Korruption und Betrug: Chaos pur im internationalen Handball
Umstritten: Dem Ägypter Moustafa werden Ungereimtheiten vorgeworfen. (Bild: Keystone)
Die fast skandalösen Schiedsrichterentscheide anlässlich der Handball-WM in Kroatien sind das Spiegelbild, in welchem sich diese Sportart befindet. Denn auf höchster Funktionärsebene reiht sich eine Ungereimtheit an die andere. So wird dem ägyptischen Präsidenten des Internationalen Handballverbandes (IHF), Hassan Moustafa, vorgeworfen, gegen die Anti-Doping-Auflagen zu verstossen. Die IHF führte noch keine Dopingkontrollen in Trainings durch, was gegen die Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verstösst. Der Sportart droht damit die Gefahr, aus dem olympischen Programm gestrichen zu werden.
Der Sekretär wehrt sich
Peter Mühlematter, der Generalsekretär des IHF, fordert schon seit geraumer Zeit die Absetzung des Verbandspräsidenten aus Ägypten. «Für den Handball ist eine solche Leitung gar nicht gut», erklärt Mühlematter gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Und der Berner forderte Moustafa auf, von seinem Amt zurückzutreten.
Dem Schweizer Funktionär sind etliche Dinge sauer aufgestossen, seit der Afrikaner im Jahr 2000 das Szepter übernommen hat. Gegenüber dem «Blick» erhebt Mühlematter neben dem Verstoss gegen das Dopingreglement weitere Vorwürfe. So habe Moustafa für angebliche Dienstflüge Reisespesen von 600'000 Franken abgerechnet – ohne Belege. Schon mehrfach habe der Präsident vor einem wichtigen Spiel die vorgesehenen Schiedsrichter durch neue Refs ersetzt, wobei es das neue Duo mit der Unparteilichkeit nicht sehr genaunahm. Überdies schulde Moustafa der Schweiz Geld. Die IHF hat ihren Sitz in Basel. Als Arbeitnehmer müsste der Ägypter, der sich mit Kritik sehr schwertut und wenig Verständnis für demokrtische Vorgänge in einem Verband hat, Quellensteuer bezahlen. Bis jeztt habe der Präsident aber noch keinen Rappen bezahlt, sagt der Generalsekretär.
Die Wiederwahl verhindern
Der «Pharao», wie Moustafa wegen seiner Alleinherrschaft und seiner markanten Nase in der Szene mitunter bezeichnet wird, rechtfertigte sich mit den Worten: «Herr Mühlematter kann sagen, was er will. Die Wahrheit ist anders.»
Mühlematter, der in Handballkreisen als integer gilt, will nicht selbst auf den Thron steigen. Aber der 64-jährige Berner möchte die Wiederwahl Moustafas im Juni 2009 verhindern. «Die Zustände sind schrecklich primitiv. Jetzt sehe ich endlich eine Chance, etwas zu ändern», äussert sich Mühlematter im «Blick». Die Chancen, dass der umstrittene Obmann abgewählt wird, sind minim. Der Kongress findet in Kairo statt, der Präsident hat also ein Heimspiel. Mühlematter: «Eigentlich hätte die Wahl in Slowenien stattfinden sollen. Wegen fadenscheiniger Gründe klappte dies nicht. Eigentlich wäre Basel an der Reihe gewesen. Doch Moustafa wollte, dass der Kongress in Kairo stattfindet.» In der Abstimmung sei Basel unterlegen, obwohl die Schweizer Stadt das bessere Dossier gehabt habe.
Mühlematter steht seit Jahren mit seinem Chef auf Kriegsfuss. «Der Pharao muss weg», fordert nun der Generalsekretär, der nicht will, dass der Handball noch tiefer in den Korruptionssumpf sinkt.
(fal)
Erstellt: 30.01.2009, 11:22 Uhr
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