Sport

Dieser Langläufer sieht nur ein helles Licht

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 26.02.2010

Der kanadische Langläufer Brian McKeever schreibt schon vor dem Marathon über 50 km olympische Geschichte. Denn der 30-Jährige ist blind und darf am Sonntag keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Erfolgreiches Gespann in der Loipe: Bei den Paralympics führt Robin (l.) seinen Bruder Brian an.

Erfolgreiches Gespann in der Loipe: Bei den Paralympics führt Robin (l.) seinen Bruder Brian an.
Bild: Keystone

Gegen das Blitzlicht: Brian McKeever hat eine Sehkraft von weniger als zehn Prozent.

Gegen das Blitzlicht: Brian McKeever hat eine Sehkraft von weniger als zehn Prozent. (Bild: Keystone)

Olympische Winterspiele Vancouver 2010

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Eigentlich wollte er nie ein Held sein. Und auch nicht partout ein Wegbereiter für Top-Athleten mit einer Behinderung. Jetzt ist aber Brian McKeever beides – und wird sogar für eine Sensation sorgen. Der Kanadier ist der erste Wintersportler, der sowohl an Olympia als auch an den Paralympics startet. Und dieser Startplatz für Vancouver 2010 wurde ihm keinesfalls geschenkt. «Er hatte eine Chance, und er nutzte sie», erklärt Tom Holland, der Trainer der kanadischen Langläufer. Beim letzten Qualifikationsrennen in Canmore (Provinz Alberta), dem Wohnort des Langläufers, schaffte dieser den Sprung ins Olympia-Team.

An Terminen mit Journalisten erzählt der bemerkenswerte Athlet immer wieder ruhig und sachlich seine Lebensgeschichte. Schon Vater Bill und seine Schwester litten am Morbus Stargardt, einer Krankheit, bei der die Sehschärfe im zentralen Sehfeld zerstört wird. Noch als 20-jähriger Student sass McKeever junior ganz hinten im Hörsaal und konnte das Geschriebene auf der Wandtafel lesen. Nur vier Monate später sass er ganz vorne. «Innerhalb von zwei Jahren war ich den rechtlichen Definitionen zufolge blind.» Die Sehbehinderung sei kein schwarzer Fleck, sondern ein helles Licht, beschreibt der Langläufer seine Sehbehinderung. «Es ist wie ein Blitzlicht.» Nur an der Peripherie ist die Sehkraft erhalten. Duch geschickte Augenbewegungen kann den den blinden Fleck umgehen, auf grössere Distanz verschwimmt alles.

Bei den Paralympics startet er in der Kategorie der Sehbehinderten mit einer Sehkraft von weniger als zehn Prozent. «Es ist wie ein Donut», sagt Coach Holland, «er sieht den zentralen Teil des Bildes nicht.»

Der Bruder darf nicht mitlaufen

Trotz dieses Handicaps beim Sehen hat Brian sich selbst und das Leben nicht aufgegeben. Diese Kraft, sich gegen das Schicksal zu stemmen, hat er vom Vater bekommen. Dieser baute trotz der Augenerkrankung eigenhändig das Ferienhaus der Familie. «Du bist stark genug. Du wirst damit umgehen können», sagte er seinem Filius. Um seine grosse Leidenschaft, das Langlaufen fortzuführen, bat Brian seinen Bruder Robin um Hilfe. Dieser stimmte zu, fortan bilden sie ein eingespieltes und erfolgreiches Duo. Der sechs Jahre ältere Robin fährt voraus und achtet darauf, dass Brian die heikelsten Stellen sicher passiert. «Wir müssen uns nicht viel unterhalten. Ich folge ihm, es macht Spass, diese Erfahrung mit jemanden zu teilen.»

An den Paralympischen Wettkämpfen haben die Gebrüder McKeever punkto Medaillen schon heftig abgeräumt. Am Sonntag darf er aber seinen Bruder nicht mitnehmen. Er wird sich seinen Weg durch die Loipe selbst bahnen müssen, ist im Kampf mit der starken Konkurrenz auf sich alleine gestellt. «Ich bin die Strecke mehrmals gefahren», sagt Brian McKeever gelassen. Er wird sich ganz auf sein Erinnerungsvermögen verlassen müssen.

Immerhin: Die Familie wird an der Loipe stehen und ihn anfeuern. Und mit ihr auch eine grosse Sportgemeinde – wohl nicht nur die aus Kanada. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.02.2010, 15:40 Uhr