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«Der CSI Zürich war immer ein Trendsetter»

Von Rolf Gfeller und Angelika Nido. Aktualisiert am 27.01.2010

Mit der Verkürzung des Mercedes-CSI, des höchstdotierten Hallenturniers im internationalen Pferdesport, wollen die beiden Gründer Rolf und Urs Theiler ein Zeichen setzen.

Straffer, effizienter, spannender: Die CSI-Macher Rolf (l.) und Urs Theiler wollen mit der Verkürzung des Programms ein Zeichen setzen.

Beat Marti

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Rolf und Urs Theiler

Pferde waren schon in der Jugend eine Leidenschaft von Rolf (52) und Urs Theiler (55). Beide vertraten die Schweiz als Springreiter an mehreren Nationenpreisen. Die CSI-Gründer sind Mitinhaber eines Generalunternehmens für Architektur und Immobilien mit Sitz in Thalwil und leben in der Region Zürich. 1999, bei der Umwandlung des CSI in eine Aktiengesellschaft, wurde die Geschäftsleitung mit Reto Caviezel (40) und Oliver Höner (43) erweitert.

Rolf und Urs Theiler, welche Bilanz können Sie nach dem ersten Mercedes-CSI Zürich mit Weltcupstatus im vergangenen Jahr ziehen?
Rolf Theiler: Unsere Bilanz ist durchwegs positiv. Die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Pferdesport-Verband hat gut geklappt. Durch den Weltcup hat der CSI Zürich als Veranstaltung einen offiziellen Status bekommen und ist noch internationaler geworden. Die Medien-präsenz war grösser mit deutlich mehr Fernsehübertragungen im Ausland als in den Vorjahren.
Urs Theiler: Auch bei den Zuschauern und den Sponsoren ist die Weltcuppremiere sehr gut angekommen.

Welches sind die Nachteile, die durch den neuen Stellenwert als Weltcupturnier entstanden sind?
Rolf Theiler: Wir sind eingeschränkter als vorher was das Reiterfeld betrifft. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden uns nun zu 70 Prozent vorgeschrieben. Zusätzlich können wir noch sieben Wildcards vergeben. Dabei versuchen wir, wenn immer möglich, Schweizer Reiterinnen und Reiter zu berücksichtigen. Aber diejenigen, die nun keine Startmöglichkeit am CSI Zürich mehr erhalten, sind darüber weniger erfreut.

Der CSI Zürich wird trotz seines Erfolges erstmals von vier auf drei Tage verkürzt. Warum?
Rolf Theiler: Der Springsport auf dieser Ebene hat sich in den letzten Jahren verändert. Es gibt immer mehr gute Turniere, und die Anforderungen an die Pferde werden immer höher. Unser Prüfungsprogramm, das in den letzten 20 Jahren nur geringfügige Anpassungen erfahren hat, war mit drei Grossen Preisen auf sehr hohem Niveau und schon in der bisherigen Turnierform unglaublich anspruchsvoll für die teilnehmenden Pferde. Und nun mit dem Weltcup erst recht. Das Niveau der 12 anderen Weltcupstationen ist ähnlich hoch, und die Pferde sind praktisch jede Woche im Einsatz. Wir haben uns deshalb gesagt, wir müssen an unserem Programm etwas ändern und es so pferdegerecht wie möglich gestalten. Zum Wohl der Pferde haben wir uns entschlossen, die Anzahl der Prüfungen von 12 auf 9 zu reduzieren.
Urs Theiler: Die Verkürzung hat sich auch angeboten, weil wir möchten, dass die ganze Veranstaltung straffer, effizienter und spannender wird und wir dem Publikum so insgesamt mehr bieten können.

