Sport

«Didier Cuche zeigt, dass Erfolg im Alter über 30 möglich ist»

Interview: Hans Leuenberger (Si). Aktualisiert am 15.02.2010

Olympiasieger Simon Ammann stellte sich in Whistler am Sonntagmorgen Lokalzeit nach einer kurzen Nacht den Medien - mit der Goldmedaille um den Hals und aufgesetzter Sonnenbrille.

1/19 Sonnenbrille nach langer nacht
Simon Ammann zeigt sich mit Sonnenbrille und seiner dritten Olympia-Goldmedaille.
Bild: Keystone

   

Simon Ammann, hat Ihre Sonnenbrille Kultpotenzial?
Sie hat bestimmt Potenzial nach der Siegesfeier, um die roten Augen abzudecken. Aber wenn ich nochmals die Chance erhalte, aufs Podest zu steigen, werde ich sie reinschmuggeln. Man soll ja nicht immer alles befolgen. (Verbot durch IOC - Red.)

Wo haben Sie diese Brille ausgegraben? War es ein spontaner Kauf in Whistler?
Nein, ich wollte das Olympia-Outfit aufpeppen. Ich erhielt die Brille in Sapporo von meinem Ausrüster und habe sie auch schon zuvor getragen.

Welches war im Rückblick der emotionalste Moment des gestrigen Tages?
Unmittelbar nach der Landung. Ich wusste gleich, ich habe gewonnen. Trotzdem jubelte ich nicht gleich los, sondern genoss den Moment. Ich hatte die Schanze für mich allein und wusste: Ich habe es geschafft. Jens Weissflog sagte einst, man müsse trotz all der Emotionen seine Aufgabe stets glasklar vor den Augen haben. Das Ausfahren war der schönste Moment.

Flossen im Verlaufe des Tages auch Tränen?
Nein. Ich bin nicht so der Typ dazu. Aber klar. Die Energie muss abgebaut werden.

Werden Sie diese Medaille auch im Safe der Bank von Unterwasser deponieren?
Ich muss sie sicher mehrmals in den Händen halten, um zu realisieren, was ich geschafft habe. Die Medaille gefällt mir. Sie wurde von Einheimischen kreiert. Ich werde Nachforschungen betreiben, um all die Symbole zu verstehen.

Wird sich Ihr Leben wie nach Salt Lake City erneut komplett verändern?
Man gewöhnt sich an alles! (lacht)... Der Weltmeistertitel in Sapporo 2007 bestätigte mir, dass ich keine Eintagsfliege bin. Hier bin ich nun in der Liga der herausragenden Springer gelandet. Das ist eine grosse Ehre für mich.

Sind Sie der Mann für grosse Ereignisse?
Ich hatte in den letzten drei Jahren viele gute Momente, war immer in der Spitze vertreten und starte hier als Weltcup-Leader. Das mag ein Grund sein, weshalb ich nun etwas länger brauche, um zu realisieren, dass ich Aussergewöhnliches erreicht habe.

Werden Sie in Sotschi 2014 wieder antreten?
Didier Cuche zeigt, dass Erfolg im Alter über 30 möglich ist. Aber diese Frage stellt sich für mich dieser Tage nicht. Wie es weiter geht, entscheide ich nach den Weltmeisterschaften 2011 in Oslo.

Wie geht es nun in Whistler weiter?
Ich will etwas Abstand gewinnen, werde wohl die Abfahrer unterstützen, ein gutes Steak essen, den Körper pflegen und den Kontakt mit anderen Sportlern im olympischen Dorf geniessen. Gleichzeit steht die Vorbereitung auf kommenden Samstag an. Aber ich bin jetzt unbelastet und stehe weniger unter Druck als die Konkurrenz.

Sie haben mit Ihrer Prognose recht erhalten. «Wer in Willingen springt, wird nicht Olympiasieger», prophezeiten Sie.
Ja, ich bin froh, dass ich schon länger als eine Woche in Kanada bin. Neun Stunden Zeitumstellung geht an die Substanz.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.02.2010, 00:25 Uhr