Sport
Bode Miller macht Vancouver zu seinen olympischen Festspielen
Von Jonas Racine. Aktualisiert am 22.02.2010
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Bode Miller zeigte in der Stunde des ersten olympischen Triumphes ungeahnte Gefühle: «Ich wollte diese Goldmedaille. Ich brauchte sie.» Der sonst so schweigsame und rätselhafte Amerikaner, der seine Emotionen oftmals hinter seinem Pokerface verbirgt, sprach von «einem Traum, der in Erfüllung geht».
Noch vor vier Monaten war nicht klar gewesen, ob er seine Karriere überhaupt weiterführen würde. Im Sommer kümmerte er sich um seine Tochter Dacey und mühte sich nicht wie seine Konkurrenten im Kraftraum ab. Statt irgendwo in den Anden Trainingsläufe zu absolvieren, genoss er die kalifornische Sonne. Und doch kehrte er in den Zirkus zurück. Überraschenderweise schloss sich der Individualist wieder dem US-Team an und verzichtete darauf, wie früher in seinem Wohnwagen an die Rennen zu reisen. Trotz Trainingsrückstand und unkonstanten Resultaten im Weltcup hatten nicht wenige ihn auf dem olympischen Favoritenzettel. Wenn es wichtig wird, darf man den unberechenbaren Miller nie abschreiben. Benjamin Raich, die bisher glücklose österreichische Medaillenhoffnung, meint: «Miller ist verrückt. Es ist schwierig, ihn zu verstehen, aber ich weiss eines: Wenn er bereit ist, ist er der perfekte Skifahrer.»
Slalom sei Dank
Diese Fähigkeit, in entscheidenden Momenten aufzudrehen, bewies der 32-jährige Allrounder in Vancouver erneut. Nachdem Miller in der Abfahrt und im Super-G noch auf die Plätze verwiesen worden war, krallte er sich in der Superkombination endlich sein erstes Olympiagold. Nach der Abfahrt hatte noch der Norweger Aksel Lund Svindal geführt. Doch mit einem fantastischen Slalomlauf setzte Miller die Konkurrenz unter Druck. Raich, Kostelic, Zurbriggen und zuletzt auch Svindal scheiterten.
Ausgerechnet im Slalom sicherte sich der launische Amerikaner den Sieg. In dieser Disziplin, in der Miller selten die richtige Mischung zwischen seiner unbändigen Risikobereitschaft und der nötigen Sicherheit findet, hängte er die Gegner ab. Miller hat die olympischen Spiele zu seinen Festspielen gemacht und noch stehen weitere Entscheidungen an. Sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom muss mit Miller gerechnet werden. Erstaunen würde es wohl niemanden, wenn er weitere Medaillen holen würde. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.02.2010, 12:58 Uhr