Gab es kein sogenanntes «Donnerstag-Publikum», das den ursprünglichen Eröffnungstag vermissen wird?
Urs Theiler: Der Donnerstag war traditionell der am schwächsten besuchte Tag am CSI Zürich. Wir möchten uns aber auf die Tage konzentrieren, an denen das Bedürfnis am grössten ist. Auch eine Innovation, wie die After-Show-Party hätte sich für einen Donnerstagabend nur schlecht geeignet, weil die meisten Leute am Freitag ja wieder arbeiten müssen.
Rolf Theiler: Vom Programm her wurde ja eigentlich der Freitag gestrichen: Wir hatten das Gefühl, an diesem Tag waren einige Prüfungen unnötig und gingen den Pferden nur «in die Beine»: Noch ein Zeitspringen und noch eine Qualifikation, damals für das Masters, die auf einem entsprechend hohen Niveau sein musste. Nun finden die ehemaligen Donnerstagsprüfungen am Freitag statt.

Werden neben dem Gesamtprogramm, auch einzelne Prüfungen pferdegerechter?
Rolf Theiler: Ja. Der Rolex Grand Prix vom Freitagabend zum Beispiel ist anders ausgeschrieben als im Vorjahr am Donnerstagabend. Die Prüfung wird neu nach Wertung A gerichtet, das heisst, es zählen die Fehlerpunkte und die Zeit zum Endergebnis ein Stechen gibt es nicht mehr. Dadurch müssen die Pferde zwischen 15 und 20 Sprünge weniger bewältigen. Die Prüfung wird dadurch auch wesentlich kürzer und dauert nur noch rund 75 Minuten anstatt wie bisher über zwei Stunden. Für viele Besucher war das einfach zu lang. Zudem ist von Anfang bis Ende Hochspannung garantiert, weil von den rund 40 Startern 30 auf Sieg reiten werden.

Wie haben die Reiterinnen und Reiter auf die Reduktion der Prüfungen reagiert?
Rolf Theiler: Diejenigen Reiter, die sich bereits mit der Problematik befasst hatten, begriffen und unterstützten die Reduktion sofort. Andere bedauerten den Entscheid und sagten, sie wären gern vier Tage in Zürich geritten. Aber in der Diskussion verstanden auch diese Teilnehmer, weshalb wir uns um pferdegerechteren Spitzensport bemühen.

Die Weltcupturniere von Oslo, Helsinki und Lyon dauern auch nur noch drei Tage. Im deutschsprachigen Raum ist der CSI Zürich damit das erste mit einer Reduktion.
Rolf Theiler: Ja, aber das ist ja nichts Neues für uns. Der CSI Zürich war schon immer ein Trendsetter, sei es mit dem Konzept Sport und Show oder anderen Innovationen. Diese Straffung des Programms wird bereits auch von anderen Veranstaltern diskutiert, und wir sind überzeugt, dass sich dieses Konzept durchsetzen wird.

Wirtschaftliche Überlegungen spielten bei der Verkürzung des CSI keine Rolle?
Rolf Theiler: Nein, und dazu kann ich nur folgendes sagen: Wir haben mit Swisslos und Showsponsor Robinson trotz der schwierigen Wirtschaftslage zwei neue Sponsoren gefunden. Ausserdem sind die Dotierungen von einzelnen Prüfungen zum Teil massiv erhöht worden: Beim Punktespringen zum Beispiel gibt es neu 75'000 Franken anstatt wie bisher 30'000 Franken zu gewinnen.

Aber die Gesamtpreissumme ist geringer als in den Vorjahren.
Rolf Theiler: Ja, das ergibt sich aus der Tatsache, dass wir weniger Prüfungen haben. Der CSI Zürich bleibt aber nach wie vor das bestdotierte Hallenturnier der Welt.

Werden die Zuschauereinnahmen vom Donnerstag in der Schlussrechnung des CSI Zürich fehlen oder gleicht sich das mit dem reduzierten Aufwand aus?
Urs Theiler: Wir hoffen, dass wir den Ausfall mit den Einnahmen aus den anderen drei Tagen kompensieren können. Auf der Ausgabenseite reduzieren sich eigentlich nur die Hallenmiete und in einem geringen Ausmass die Personalkosten. Wir haben jedoch auch Mehrausgaben, zum Beispiel für die After-Show-Partys oder das längere Programm an den drei verbleibenden Tagen. Aber unter dem Strich sieht unsere Rechnung rund 60'000 Franken besser aus als im Vorjahr. Das macht bei einem Budget von sechs Millionen Franken ein Prozent aus, fällt also kaum ins Gewicht.

