Sport

Die Schweizer Wissenschaft ist Gold wert

Von Jonas Racine. Aktualisiert am 23.02.2010

Die Schweiz ist ob den Goldmedaillen ihrer Athleten ganz verzückt. Die intensive Zusammenarbeit von Sport und Wissenschaft trägt Früchte.

Der «Citius-Bob» anlässlich seiner Präsentation im Lichthof der ETH.

Der «Citius-Bob» anlässlich seiner Präsentation im Lichthof der ETH.
Bild: Keystone

Doch nicht nur den Sportlern gebührt für ihre Leistungen grössten Respekt. Nicht zu vergessen ist die Vielzahl von Technikern, Serviceleuten und neuerdings auch Ingenieuren, die hinter den Kulissen weibelt. «Vancouver Snow» und «Citius» sind die Namen zweier Projekte, die zum schweizerischen Goldrausch einiges beigetragen haben. Ob beim Abfahrtsgold von Didier Défago, der Siegesfahrt von Langlauf-Star Dario Cologna und zuletzt beim erfolgreichen Olympiadebüt von Mike Schmid im Skicross – die Wissenschaftler hatten ihre Finger im Spiel.

Beim Projekt «Vancouver Snow» erforschten Mitglieder des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF) über mehrere Jahre hinweg die Beschaffenheit des kanadischen Schnees. Die Ergebnisse kamen den Serviceleuten zu Gute, die dem Schnee entsprechend das Material optimal präparieren konnten.

Auch Ammann ein wissenschaftliches Projekt

Schmid konnte überdies von einem weiteren wissenschaftlichen Projekt profitieren: So wurden verschiedene Messungen vorgenommen, um die bestmögliche Linienführung zu finden. Dabei standen vor allem die zahlreichen Steilwandkurven im Fokus. Topographie, Kurveneingangsgeschwindigkeit, Schneebeschaffenheit und Lage der Kurve im gesamten Kurs wurden untersucht und die schnellstmögliche Linie ermittelt. Mission erfüllt, kann man in diesem Fall sagen.

Auch bei Simon Ammanns Goldflügen durfte die wissenschaftliche Komponente nicht fehlen. Bei ihm wurde unter der Leitung von ETH-Professor Gerhard Tröster eine aufwendige Datensammlung angelegt. Die Daten, die etwa durch Pulsmessen oder via EKG erhoben wurden, hatten das Ziel Körper- und Gemütszustände abzubilden. So war es möglich, festzustellen, in welchem Zustand sich der vierfache Olympiasieger befindet, wenn er sich «in Form fühlt».

Intensive Zusammenarbeit

Eine handvoll Projekte hat die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic initiiert, um in Vancouver zu überzeugen. Neben dem gross angelegten Projekt «Vancouver Snow» wurden auch im Bereich der Skiakrobatik und in der Halfpipe Anstrengungen gemacht, allerdings ohne zählbaren Erfolg.

Evelyne Leu und Iouri Podladtchikov, beide mit grossen Chancen auf das Podest nach Vancouver gereist, mussten nach jeweils missglückten Landungen ihre Medaillenträume begraben. Die Erkenntnisse, die anhand verschiedenster Messungen und Video-Aufnahmen gewonnen wurden, werden den Sportlern allerdings in Zukunft helfen, weiter Fortschritte zu erzielen.

Noch ausstehend ist das Resultat des Projekts «Citius», für das die ETH Zürich mit dem Bobverband und anderen Partnern 1,75 Millionen Franken in die Entwicklung eines neuen Bobs investierte. Pilotin Sabina Hafner äusserte sich im Vorfeld der olympischen Spiele bereits optimistisch: «Endlich haben wir Material, mit dem wir mit den Deutschen mithalten können.» Die Ideen der ETH-Köpfe flossen sowohl in die Produktion des «kleinen» als auch des «grossen» Schlittens ein. Eine Medaille wird nach dem vierten Platz im Zweierbob durch Ivo Rüegg mindestens im Viererbob erwartet.

Auch im Ausland wird geforscht

Doch nicht nur in der Schweiz hat die Zusammenarbeit zwischen Sport und Wissenschaft Früchte getragen. Amy Williams, die für das erste britische Einzelgold an Olympischen Winterspielen seit 30 Jahren verantwortlich zeichnete, verdankt ihren Erfolg im Skeleton auch «Arthur».

Dies ist nicht etwa der Name eines Forschungsprojektes, sondern der Name des Skeletonschlittens, der ähnlich wie der Schweizer Bob von Ingenieuren entwickelt wurde. Auch Tüftler des Formel-1-Teams McLaren feilten an der Abstimmung des perfekten Materials und verfehlten ihre Wirkung nicht.

Die Zusammenarbeit zwischen Sport und Wissenschaft erweist sich bisher als Glücksfall für die Schweiz. Damit unsere Athleten auch in Zukunft für kollektive Glücksgefühle sorgen können, darf auch die Forschung nicht vernachlässigt werden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2010, 14:21 Uhr