Sport

Lebensgefahr im Eiskanal

Aktualisiert am 13.02.2010

Ob Schlitteln, Skeleton oder Bob: Schwere Unfälle im Eiskanal sind keine Seltenheit.

1/9 Im Gedenken an Kumaritaschwili werden unter den olympischen Ringen in Whistler Mountain zahlreiche Kerzen und Blumen hingelegt.
Bild: Keystone

   

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Respekt vor dem Verstorbenen

Von dem schweren Unfall des jungen Georgiers existiert eine Videoaufnahme. Aus Respekt vor dem Verstorbenen verzichtet die Redaktion von baz.ch/Newsnet darauf, diese Bilder zu zeigen.

Der Tod des georgischen Schlittlers Nodar Kumaritaschwili (21) vom Freitagabend zeigt erneut, dass das Risiko im Eiskanal nicht zu unterschätzen ist.

Der erste Todesfall in einem Eiskanal ereignete sich im Jahr 1911, als ein Anschieber Namens Oberüberl nach einem Sturz im Fünfer-Bob seinen Verletzungen erlag. 1953 traf es einen prominenten Schweizer: Bob-Steuermann Felix Endrich, fünf Jahre zuvor in St. Moritz Olympiasieger im Zweier, verunglückte in Garmisch-Partenkirchen tödlich, nachdem er mit rund 100 km/h aus der berüchtigten «Bayernkurve» geflogen war.

Im Laufe der Zeit wurden die Bahnen immer besser ausgebaut. Zudem wurden die Sportgeräte optimiert. Doch selbst auf nicht so anspruchsvollen Strecken passierten aufgrund von Fahrfehlern weiterhin schwere Unfälle. Am 12. März 2004 beispielsweise am Königssee, als die Deutsche Yvonne Cernota in der Bobpiloten-Schule vor der «Echowand» die Kontrolle über ihren Zweier verlor und - ähnlich wie Kumaritaschwili - aus der Bahn katapultiert wurde. Cernota, damals eigentlich Anschieberin von der heute noch aktiven Cathleen Martini, prallte gegen die Bahnüberdachung und starb auf dem Weg in ein Spital.

Doping, Wachs und Unfälle

Kumaritschwili ist laut Olymia-Historikern das sechste Todesopfer, das Olympische Spiele fordert. Das erste Todesopfer war 1912 in Stockholm der Portugiese Francisco Lazaro (21). Während des Marathonlaufs kollabierte er bei der 29-km-Marke, wurde in ein Spital eingeliefert und starb am nächsten Morgen. Zunächst wurde vermutet, dass er wegen der hohen Anstrengung und der hohen Temperaturen des Tages dehydrierte, jedoch wurde später festgestellt, dass er seinen ganzen Körper mit Wachs eingerieben hatte, um sich vor einem Sonnenbrand zu schützen. Das führte dazu, dass sein Körper nicht mehr schwitzen konnte.

1960 starb der dänische Radfahrer Knut . Das olympische 100-km-Mannschaftszeitfahren in Rom fand bei hohen Temperaturen statt. Etwa 20 km vor dem Ziel erlitt Jensen einen Hitzschlag, stürzte vom Fahrrad und zog sich dabei eine Schädelfraktur zu. Er fiel ins Koma und starb kurz darauf in einem Römer Spital. Eine Autopsie ergab, dass er verschiedene Amphetamine zu sich genommen hatte.

Auch ein Schweizer Opfer

Der erst 19-jährige australische Abfahrer Ross Milne verunglückte 1964 in Innsbruck. Beim Training am Patscherkofel stürzte er und prallte in einen Baum abseits der Piste. Dabei zog er sich so schwere Verletzungen zu, dass trotz sofortiger Überstellung ins Spital Innsbruck nur noch sein Tod festgestellt werden konnte. Bei der Obduktion wurde ein Riss der Aorta als Todesursache benannt.

Kazimierz Kay-Skrzypeski starb im gleichen Jahr rund eine Woche vor dem Beginn der Spiele in Innsbruck. Der gebürtige Pole, der im Zweiten Weltkrieg nach England geflüchtet war, verunglückte er bei einer Trainingsfahrt auf der Bob- und Schlittelbahn in Igls tödlich.

1992 in Albertville starb der Schweizer Sppedskifahrer Nicolas Bochatay, der bei der Fahrt zum Final mit einer Pistenraupe kollidierte, die dort nicht hätte sein dürfen. Geschwindigkeitsskifahren war 1992 Demonstrationssportart. (son/si)

Erstellt: 13.02.2010, 12:32 Uhr