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Der geheime Wachs des Simon Ammann
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Geschichten über «Wunderwachse» gehören zu Olympischen Winterspielen wie das Schweizer Haus. Meist steckt hinter den Storys nicht viel mehr als geschickte PR-Arbeit der Wachsfirmen.
Gerhard Hofer, im dritten Winter für das Material von Simon Ammann und Andreas Küttel verantwortlich, will denn auch nichts von einem «Wunderwachs» wissen. «Das ist Blödsinn», sagt der 27-jährige Tüftler aus Leidenschaft. Hofer fand aber immerhin etwas, das zu einem Mosaiksteinchen von Simon Ammanns Triumph wurde: Der Österreicher bediente sich vor dem Springen beim «Amtskollegen» des Langlauf-Teams.
Weil er für nasse und feuchte Verhältnisse wie im Whistler Olympic Park nicht gleich gut ausgerüstet ist wie für kalte und trockene, suchte Hofer am Donnerstag den Rat von Roger Wachs (der heisst tatsächlich so). Der Chef des Langlauf-Serviceteams drückte Hofer ein Langlauf-Wachs in die Hand, welches dieser für die beiden Trainingssprünge am Freitag auftrug.
Risiko hat sich ausgezahlt
Der Test fiel so gut aus, dass Hofer im Wettkampf auf das gleiche Produkt setzte. «Insgesamt kann man sagen, dass ich voll gepokert habe», sagte Hofer nach erfüllter Gold-Mission. Das Risiko zahlte sich aus. Ammann gehörte in der Anlaufspur zu den Schnellsten, was bei ihm trotz stark verbesserter Anfahrtsposition immer noch Seltenheitswert hat.
«Wer nichts wagt, kann nichts gewinnen», meinte Hofer, der als einer der schrägsten Vögel der Skisprung-Szene gilt. «Ich bin eben verrückt genug, mich auf so etwas einzulassen.» Langlauf-Wachse sind im Skispringen zwar schon öfter verwendet worden, aber nicht bei solchen Verhältnissen und nicht von Hofer.
Der freute sich nicht nur über die Goldmedaille von Ammann, sondern auch über die Art und Weise der interdisziplinären Zusammenarbeit im Schweizer Olympia-Team. «Als ich noch für die Österreicher arbeitete, bekam ich für jeden Grossanlass einen Wissenschaftler zur Seite gestellt. Im Vergleich dazu kann ich in der Schweiz machen, was ich will.» Wie Hofer das sagt, wird klar, dass er den praktischen Weg bevorzugt. Sowohl seine Vorgesetzten als auch die Athleten bringen «Gatsch» das volle Vertrauen entgegen. (tan/si)
Erstellt: 14.02.2010, 16:23 Uhr
