Den Saints gelingt die Überraschung

Von David Wiederkehr, Miami. Aktualisiert am 08.02.2010

Die Aussenseiter aus New Orleans schlagen in der Superbowl die Indianapolis Colts mit deren Star-Quarterback Peyton Manning 31:17. Dieser leistete sich den entscheidenden Fehler des Finals.

Triumph beim bedeutendsten Sportevent in den USA: Saints Headcoach Sean Payton (l.) applaudiert seinem Quarterback und MVP Drew Brees.

Triumph beim bedeutendsten Sportevent in den USA: Saints Headcoach Sean Payton (l.) applaudiert seinem Quarterback und MVP Drew Brees.
Bild: Reuters

Dieser musste zusehen, wie sein Gegenüber Drew Brees als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Manning hat nicht den Ruf, viele Fehler zu begehen. Im Gegenteil: Er gleicht einem Uhrwerk, das läuft und läuft – was um ihn herum auch geschehen mag. Beispielsweise warf der Quarterback der Indianapolis Colts im Laufe dieser Saison nur 18 so genannte Interceptions, vom Gegner abgefangene Pässe; im Schnitt nicht einmal einen pro Spiel. Manning blieb in der Nacht auf heute in der Superbowl gegen die New Orleans Saints in Miami bei dieser Marke und warf eine einzige Interception. Allerdings führte ausgerechnet diese die Spielentscheidung herbei: Mit 3:54 verbleibenden Minuten auf der Uhr fing Saints-Verteidiger Tracy Porter einen Manning-Pass ab und rannte mit dem Ball 69 Yards weit in die Endzone. Damit führten die Saints 31:17, mit zwei Touchdowns Vorsprung. Und Indianapolis hatte nie den Eindruck vermittelt, als fühlte es sich in diesem Spiel besonders wohl.

So blieb es am Ende beim 31:17 – der Aussenseiter aus New Orleans gewann die begehrte Vince-Lombardi-Trophy und den Titel des «World Champions». Für die Saints ging in ihrer Superbowl-Premiere eine Traumreise zu Ende, die 2005 nach dem Hurrikan Katrina schwerlich begonnen hatte, als das Team vor dem Wegzug aus New Orleans stand, und es zahlreiche Schlüsselpositionen neu besetzen müsste. Doch die Saints wurden erfolgreicher wie nie zuvor in ihrer Klubgeschichte, und darum ist um sie ein Hype entstanden, der mit jedem Sieg grösser wurde. Nicht bloss in New Orleans – sie genossen in diesem Final die Sympathien von einem Grossteil der rund 150 Millionen Amerikaner, die sich das Spiel vor dem Fernseher ansahen. Und auch der gut 75'000 Zuschauer im Stadion. «Who Dat Nation», wie die Saints-Fans genannt werden und sich selber nennen, war deutlich lauter als die «Blue Stampede» der Colts. Hinterher sagte Runningback Reggie Bush: «Dass wir von unten kommen, macht diesen Sieg noch spezieller. Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht.»

Am Anfang dominierten die Colts

Aber die Saints hatten Mühe bekundet, ins Spiel zu finden. Im ersten Viertel wurden sie von den Colts dominiert. Immerhin arbeiteten sie defensiv solide, so dass Manning nur wenig Zeit hatte und auch nicht allzu viel Raumgewinn schaffte. Sein ansonsten bevorzugter Passempfänger Reggie Wayne zum Beispiel fing diesmal nur fünf Pässe für insgesamt erstaunlich magere 46 Yards. Und im zweiten Viertel wurde New Orleans spürbar besser und kam bis auf vier Punkte an die Colts heran, die aber nach wie vor 10:6 führten.

«Who Dat», dieser schwer zu übersetzende Schlachtruf der Saints-Fans, wurde also wieder lauter. Laut war aber auch The Who während der 28-minütigen Halbzeitshow. Die englische Rockband spielte auf einer sternförmigen, rot und schwarz leuchtenden Bühne ein Medley ihrer grössten Hits. Vor dem Spiel hatten Countrysängerin Carrie Underwood die Nationalhymne und Soul-Queen Latifah «America the Beautiful» gesungen. Eine Fliegerstaffel der Florida Air National Guard preschte im Tiefflug über das Stadion hinweg.

Die Finte der Saints

Äusserst spektakulär auch, wie sich nach der Pause der Sport zurückmeldete. Mit einem Trickspielzug gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit kehrten die Saints erstmals die Partie: Kicker Thomas Morstead führte für das Anspiel einen so genannten Onside-Kick aus, ein kurzes Antippen des Balles, so dass dieser mindestens zehn Yards fliegt. Dadurch kann das Kicking-Team – anders als beim üblichen Kick – zwar in Ballbesitz kommen, aber die Gefahr ist gross, dass der Gegner eine gute Feldposition erreicht. Doch den Saints gelang die Finte, die in der Geschichte der Superbowl noch nie vor dem vierten Viertel ausgeführt wurde; Morsteads Teamkollege Jonathan Casillas eroberte den Ball. Nur dreieinhalb Minuten später warf Quarterback Drew Brees einen Touchdown-Pass auf Pierre Thomas zu erstmaligen Führung.

Die angezählten Colts rappelten sich noch einmal auf. Peyton Manning, der sich einer sehr aggressiven Defensive ausgesetzt sah, fand seine Passempfänger (mit Ausnahme von Wayne) wieder häufiger, und nach 8:45 im dritten Viertel rannte der auffälligste Colts-Spieler, Runningback Joseph Addai zum dritten Touchdown des Abends in die Endzone. Nur: Es war der Tag der Saints. Mit einem Feldtor durch Garrett Hartley kamen sie auf 16:17 heran, und nachdem Colts-Ersatzkicker Matt Stover seinerseits einen Feldtor-Versuch verschoss, zogen sie dank eines Touchdowns von Jeremy Shockey wieder an den Colts vorbei. Schliesslich leistete sich ausgerechnet Feinarbeiter Manning den folgenreichen Fehlpass.

Dadurch feierten nicht die Colts, sondern die Saints. Und nicht Peyton Manning war der gefeierte Mann, sondern sein Gegenüber «Drew Orleans» Brees. Der 30-Jährige wurde als MVP ausgezeichnet, als bester Spieler der Partie. Manning dagegen erlebte sein erste Superbowl-Enttäuschung nach dem Sieg vor drei Jahren im selben Stadion. Aber kein Experte glaubt, dass dies sein letztes Endspiel gewesen sein könnte – die Indianapolis Colts gelten schon jetzt als Topfavorit auf den Titel in einem Jahr. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2010, 09:19 Uhr

Programm & Resultate

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EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
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EndeSion - Aarau3:0
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26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
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Stand: 27.05.2012 13:04
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Stand: 27.05.2012 12:57
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Stand: 25.05.2012 15:24
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