Sport

Maria Riesch holt zweites Gold

Von David Bernold (Si), Whistler. Aktualisiert am 27.02.2010

Im Schneetreiben von Whistler setzte sich die Siegerin der Super-Kombination auch Gold im Slalom.

Unterwegs zu weiterem Gold: Maria Riesch führte bereits nach dem 1. Lauf in Whistler.

Unterwegs zu weiterem Gold: Maria Riesch führte bereits nach dem 1. Lauf in Whistler.
Bild: Keystone

Die Weltmeisterin ist auch Olympiasiegerin. Maria Riesch gewann nach der Super-Kombination den Slalom und machte sich zur einzigen alpinen Doppelsiegerin an diesen Spielen. Marlies Schild sicherte sich Silber, Sarka Zahrobska Bronze.

Die Weichen auf dem Weg zum Double hatte Maria Riesch mit überlegener Bestzeit im ersten Lauf gelegt. Vier Zehntel Vorsprung hatte sie auf Sarka Zahrobska herausgeholt. Marlies Schild, die im zweiten Durchgang mit Bestzeit um eine Position in den zweiten Rang vorstiess, hatte 65 Hundertstel zurückgelegen.

Im Finale auf einer schon deutlich gezeichneten, mit vielen Schlägen und Rillen versehenen Piste verwaltete Maria Riesch ihren Vorsprung souverän und sorgte so für das dritte Gold der deutschen Alpin-Frauen an diesen Spielen und auch für den dritten Triumph einer Deutschen in einem Olympia-Slalom. Gelungen war dies zuvor schon Hilde Gerg 1998 in Nagano und Christel Cranz in der «Steinzeit», 1936 vor heimischem Publikum in Garmisch-Partenkirchen.

«Ich bin total überwältigt, ich kanns gar nicht fassen», sagte die überglückliche Bayerin. «Im Slalom kann so viel passieren. Ausserdem war Marlies (Schild) so schnell im zweiten Lauf. Ich wagte gar nicht an das zweite Gold zu denken. Deshalb kann ich jetzt noch gar nicht mehr sagen, als dass es der Wahnsinn ist. Dass meine Eltern vor Ort sind, macht es noch schöner.»

Kein dritter «Sister Act»

Ein Wermutstropfen bleibt für Maria Riesch. Der Traum, gemeinsam mit ihrer Schwester auf dem Podium zu stehen, wurde nicht Realität. Susanne Riesch schied im zweiten Lauf nach einem Einfädler aus. Nach halbem Pensum hatte das Wunschedenken durchaus seine Berechtigung gehabt. Die drei Jahre jüngere Susanne Riesch lag an vierter Stelle, nur sechs Hundertstel hinter Marlies Schild.

Aus dem dritten «olympischen Sister Act» wurde damit nichts. Dieses Kunststück bleibt zumindest die nächsten vier Jahre das Unikat der Französinnen Christine und Marielle Goitschel. 1964 hatte Christine im Slalom vor Marielle gewonnen, im Riesenslalom wars umgekehrt. Bei den Männern schafften einzig Phil und Steve Mahre den Doppelschlag. Die Amerikaner gewannen in dieser Reihenfolge 1984 Gold und Silber im Slalom.

Olympia-Premiere für Tschechien

Grossanlässe sind seit jeher das Parkett von Sarka Zahrobska. Die Tschechin, die einen kompletten Satz an WM-Medaillen zu Hause hat, bescherte ihrem Heimatland das erste olympische Edelmetall bei den Alpinen. Vor der Anfang Januar 1993 vollzogenen Abspaltung von der Slowakei hatte Olga Charvatova 1984 in Sarajevo Bronze in der Abfahrt geholt.

Der neueste Erfolg ist ein logischer. Sarka Zahrobska gehört auch im Weltcup seit einigen Jahren dem Kreis der Spitzenfahrerinnen an. Seit ihrem Einstieg vor gut sieben Jahren besticht sie vor allem auch durch eine Konstanz, die ihresgleichen sucht. 72 Slaloms, ihre Starts an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen eingerechnet, hat sie bestritten und schien nur sechsmal nicht in der Rangliste auf. Das ergibt eine traumhafte Quote von über 90 Prozent. Von den 66 Klassierungen sind 45 Top-Ten-Ergebnisse. Neben ihren zwei Siegen in Aspen 2008 und 2009 stehen sieben weitere Podestplätze in ihrer Bilanz.

Sarka Zahrobska verdankt ihren Aufstieg primär ihrem Vater. Petr Zahrobsky, patentierter Rechtsanwalt, eignete sich das Rüstzeug für seine Aufgabe als Trainer autodidaktisch an. Fachbücher mussten reichen, um seinen Plan, aus seiner Tochter eine Weltklasseathletin zu formen, in die Tat umzusetzen. Das Familienunternehmen, zu dem auch Sarkas (deutlich weniger erfolgreicher) Bruder Petr gehört, arbeitet losgelöst vom nationalen Skiverband. Dieser hatte vor Jahren die Unterstützung verweigert mit der Begründung, seinen Fokus auf den Skisprung und den Langlauf zu richten.

Silber glänzt wie Gold

Marlies Schild muss mit ihrem ersten Titel an einer Grossveranstaltung weiter gedulden. Das Silber glänzt für die Salzburgerin indessen wie Gold. Wer im Winter nach 20 Monaten Rekonvaleszenz und einem Schien- und Wadenbeinbruch schon wieder ganz vorne mitfährt, darf sich unabhängig von der Farbe der Medaille als Siegerin freuen. Als Zweitplatzierte sicherte sich die Lebensgefährtin von Benjamin Raich ihr drittes olympisches Edelmetall. Vor vier Jahren in Sestriere war sie in der Kombination Zweite und im Slalom Dritte geworden. Dazu gesellen sich je zwei silberene und bronzene WM-Medaillen.

51 Starts, keine Top-15-Klassierung

Schweizerinnen waren zum zweiten Mal im olympischen Slalom nicht mit von der Partie. Gleiches hatte sich schon vor vier Jahren in Sestriere zugetragen. Keine der Starterinnen im Weltcup war in diesem Winter auch nur ansatzweise in der Lage, die Kriterien für die Selektion zu erfüllen. Insgesamt elf Athletinnen kamen in den sieben Slaloms zum Einsatz. Bei 51 Starts gabs sieben Klassierungen - zwischen den Rängen 16 und 24. Die Klasse vermag mit der Masse in keiner Weise Schritt zu halten.

Rangliste

Fahrerin Land Rückstand
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.02.2010, 00:56 Uhr