Sport

«Nach zwei Sprüngen fehlte mir die Energie»

Von Monica Schneider, Vancouver. Aktualisiert am 19.02.2010

Evan Lysacek wurde überraschend Olympiasieger, Jewgeni Pluschenko musste sich mit Silber begnügen, Stéphane Lambiel enttschäuschender Vierter.

Knapp an der Medaille vorbei: Stéphane Lambiel.

Knapp an der Medaille vorbei: Stéphane Lambiel.
Bild: Keystone

Die USA setzen ihren Gold-Rush an den Olympischen Spielen in Vancouver fort: Evan Lysacek, der Zweite nach dem Kurzprogramm, vermochte mit einer nahezu fehlerlosen und äusserst ausdrucksstarken Kür Hauptrivale und Favorit Jewgeni Pluschenko mit 257,67 Punkten um 1,3 Zähler zu distanzieren und auf Rang 2 zu verdrängen. Daisuke Takahashi verteidigte mit 247,23 Punkten seinen 3. Rang aus dem ersten Wettkampfteil, Stéphane Lambiel wurde mit dem Minimalrückstand von 0,51 Punkten auf den Japaner enttäuschender Vierter.

«Nach dem missglückten Start fehlte mir schon nach zwei Sprüngen die Energie», sagte Lambiel, der eigenartig verhalten und zögerlich lief und das Publikum mit «La Traviata» nie mitzureissen vermochte. Lambiel zeigte zwar zwei Vierfachsprünge, beim ersten war er allerdings mit der Hand am Boden. Jeder Sprung sei ein Kampf gewesen, «und je länger das Programm dauerte, desto schlimmer wurde es», beschrieb er seinen Auftritt. Lambiel verpasste mit dem 4. Platz sein angestrebtes Ziel einer Medaille, das er sich bei der Rückkehr im vergangenen Sommer gesteckt hatte. Die Rede war im Verlauf der Saison mehrfach von Gold gewesen. Deshalb sei er nun enttäuscht und traurig, «mir hat von Anfang an das Vertrauen gefehlt».

Empfindliche Niederlage für Pluschenko

Auf den ersten Blick einer kleineren Sensation gleichkam der Sieg des Amerikaners Lysacek, der damit der erste Weltmeister ist, der im darauf folgenden Jahr auch Olympiasieger wurde. Olympische Spiele auf kanadischem Boden scheinen den amerikanischen Eiskunstläufern zu behagen: Brian Boitano war der letzte US-Olympiasieger – er feierte seinen Triumph 1988 in Calgary. Dass Lysacek, der im Gegensatz zu Pluschenko und Lambiel keinen Vierfachsprung zeigte, sein Gold aber nicht «gestohlen» hat, belegen die hohen Werte, die er für Choreographie, Interpretation und Ausführung erhielt.

Pluschenko, der nach rund dreieinhalb Jahren wieder in den Wettkampf zurückgekehrt war, erlitt im Pacific Coliseum eine seiner empfindlichsten Niederlagen seiner ganzen Karriere. An Welt- oder Kontinentaltitelkämpfen war er letztmals 2004 geschlagen worden – vom Franzosen Brian Joubert, der mit Rang 16 sein eigenes Waterloo erlebte. Im Vorfeld der Spiele hatte Pluschenko in einem Interview gesagt, wer keinen Vierfachsprung zeige, sei kein Mann. Nun ist er von einem solchen bezwungen worden, der erst noch Amerikaner ist.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.02.2010, 08:55 Uhr