Sport
Anja Pärsons heroische Fahrt zu Bronze
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 19.02.2010
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Blaue Flecken und Schmerzen trug Anja Pärson nach ihrem Sturz am Vortag beim Zielsprung davon. Rund 60 Meter war sie durch die Luft gesegelt und dann hart auf der eisigen Unterlage gelandet. Schuhrandprellung, Zerrung in der linken Wade und zahlreiche kleinere Prellungen trug sie davon.
Die siebenfache Weltmeisterin wusste lange nicht, ob sie überhaupt zur Kombination am nächsten Tag antreten wird. «Es ist unglaublich schön», sagte sie nach dem überraschend erfolgreichen Tag – und auch nach einigen Freudentränen auf dem Podium im Zielraum. «Von nicht glauben, überhaupt starten zu können bis Bronze gewinnen ist unglaublich fantastisch», erklärte die überglückliche Pärson.
Sie sehe nicht so schön aus, sagte Pärson an der Medienkonferenz. «Ich werde meine blauen Flecken aber nicht zeigen, dazu bin ich zu schüchtern», meinte sie mit einem Lachen. Voltaren und Alvedon halfen gegen die Schmerzen, auf den eigens angefertigten Glasfiberschutz am linken Schienbein verzichtete sie in letzter Minute. «Das Fahrgefühl fehlte mir mit diesem», so die lapidare Begründung. Ein Wikinger kennt keinen Schmerz.
Auf den Vater gehofft
«Sehr stolz» sei sie nach dieser bronzenen Auszeichnung. Mit sechs Olympiamedaillen schloss sie zu Janica Kostelic auf, die mit viermal Gold und zweimal Silber die erfolgreichste Skifahrerin bei Olympia ist. Und dies liess die 27-jährige Allrounderin auch wieder etwas übermütig werden. Den Freudensprung auf das Siegerpodest bezahlte sie mit neuerlichen Schmerzen. «Aber in der Freude vergisst man leicht», strahlte sie.
«In früheren Jahren bin ich mental jeweils etwas eingebrochen, deshalb bin ich besonders stolz, hier zu stehen. Es war ein persönlicher Einsatz, weil ich sehr mit mir kämpfen musste», erklärte Pärson. «Ich war sauer, weil die Kombination aus meiner Sicht die grösste Chance auf Gold gewesen war. Und dann war mein Start infrage gestellt. Es war alles so furchtbar, als ich auf dem Lift sass. Alles war so weit weg. Ich versuchte dann, die negativen Gedanken zu verdrängen», erklärte sie.
In der Nacht zwischen den beiden Rennen waren im Pärson-Camp die Drähte heiss gelaufen. «Die ganze Familie sprach über Skype», berichtete ihre Mutter Frida. «Es war noch nie so schwer gewesen, einen Entscheid zu fällen», sagte Anja Pärson selber. Sie habe fast gehofft, dass ihr Vater und Trainer ihr den Entscheid abnehmen würde. «Bei einem Weltcuprennen wäre ich im Bett geblieben», verriet sie. «Aber an Olympischen Spielen lässt man nichts aus.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.02.2010, 10:02 Uhr
