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Im Angesicht des Todes

Von Sebastian Rieder, Lea Koch. Aktualisiert am 10.02.2016

Die Extremsportler von Nitro Circus zelebrieren im ausverkauften Hallenstadion das Leben mit Risiko – für Spektakel sorgt dabei auch ein Schweizer Athlet.

Feuer und Flamme: Die Artisten von Nitro Circus im Hallenstadion in Zürich.
Video: Lea Koch, Sebastian Rieder

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Der Boden vibriert, der Bass dringt ins Ohr, Abgase steigen in die Nase, grelles Licht schiesst ins Auge. Unzählige Feuerbälle springen aus dem Boden und schnellen bis an die Würfeluhr im Zürcher Hallenstadion. Es ist kurz nach halb acht, als die Artisten begleitet von hartem Rock ins Rampenlicht springen.

Es sind die besten Athleten aus Freestyle Motocross, BMX und Skateboarding, die sich an diesem Dienstagabend wieder um Kopf und Kragen fahren. Angepeitscht von drei Moderatoren, brettern die Artisten über die Rampe, verdrehen Körper und Maschine und versetzen die rund 10'000 Zuschauer in Dauererregung.

Todesmeldung zum Auftakt

Nitro Circus heisst das Spektakel aus den USA. Ursprünglich auf dem Jugendsender MTV ausgestrahlt, haben sich die Extremsportler zu einer Karawane formiert und ziehen jedes Jahr einmal um den Globus. Allein in Europa steigt das Schauspiel in 13 Städten, eine Show, die dieses Jahr allerdings mit einer Todesmeldung eröffnet.

Erik Roner, einer der Stars der Szene, verstarb im vergangenen Herbst in Kalifornien, nachdem er während eines Fallschirmsprungs in einen Baum gekracht war. Ein Clip illustriert zu Beginn des Abends die Höhepunkte des Basejumping-Pioniers. Die Schweigeminute bleibt aus, stattdessen frenetischer Applaus.

Die Show muss weitergehen

Dem Beifall folgt der nächste Dämpfer: Travis Pastrana, der 17-fache X-Games-Medaillenträger und die Hauptattraktion von Nitro Circus, verpasst wegen einer Lungenentzündung den Auftritt in Zürich. Die Absage kommt den eingefleischten Fans einem Schlag in die Magengrube gleich.

Das kurzzeitige Entsetzen im Publikum weicht aber schon bald der Freude über den Auftritt von Motocrosser Bruce Cook, der sich vor zwei Jahren während einer Show den Rücken brach und sich als Querschnittgelähmter dennoch Woche für Woche aufs Motorrad schnallen lässt und mit einem Salto «The show must go on» zelebriert.

Der Tsunami-Trick

«Es ist die grösste Extremsportshow der Welt. Verletzungen gehören hier einfach dazu», sagt Vivian Gantner. Der 32-jährige Zürcher ist zum zweiten Mal eine der grossen Figuren bei den Motocross-Freestylern und versetzt die Zuschauer mit seinem Trick, dem sogenannten Tsunami, einem fliegenden Handstand auf dem Lenker, in Verzückung.

Der Aufschrei der Fans ist der Lohn für die harte Arbeit im Hintergrund. «Wir trainieren viel», sagt Gantner. Die Routine bewahrte ihn bisher nicht vor Verletzungen, aber vor dem Tod. «Es passiert ja relativ wenig, aber wenn etwas passiert, ist es schon manchmal schlimm.»

Die Angst nach einer Verletzung

Die Furcht vor dem Tod blenden die Athleten während der Show aus, «nur wenn man von einer Verletzung zurückkommt, hat man ein bisschen Angst», sagt Gantner, der als Motocross-Schweizer-Meister die meiste Zeit seiner Karriere mit Auftritten in Asien verbracht hatte. Umso schöner ist für ihn der Auftritt vor heimischem Publikum.

Als Schweizer war es nicht ganz einfach, sich bei den US-Artisten von Nitro Circus zu empfehlen. «Mit ein paar fetten Tricks» konnte er die Veranstalter von seinen Fähigkeiten überzeugen. Und auch im Hallenstadion schwappt sein Tsunami an diesem Abend gleich im ersten Anlauf auf die Zuschauer über.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2016, 14:01 Uhr

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