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Das Logo und der Blowjob
Von Marcel Rohr. Aktualisiert am 10.07.2012 8 Kommentare
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War das ein langweiliges Wochenende. Kein Fussball am Samstag, kein Fussball am Sonntag. Schrecklich. Die schönen Frauen von Kiew, die ich vor und nach dem EM-Final gesehen habe, sind weit weg. Vor allem die, die mir unbedingt ihre Briefmarkensammlung zeigen wollten. Was tun? In meiner Not begann ich, Hunderternoten zu zerschneiden, so langweilig war mir. Die farbigen Schnipsel verteilte ich im Garten, so, dass es die Nachbarn sehen konnten. Aber auch das begann mich zu langweilen. Ich fragte mich, warum die Super-League-Saison erst diesen Freitag beginnt, ideal wäre doch am Mittwoch nach dem EM-Final gewesen, von mir aus auch gleichzeitig wie Spanien–Italien, Hauptsache, der Ball rollt?…
Ich zerschnitt so lange Hunderternoten, bis mir ein Artikel in der Freitags-BaZ auf Seite 16 des Sportteils ins Auge stach. Darin ging es um die Olympischen Sommerspiele, um London 2012 und um einen Ruderer aus der Region Basel. Mitten im Text prangte das Logo «London 2012», ein hässliches Konstrukt in der schrillen Farbe Pink. Ich legte die Schere weg und starrte auf das Logo. Sekunden, Minuten, Stunden vergingen – so ganz ohne Fussball ist das möglich.
Zeigt das Logo Oralverkehr?
Je länger ich mich mit dem Logo optisch beschäftigte, desto wirrer wurden meine Gedanken und ich schärfte meine Sinne für den investigativen Journalismus, das heisst, ich recherchierte wieder einmal. Ich blätterte alle möglichen Magazine durch, ich wollte alles über dieses schreckliche Logo wissen. Als Erstes erfuhr ich, dass allein die Entwicklung dieser optischen Umweltverschmutzung 400'000 Pfund, also rund 605'000 Franken, gekostet hat. Schon 2007 warnte die Vereinigung Epilepsy Action, dass das Betrachten des Logos epileptische Anfälle auslösen könnte. Sofort erinnerte ich mich an die Fussball-EM 2008. Damals, als ich das erste Mal den Maskottchen Trix und Flix begegnete, hatte ich urplötzlich Atemnot und Potenzprobleme; aber epileptische Anfälle?
Hmm. Es wurde noch krasser, als ich gestern Morgen in der «Süddeutschen Zeitung» blätterte. Das Blatt berichtet aufgeregt von moralischen Problemen rund um das Logo: Experten in London behaupten, es sehe aus wie ein Schattenriss der Comicfigur Lisa Simpson, die ihrem Bruder Bart einen blase. Hä, was? Dazu muss man wissen: Lisa Simpson ist acht Jahre alt und geht in die 2. Klasse der Grundschule in Springfield, USA. Die Simpsons sind weltweit für vieles bekannt, nur nicht dafür, dass die Kleine ihrem Bruder einen Blowjob macht.
Jetzt, wo alle moralischen Regeln gebrochen sind, können auch Sie ungeniert auf das Logo (siehe oben) glotzen und Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Es dauert eine Weile, schreibt die «Süddeutsche», bis man versteht, was die Kritiker meinen, aber wer es einmal erkannt hat, kann in dem Logo leider nie wieder etwas anderes erkennen. Aber jetzt: Schluss mit diesen Ferkeleien! Am Freitag ist Saisonstart in der Schweiz! Freuen Sie sich auf die neue Saison – und das moralisch einwandfreie Logo der Super League! (Basler Zeitung)
Erstellt: 10.07.2012, 13:33 Uhr
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