Sport
Sawtschenkos erfolgreiche Partnerfahndung
Von Jonas Racine. Aktualisiert am 15.02.2010
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Die ursprünglich aus der Ukraine stammende Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy, dessen Vater ein tansanischer Arzt ist, gelten für die heute Nacht um 2 Uhr stattfindende Kür als Favoriten. Dass Sawtschenko, die erst seit Januar 2006 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, überhaupt für ihre neue Heimat starten darf, verdanken die beiden einer sehr vereinfachten Einbürgerung. Diese trieb das zuständige Ministerium aufgrund einer «ungewöhnlich hohen Qualifikation» in Rekordzeit voran.
Der Einbürgerung war eine weltweite «Fahndung» Sawtschenkos nach einem neuen Partner vorangegangen. Nach den Spielen von Salt Lake City 2002 hatte sie sich von ihrem damaligen Partner Stanislaw Morosow getrennt und den neuen Mann in Robin Szolkowy gefunden. Sie siedelte nach Chemnitz über und es dauerte nicht lange, bis sich erste Erfolge einstellten. Der deutsche Meistertitel 2004 bildete den Auftakt zu weiteren Grosstaten, die in den Olympischen Spielen von Turin einen ersten Höhepunkt finden sollten. Zwar traf die Startberechtigung Sawtschenkos in Form des deutschen Passes rechtzeitig ein, doch Querelen um die zwiespältige Vergangenheit ihres Trainers verhinderten 2006 eine Medaille.
Steuers Entlassung als Tiefschlag
Dieser Tiefschlag, der die beiden mitten in der Vorbereitung für Turin traf, wirkte sich auf die Leistung negativ aus. Trainer Ingo Steuer wurde nämlich als ehemaliger Stasi-Mitarbeiter entlarvt, worauf die Deutsche Eislauf-Union ihn entliess und das Paar an den Rand des Karrierenendes brachte. Denn Sawtschenko und Szolkowy weigerten sich, einen anderen Trainer zu suchen und hielten zu Steuer. Diese Weigerung hätte die Nichtnominierung für internationale Anlässe zur Folge gehabt und damit auch die Laufbahn der begnadeten Eiskunstläufer beendet.
Steuer, oder Thorsten, wie der inoffizielle Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit damals hiess, konnte seinen Job nur behalten, weil sich Joachim Gauck, der Berater des Deutschen Olympischen Bundes, für eine Weiterbeschäftigung des Betreuers aussprach.
Eine Entscheidung, die sowohl Steuer als auch seinem Fürsprecher Recht gibt, denn seit der Rehabilitation Steuers hat das Paar grosse Fortschritte erzielt. Hatte 2006 an den Olympischen Spielen von Turin noch ein achter Platz herausgeschaut, gab es an den Europameisterschaften von Warschau und an der Weltmeisterschaft von Tokio 2007 je eine Gold- und eine Bronzemedaille. Und auch in Vancouver zählen Sawtschenko und Szolkowy zu den Anwärtern auf Gold. Nach dem Kurzprogramm liegt das Paar auf dem zweiten Rang, kurz hinter dem chinesischen Duo China Xue Shen/Hongbo Zhao. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.02.2010, 16:30 Uhr
