte einen kurzen Moment.» Erstmals habe ihm der Trainer überhaupt eine solche Anweisung gegeben.

Kemkers gab sich nach dem Rennen kleinlaut. «Es ist meine Schuld. Ich bin verantwortlich. Ich habe Rundenzeiten notiert und als ich wieder hoch schaute, hatte ich ein Blackout und habe das falsche Kommando gegeben», räumte der Coach nach dem bei Olympia bislang einmaligen Fall ein. «Das war der schlimmste Moment in meinem Leben, meine Welt ist zusammengebrochen.»

Das Handy im falschen Moment ausgeschaltet

Doch auch das «Mea culpa» des Trainers stimmte Kramer nicht milde: «Alles Scheisse. Jeder kann einmal einen Fehler machen, aber das ist ein sehr teurer.» Als ihn ein Radioreporter darauf ansprach, dass er eine Mitschuld am Missgeschick trage, reagierte Kramer mit einem knappen «Halt den Mund!». Nur in einem kleinen Moment, erklärte er: «Am Schluss bin ich verantwortlich, ich bin der Eisschnellläufer. Vielleicht ist es besser zu sagen, dass wir es falsch gemacht haben.»

Ein Missgeschick der anderen Art widerfuhr schon vor dem Beginn des Rennens dem Deutschen Patrick Beckert. Der 19-Jährige verzichtete als 4. Ersatzfahrer darauf, sich ins Richmond Oval zu begeben. Er zog eine Shoppingtour mit stumm geschaltetem Handy vor. Als er dann doch sehr überraschend zum Einsatz hätte kommen können, war er zu lange nicht erreichbar und kam erst mit zwei Stunden Verspätung zum Wettkampf. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2010, 12:11 Uhr