Vollkommen Ratlos

Das Panathlon-Forum versuchte der Doping-Diskussion auf den Zahn zu fühlen – vergebens.

Berechtigte Zweifel. Der Brite Chris Froome fuhr in der letzten Saison im Radsport allen davon.

Berechtigte Zweifel. Der Brite Chris Froome fuhr in der letzten Saison im Radsport allen davon. Bild: Keystone

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Die Männer vorne auf der Bühne reden schon eine Weile, Hemd, Jackett, Mineralwasser, gesittete Diskussion. Man lässt sich ausreden, man entschuldigt sich bei Meinungsverschiedenheiten. Konfliktfreie Vorstellung. Dann, nach einer halben Stunde etwa, sagt Marco Steiner, Stellvertretender Direktor von Anti-Doping Schweiz: «Den Traum vom sauberen Sport werden wir nie realisieren können.» Die Worte hallen im grossen Saal mit den hellen Deckenleuchten wider, rund 150 Zuhörer sitzen da, wirklich überrascht ist niemand.

Donnerstagabend, der FCB spielt gegen den FC Sion, die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft versucht gegen Schweden das Wunder zu schaffen und in den WM-Halbfinal einzuziehen. In der Aeschenvorstadt wird über Doping geredet. Der Panathlon Club beider Basel lädt zu seinem 11. Forum ein, bei dem jedes Jahr über Aktuelles aus der Sportwelt diskutiert wird. 2015 redeten Experten über Korruption, 2016 war das Abschneiden der Fussball Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich das Thema. Und nun Doping.

Doping, ein notwendiges Übel?

Benjamin Schmid, Sportjournalist und BVB-Sprecher, leitet das Gespräch «Doping – notwendiges Übel des Leistungssports?» Jörg Schild, ehemaliger Präsident von Swiss Olympic, Professor Bengt Kayser, Ordinarius am Institut für Sportwissenschaften der Universität Lausanne, und eben Marco Steiner diskutieren. Alle haben sie verschiedene Meinungen. Eines haben sie jedoch gemeinsam: die Ratlosigkeit.

Themen wie die Sperre der Tennisspielerin Maria Scharapowa, die Situation im Radsport und ob Doping im Fussball denn wirklich was bringt, werden angeschnitten. Eine Diskussion, eine Auseinandersetzung findet nicht statt. Sie alle wissen: Das Problem der illegalen Substanzen im Profisport kann man nie ganz in den Griff bekommen.

Gewisse? Einige? Die meisten? Alle? Radfahrer werden immer zur Spritze oder zu den Tabletten greifen, unzählige Leichtathletikrekorde sind nicht sauber zustande gekommen – und auch im nationalen Sport wird gedopt, natürlich. Steiner sagt dazu: «Auch in der Schweiz wird es nie komplett sauberen Sport geben, aber wir können sagen, dass es in unserem Land kein flächendeckendes Doping gibt.» Er sagt aber auch: «Die Dopingbekämpfer weltweit, auch in der Schweiz, haben sich in den letzten Jahren nicht mit Ruhm bekleckert.» Und er weiss auch: «Kontrollen werden Doping nie ausschliessen können.»

Was also tun? Steiner sagt: «Wir brauchen mehr Mittel, wir müssen es weiterhin versuchen, auch wenn der Kampf schwierig ist.» Auch Jörg Schild, ehemaliger Basler Spitzenhandballer, findet dies. Er sagt: «Doping hat im Sport keinen Platz. Wir müssen alles gegen unsauberen Sport unternehmen.»

Legalisierung, die richtige Lösung?

Ein wenig anders sieht das Bengt Kayser. Er sagt an diesem Abend Sätze wie: «Wir haben schon immer Radrennen geschaut. Und auch die Jahre mit Armstrong waren ja schön. Und das wird so bleiben.» Er sagt weiter: «Verbotene Substanzen sind Teil der Sport­ethik. Ein Athlet macht alles, dass er besser wird.» Und: «Die Dopingbekämpfung wird immer schwieriger, immer teurer. Dann müssen wir uns doch die Frage stellen: Ist die Nulltoleranz die richtige Lösung?»

Kayser spricht sich für eine Teillegalisierung von verbotenen Substanzen aus – und erklärt nach dem offiziellen Podiumsgespräch der BaZ, dass er die Lösung in der Einhaltung von gewissen Grenzwerten sieht und nicht im totalen Verbot. Dies gab es schon früher, zum Beispiel im Radsport, als die Athleten einen gewissen Hämatokritwert (Anteil rote Blutkörperchen im Blut) erreichen durften, ohne gesperrt zu werden, obwohl sie diesen Wert zum Beispiel durch die Einnahme von Epo erzielt haben. «Genau eine solche Regulierung fände ich gut, so könnte es funktionieren», sagt Kayser.

Jörg Schild und Marco Steiner teilen diese Meinung nicht. Sie sagen: «Das spricht gegen die Olympische Charta» (Schild) und: «Es ist frustrierend, aber darum dürfen wir nicht aufgeben. Ich betrachte eine Regulierung als kritisch» (Steiner).

Einig sind sie sich nicht. Und schon gar nicht zuversichtlich. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.05.2017, 07:00 Uhr

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