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Das Ende des Lügensystems Armstrong

Ein Kommentar von Alexander Kühn. Aktualisiert am 24.08.2012 72 Kommentare

Gemessen an seinen Leistungen auf dem Rad und im Leben hätte Lance Armstrong Besseres verdient als die Verbannung ins Gruselkabinett des Sports. Ein Kommentar zur Schizophrenie einer grossen Karriere.

Kein Unrechtsempfinden, keine Einsicht: Lance Armstrong (l.), Kronprinz Jan Ullrich.

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Bild: Keystone

Alexander Kühn, Sportredaktor baz.ch/Newsnet.

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Lance Armstrong gibt im Rechtsstreit mit der US-Anti-Doping-Agentur klein bei. Endlich, ist man geneigt zu sagen. Auch wenn der 40-Jährige den Dopingmissbrauch nicht explizit zugibt, bedeutet dieser Schritt das Ende des Lügensystems Armstrong. Will der Familienvater, der sich selbst als moralische Institution darstellte, nicht als notorischer Lügner und Betrüger in die Geschichte des Radsports eingehen, muss er nun den letzten Schritt machen und zugeben, dass er bei seinen Erfolgen mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen hat.

Ein Sünder, der zu seinen Taten steht und aufrichtig bereut, wird früher oder später immer Verständnis finden – selbst dann, wenn er wie Armstrong jahrelang anderen Fahrern den Schwarzen Peter zuschob und seine Kritiker mit einer geradezu inquisitorischen Strenge einzuschüchtern versuchte. Die Tennislegende Andre Agassi könnte ein Vorbild für Armstrong sein: Der achtfache Major-Sieger gestand in seiner Autobiografie «Open» freimütig den Konsum von Drogen wie Crystal Meth, geniesst aber dennoch weiter höchstes Ansehen auf der ganzen Welt.

Armstrong ist eine grosse Figur – im Negativen wie im Positiven. Mit Blick auf den tiefen Dopingsumpf im Radsport kann man mit Fug und Recht behaupten, dass er längst nicht der einzige Spitzenfahrer war, der dopte, und seine sieben Triumphe an der Tour de France herausfuhr, weil er tatsächlich der Härteste und Stärkste im Feld war. So hart und stark wie damals, als er den Hodenkrebs besiegte und in den Radsport zurückkehrte.

Livestrong ist sein grösstes Werk

Was der Texaner mit dem eisernen Willen nach seiner Krankheit getan hat, wirkt auf den neutralen Beobachter ebenso eindrücklich wie schizophren. Auf der einen Seite widmete sich Armstrong mit bewundernswerter Energie seiner Stiftung Livestrong, die sich dem Kampf gegen den Krebs verschrieben hat, auf der anderen Seite setzte er die Gesundheit seines zweiten Lebens mit abenteuerlichen Dopingpraktiken aufs Spiel. Ein klassischer Januskopf also. Es wäre eine Tragödie, wenn Livestrong nun unter dem kläglichen Ende der Auseinandersetzung mit den Dopingjägern zu leiden hätte. Denn Armstrong ist nicht nur ein Betrüger, sondern auch ein grosser Kämpfer.

Vielleicht rührt seine Sturheit auch daher, dass er kein Unrechtsempfinden besitzt. Wie sein alter Rivale Jan Ullrich, der zwar den Kontakt zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes nach langem Hin und Her zugab, aber hartnäckig dabei blieb, nie jemanden betrogen zu haben. Frei nach dem Motto: Wenn alle mit manipuliertem Blut über die Strassen jagen, tut keiner dem anderen weh. Als Trottel müssen sich jene Athleten fühlen, die tatsächlich sauber waren. Wenn es sie denn gab.

Erstellt: 24.08.2012, 11:48 Uhr

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72 Kommentare

Michael Tanner

24.08.2012, 11:59 Uhr
Melden 187 Empfehlung 0

...wenn es die gab....treffender hätte der Schlusssatz nicht sein können! Antworten


Bruno Heuberger

24.08.2012, 12:02 Uhr
Melden 88 Empfehlung 0

"Als Trottel müssen sich jene Athleten fühlen, die tatsächlich sauber waren. Wenn es sie denn gab." Hoppla - ich wüsste gerne, was unser Fabian Cancellara dazu meint! Antworten



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