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Mike Schmid: Strassenbauer im Sommer, Olympiasieger im Winter

Von Sven Schoch (Si) , Cypress Mountain. Aktualisiert am 22.02.2010

Der 25-jährige Berner Oberländer deklassiert beim ersten olympischen Skicross-Wettbewerb die gesamte Welt-Elite.

1/19 Der feste Biss: (Fast) nichts schmeckt besser als olympisches Gold.
Bild: Keystone

   

Mit vier souveränen Runs schuf Mike Schmid eine goldene Premiere. «Ich bin gerührt. Der Tag verlief perfekt und mein Material war absolut top», rang der Berner Oberländer Sekunden nach dem Highlight seiner Sportlerlaufbahn nach einer Beschreibung für den magischen Moment. Er, der unbestrittene Favorit, hatte alle Hindernisse fast spielend leicht beseitigt.

In einem spektakulären Sport notabene, in dem angesichts der vielen Crashes und geringen Differenzen zwischen den Top-Ridern, normalerweise kaum eine verlässliche Prognose möglich ist. «Eher 15 als 10 Fahrer kommen für den Sieg in Frage», hatte Schmid selber vor ein paar Tagen erklärt.

Fabelhafte Konstanz

In dieser Saison bewegt sich Schmid, der 2004 im Profi-Zirkus debütierte, erstmals konstant an der Weltcup-Spitze. Seine Konstanz war schon vor seinem brillanten Auftritt in Kanada verblüffend. Nie war er ausserhalb der Top 5 klassiert, das FIS-Ranking führt er mit 129 Punkten Vorsprung überlegen an.

Nun stellte er die ratlose Konkurrenz in Cypress Mountain aber mit einer fast beängstigenden Dominanz in den Schatten. Selbst frühere Alpin-Weltcup-Teilnehmer wie der US-Star Daron Rahlves, immerhin ehemaliger Sieger auf der «Streif», oder Audun Grönvold fanden gegen den Top-Athleten kein Mittel.

Strassenbauer Schmid glitt wie auf einer virtuellen, eigens für ihn konstruierten Schiene zum schönsten Edelmetall seiner Karriere. Nach der Machtdemonstration in der Qualifikation geriet er in keiner der folgenden vier Runden in Bedrängnis.

Start als Basis zu ungefährdeten Siegen

Sein Konzept, sich schon in der Startphase den entscheidenden Vorteil zu verschaffen, zahlte sich ausnahmslos aus. Die vier Start- Ziel-Siege sind das Dokument seiner perfekten Strategie und auch der Beweis, dass er nicht nur smart fährt, sondern auch mit grossem Abstand am meisten Speed entwickelt.

«Schmid ist extrem polysportiv. Wenn er mit seinem Gewicht einmal in Fahrt kommt, ist er fast von niemandem zu bremsen. Dazu besitzt er eine unglaubliche Sprungkraft», analysierte Viertelfinalist Richard Spalinger seinen nicht zu stoppenden Team-Kollegen.

Er ist zwar unerhört athletisch und wirkt auf der Piste wie ein «rasender Bulle», aber der erste Eindruck trügt. Schmid gehört auch in technischer Hinsicht zu den Leadern seiner Sportart. Nicht nur sein Speed, sondern eben auch die Finesse und das taktische Gespür, zwei Schlüsselfaktoren in dieser «wilden» Skisparte, verhalfen ihm zur Fahrt auf der Goldspur.

Unten im Zielraum reihte sich auch Harald Benselin unter die ersten Gratulanten. Der Schweizer Boardercross-Coach stand der Ski-Equipe während den letzten beiden Tagen beratend zur Verfügung. «Ich habe mit ihnen die Kurven analysiert», sagte der Romand - sportartenübergreifendes Teamwork quasi.

Goldene Premieren

Premieren im olympischen Winter-Programm verliefen für Vertreter von Schweizer Trendsportarten seit 1994 ausnahmslos triumphal. 1994 sicherte sich Sonny Schönbächler in der Skiakrobatik Gold. Vier Jahre später sorgte der Snowboarder Gian Simmen in der Halfpipe für den Coup. 2002 deklassierte Philipp Schoch im ersten Parallel-Riesenslalom alle. Und vor vier Jahren in Turin stand Tanja Frieden nach dem ersten Boardercross der Olympischen Spiele zuoberst auf dem Podium. Schmid verlängerte die «Gold-Tradition» um ein weiteres wunderbares Kapitel.

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(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.02.2010, 09:06 Uhr