Welche Idee steht hinter den geplanten After-Show-Partys und den Neuerungen in der Expo?
Urs Theiler: Wir haben gemerkt, dass viele Besucher nach Veranstaltungsende noch gerne etwas trinken, sich unterhalten und nicht gleich nach Hause gehen möchten. Diesem Bedürfnis begegnen wir mit den After-Show-Partys am Freitag- und Samstagabend. Es wird im Foyer einen Barbetrieb geben und Musik mit einem DJ. Noch besucher- und familienfreundlicher wollen wir die Unterhaltung in der Expo gestalten, indem wir den Paddock intensiver nutzen. So wird das beliebte Ponyreiten dort auch angeboten und nicht mehr nur in der Arena. Weiter gibt es im Paddock Vorführungen, zum Beispiel von Pferderassen oder Reitsportdisziplinen wie Voltige, sowie Modeschauen.

Wird der CSI auch in Zukunft als Weltcup-Turnier ausgetragen werden? br>Rolf Theiler: Im Prinzip ja. Die Zukunft hängt für uns davon ab, ob der Titelsponsor Rolex sein Weltcup-Engagement beim Weltverband verlängert oder nicht. Der Vertrag läuft noch bis Ende 2010. Zurzeit sind die Verhandlungen über einen neuen Dreijahresvertrag im Gang, auch mit uns Veranstaltern. Wir erwarten, dass der Entscheid beim Weltcupfinal im kommenden April in Genf bekannt gegeben wird.
Urs Theiler: Wir gehen davon aus, dass der Weltcup in dieser Form bestehen bleibt, ob mit Rolex oder einem anderen Sponsoringpartner. Deshalb wird Zürich auch in den nächsten Jahren Weltcupstation sein.

Im April findet in Genf der Weltcupfinal 2009/2010 statt. Deshalb verzichtete man dort auf das traditionelle Turnier im Dezember. Denken Sie, dass dadurch Zürich als einzige Weltcup-Qualifikation in dieser Saison in der Schweiz aufgewertet wird?
Rolf Theiler: Ich glaube nicht, dass wir diesen Aspekt bei uns im Hallenstadion merken werden. Das Genfer Publikum ist ein anderes als unseres. Viel eher wird es für Genf von Vorteil sein, dass im Vorfeld des Finals noch eine Weltcup-Qualifikation auf Schweizer Boden ausgetragen wird. Dadurch werden der Weltcup und dessen Final noch einmal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

Zwei Wochen vor dem CSI Zürich fand in Basel erstmals ein internationales Hallenturnier statt. Erachten Sie diese neue Veranstaltung als Konkurrenz?
Urs Theiler: Der Pferdesport wird dadurch über eine Zeitspanne von drei Wochen beim Publikum im Gespräch und in den Medien präsent sein, das ist sicher ein Vorteil. Mit der Gruppe, die hinter dem CSI Basel steht, verspricht der Anlass ein Erfolg zu werden, auch das ist besser für den Sport als eine schlecht organisierte Veranstaltung. Dass wir wegen Basel mehr Zuschauer bekommen, glaube ich nicht, es werden wohl eher weniger sein. br>Rolf Theiler: Wir hatten bisher pro Jahr rund 3000 Besucher aus Basel; das ist ein wichtiges Einzugsgebiet für uns. Aber die meisten kommen wegen der guten Atmosphäre nach Zürich und werden das auch in Zukunft tun. Vielleicht gehen einige Zuschauer nur noch an den CSI Basel, wieder andere werden beide Veranstaltungen besuchen. Wir gehen davon aus, dass die Einbussen für uns minimal sein werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2010, 18:22 Uhr

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