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Die Leistungsgrenze von Usain Bolt

Interview: David Vonplon. Aktualisiert am 17.08.2009 27 Kommentare

Der Mensch rennt immer schneller. Doch wo liegt die Grenze? Joachim Mester vom Forschungszentrum für Leistungssport in Köln glaubt, dass Steigerungen weiterhin möglich sein werden. Und schätzt Bolts nächste Rekordzeit.

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Usain Bolt setzte an den WM in Berlin womöglich eine Marke für die Ewigkeit. Doch wer waren die Vorgänger des Jamaicaners? Die Entwicklung des 100-m-Weltrekords...
Bild: Keystone

   
«Wissenschaftliche Modelle können nur theoretisch Voraussagen machen»: Professor Joachim Mester vom Forschungszentrum für Leistungssport in Köln.

«Wissenschaftliche Modelle können nur theoretisch Voraussagen machen»: Professor Joachim Mester vom Forschungszentrum für Leistungssport in Köln.

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Zur Person

Joachim Mester ist Leiter des Instituts für Trainingswissenschaften und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule Köln. Zugleich ist er Chef des Deutschen Forschungszentrums für Leistungssport.

Herr Mester, Usain Bolt hat gestern seinen eigenen Rekord über 100 Meter noch einmal pulverisiert. Geht es überhaupt noch schneller?
Die erste Frage ist immer, für wen es noch schneller geht. Bolts gestriger Lauf hat sich bereits an den Olympischen Spielen in Peking vor einem Jahr abgezeichnet: Er ist damals ja regelrecht über die Ziellinie gejoggt. Man konnte von blossem Auge sehen, dass noch mehr drin ist.

Sie glauben also, Bolt kann noch schneller laufen?
Ja, ihm würde ich auch eine Zeit um 9,50 zutrauen.

Wo liegt die Grenze? Ist es auch möglich, dass der Mensch bald unter 9 Sekunden die 100 Meter-Distanz läuft?
Leistungssteigerungen sind durchaus noch möglich. Dass ein Sprinter in den nächsten zwanzig Jahren die 100 Meter-Distanz unter neun Sekunden läuft, kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen.

Mit seinem Fabelweltrekord strafte Bolt gestern jene Wissenschaftler lügen, die seit Jahren prophezeien, dass das «Ende der Weltrekorde naht».
Ja, durchaus. Es zeigt sich, dass wissenschaftliche Modelle zwar Voraussagen machen können, dass aber die Prognosegenauigkeit auf dem Topniveau nicht hinreichend ist.

Weshalb nicht?
Mathematisch-empirische Modelle fussen auf Sättigungsfunktionen. Sie prophezeien, dass es weiterhin Leistungsverbesserungen geben wird, diese aber immer kleiner werden. Das Problem dabei: Letztlich werden Zeitreihen extrapoliert, die auf Ereignissen der Vergangenheit beruhen. Der gestrige Weltrekord von Bolt ist da nachgerade ein Sprung in der mathematischen Funktion. Biologische Modelle verfügen im Gegenzug nicht über die nötige Trennschärfe. Aufgrund der Berechnungen über den Energiebedarf pro Zeiteinheit, oder die Massenträgheitsmomente usw. lässt sich heute nicht vorhersagen, ob die Grenze bei 9.52 liegt, oder bei 9.58.

Einige Wissenschaftler sagen, dass die Grenze des eigentlich Machbaren bereits überschritten wurde. Ist eine solcher Lauf ohne chemische Hilfe überhaupt möglich?
Das weiss niemand so genau. Inzwischen hat man sich auf die Formulierung geeinigt, dass man skeptisch ist, ob das geht. Einen Nachweis kann aber niemand liefern. Genau so wenig verfügen wir über ein Modell, dass mit Sicherheit beweisen kann, ob der Mensch in der Lage ist, ohne Manipulation unter 9,50 zu laufen.

Wie lässt sich denn erklären, dass die Rekorde in den letzten Jahren wie Dominosteine purzeln?
Es gibt, wie immer, nicht nur eine Erklärung. Bei Bolt kommen mehrere Gründe ausserhalb des Dopings zusammen. Er hat phantastische körperliche Voraussetzungen: Mit seinen 1.92 Metern verfügt Bolt über eine sehr grosse Schrittlänge. Damit ist er klar im Vorteil gegenüber den anderen Läufern: Denn letztlich ist Sprintgeschwindigkeit das Produkt aus Schrittlänge und Schrittfrequenz. Wenn Bolt also bei der Schrittlänge eine gute Schrittfrequenz hinbringt, dann ist er einfach schneller.

Welche weiteren Faktoren sind neben der Körpergrösse entscheidend?
Die wichtigsten sind sicher die Schnellkraftfähigkeiten. Der Mensch verfügt über schnelle Zuckungsfasern und langsame. Wer so schnell läuft wie Bolt, muss über einen sehr hohen Anteil schneller Zuckungsfasern verfügen. Schliesslich wurden zuletzt auch grosse Fortschritte im Trainingsaufbau erreicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2009, 19:33 Uhr

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27 Kommentare

heinz schild

17.08.2009, 16:42 Uhr
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Vor fünfzig Jahren hielt man eine 100-m-Zeit unter 9,9 Sekunden (elektr. 9,76) für unmöglich, genau gleich wie einen Marathon-WR unter der 2:08:00-Grenze (Rekord von 1959: 2:15:18). Heutiger WR: 2:03:59. Usein Bolt misst 1.96 m und vor allem: Er läuft einen ganz anderen Stil als die bulligen Vorgänger. Bolt sprintet im Stile eines Mittelstreckenlers, gekoppelt mit einer unglaublichen Schnellkraft. Antworten


Marcos Gomez

17.08.2009, 16:12 Uhr
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Richtig M. Mayer, zum Glück gibts Doping. Es tröstet die vielen Verlierertypen und bewahrt sie davon, vor lauter Neid zu platzen. Wer nicht an die Trauben herankann sagt, sie seien sauer. Antworten



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