Knatsch um Denkmal für Ueli Steck

Grindelwald will einen Nebengipfel des Eigers nach Ueli Steck benennen. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Ein Eiger-Hörnli, im Bild rot eingekreist, soll nach Ueli Steck benannt werden.

Ein Eiger-Hörnli, im Bild rot eingekreist, soll nach Ueli Steck benannt werden. Bild: Adrian Moser

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Der Entscheid fiel einstimmig: Am 9. Mai sprachen sich alle sieben Grindelwaldner Gemeinderäte dafür aus, dem kürzlich verstorbenen Rekordbergsteiger Ueli Steck ein Denkmal zu setzen. Eine Möglichkeit wäre, dass das grösste Eiger-Hörnli künftig dessen Namen trägt.

Dagegen regt sich nun Widerstand. Der Grund: Die Gemeinde wehrte sich vehement, das Agassizhorn umzutaufen, wie dies das Komitee «Démonter Louis Agassiz» während zehn Jahren forderte. Der Gletscherforscher Louis Agassiz hatte im 19. Jahrhundert rassistische Ansichten verbreitet. Unter anderem sprach er in seinen Schriften vom «unterwürfigen, kriecherischen, nachahmerischen Neger».

Das Komitee scheiterte mit seiner Forderung allerdings. Die Argumente der Gegner: Eine Umbenennung verursache hohe Kosten, da man die topografischen Landeskarten anpassen müsse; ausserdem sorge eine neue Namensgebung bloss für Verunsicherung. Dies sagte 2007 der damalige Grindelwaldner Gemeindepräsident Dres Studer (parteilos). In der Gemeinde Guttannen, zu deren Gebiet das Agassizhorn ebenfalls gehört, hiess es, man habe «weiss Gott andere Probleme».

«Plötzlich geht es ganz schnell»

Das stösst Hans Fässler sauer auf. Er hat das Komitee «Démonter Louis Agassiz» gegründet. «Das Verhalten der Grindelwaldner ist schlicht widersprüchlich», sagt er. Erst scheue man den Aufwand, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und gebe vor, das Geld nicht zu haben – und plötzlich gehe dann alles ganz schnell. «Die Aufarbeitung von Rassismus und Menschenverachtung ist anscheinend kein Grund für eine Namensänderung. Geht es um einen weissen, schweizerischen Spitzensportler, vergeht kein Monat, und eine Namensgebung ist schon in die Wege geleitet.» Bei ihm hinterlasse dies einen fahlen Beigeschmack.

Christian Anderegg (SVP), Gemeindepräsident von Grindelwald, begreift «dieses Theater» nicht. «Es ist noch überhaupt nichts in die Wege geleitet», sagt er. Bei der Umbenennung handle es sich um eine Anregung eines einheimischen Bergführers. «Es sind viele Ideen da: ein Dorfbrunnen, ein Gedenkstein am Eigertrail oder ein Bänkli – aber das sind keine konkreten Vorschläge, wir haben das im Gemeinderat auch noch nicht ausführlich diskutiert.» Es gelte zunächst, die Trauerphase der Familie zu respektieren. Erst dann werde man das Gespräch mit Ueli Stecks Angehörigen suchen, und zwar «in einem sensiblen Vorgehen.» Es käme auch etwas ganz anderes infrage. «Und wenn die Angehörigen das nicht wollen, dann ist die Sache sowieso vom Tisch», so Anderegg.

Zu den Vorwürfen, die Fässler und sein Komitee erheben, will sich Anderegg nicht äussern. «Diese Diskussion fällt in die Zeit vor meinem Amtsantritt. Ich war damals nicht involviert und kann nicht mitreden.» Er fügt aber an: «Louis Agassiz kannte man vor allem als Gletscherforscher. Hätte man über seine rassistische Gesinnung gewusst, hätte man sicher keinen Gipfel nach ihm benannt.» Bei Steck handle es sich dagegen um einen weltberühmten und beliebten Bergsteiger, das sei eine andere Sache.

Namensgebung ist «keine grosse Sache»

Eine mögliche Umbenennung des Eiger-Nebengipfels will man beim Kanton Bern nicht kommentieren. Sollte eine Gemeinde die Namensgebung beantragen, sei dies aber grundsätzlich «keine grosse Sache», sagt der Bernische Kantonsgeometer Thomas Hardmeier. Der Prozess gehe von den Gemeinden aus. Die kantonale Nomenklaturkommission befinde lediglich über die Schreibweise, dann erfolge der Auftrag an den Nachführungsgeometer. «In der Regel tragen dann die Gemeinden als Antragssteller die Kosten», so Hardmeier. Aufwendiger sei das Prozedere, wenn es sich nicht um eine Neu-, sondern um eine Umbenennung handle, da dies politischen Konsens erfordere. «Ist der Wille aber einmal da, spielen die Kosten eine untergeordnete Rolle.»

Die letzte Namensänderung eines Gipfels erfolgte 2014. Der damalige Bundespräsident Didier Burkhalter (FDP) regte an, die Ostspitze neben der Dufourspitze zu Ehren des Gründers des Roten Kreuzes umzutaufen. Seither trägt der 4632 Meter hohe Gipfel den Namen Dunantspitze.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2017, 13:18 Uhr

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