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«Er ist ein widerlicher Typ»

Aktualisiert am 08.01.2016

Anzügliche Sprüche und ein entblösstes Geschlechtsteil: Ein Skandal bringt das feine Cricket in Verruf. Nun drohen ernsthafte Konsequenzen.

Unter Beschuss geraten: Der jamaikanische Cricketspieler Chris Gayle.

Unter Beschuss geraten: Der jamaikanische Cricketspieler Chris Gayle.
Bild: AFP

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Was zunächst als halbwegs unterhaltsame Geschichte begann, entwickelt sich mehr und mehr zum handfesten Skandal und erschüttert die sonst so feine Welt des Crickets.

Im Mittelpunkt steht der jamaikanische Spieler Chris Gayle. Dieser hatte sich vor ein paar Tagen den Fauxpas geleistet, während eines TV-Interviews die Reporterin Melanie McLaughlin zu umgarnen. «Ich sehe deine Augen zum ersten Mal. Schön. Hoffentlich ist dieses Spiel bald zu Ende, damit wir zusammen etwas trinken gehen können», sagte er. Und fügte nach einer Pause an: «Nicht rot werden, Baby.» Die Anmache war McLaughlin sichtlich peinlich.

Die Anmache im Video. Quelle: Youtube

Noch weniger Gefallen daran hatte sein Club Melbourne Renegade: Er büsste Gayle mit 10'000 australischen Dollar (rund 7100 Franken). Gayle entschuldigte sich, er habe doch bloss einen Witz gemacht.

«Are you looking for this?»

Nun wurden aber weitere Vorwürfe publik, die ein noch schlechteres Licht auf Gayle werfen. Mehrere Publikationen des australischen Konzerns Fairfax Media berichteten über einen Vorfall nach einem Länderspiel zwischen Australien und den West Indies in Sydney im vergangenen Jahr. Demnach soll Gayle gegenüber einer Helferin sein Geschlechtsteil entblösst haben, als diese nach Spielschluss in die Kabine der westindischen Mannschaft ging – im Glauben, das Team hätte diese bereits verlassen.

«Are you looking for this?», soll Gayle sie gefragt haben, das Handtuch um seine Hüften entfernend: «Suchst du danach?»

Über sein Management liess der Beschuldigte die Vorwürfe umgehend dementieren: «Chris weist die Anschuldigungen entschieden zurück.» Zudem wurde Fairfax Media aufgefordert, die vermeintlich falschen Berichte zu entfernen. Ansonsten würde der Spieler sogar Klage wegen Verleumdung einreichen. Bis Donnerstagmittag sind sie weiterhin online zu finden. Das Blatt «The Age» stellte klar: «Fairfax Media bleibt bei seiner Darstellung.»

Folgt jetzt gar das WM-Aus?

Offenbar wirkt Gayle mit seiner Bekräftigung nicht sehr glaubhaft. Schon nach Bekanntwerden hatte eine Kollegin von Melanie McLaughlin dem TV-Sender ABC gesagt: «Er macht das konstant. Er ist ein widerlicher Typ.»

Kein Wunder, drohen Gayle nach der Busse weitere Konsequenzen. Wie der «Sydney Morning Herald» berichtet, werden die Renegades den 335-fachen Nationalspieler in dieser Saison nicht mehr einsetzen und von einer weiteren Beschäftigung absehen. Seine Zeit in der australischen Liga wäre somit abgelaufen. «Ihn braucht es in dieser Liga nicht unbedingt», sagte Geoff Lawson, Werfer der Sydney Sixers.

Der «Sydney Morning Herald» spekuliert gar, dass Gayle wegen der Vorwürfe nicht für die Kurz-WM (Twenty 20) im März in Indien aufgeboten werden könnte. Und dass der Cricket-Weltverband ebenfalls Ermittlungen aufnehmen könnte. Dieser widersprach aber umgehend. (wie)

Erstellt: 08.01.2016, 16:36 Uhr

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