Sport

«Ohne Doping geht es nicht»

Der österreichische Radprofi Bernhard Kohl beendet seine Karriere und rechnet mit der Heuchelei im Spitzensport ab.

Brachte mit seinem Geständnis ein Dopingskandal ins Rollen: Der österreichische Radprofi Bernhard Kohl beendete mittlerweile seine Karriere.

Brachte mit seinem Geständnis ein Dopingskandal ins Rollen: Der österreichische Radprofi Bernhard Kohl beendete mittlerweile seine Karriere.
Bild: Keystone

Für kurze Zeit war er Österreichs Held. Dann wurde er zum Buhmann der Nation. Und gestern gab der 27-jährige Radrennfahrer Bernhard Kohl das Ende seiner Karriere bekannt. Er habe die Lügen und die Heuchelei im Sport satt, begründete Kohl in Wien seinen Rückzug: Die Öffentlichkeit erwarte saubere, gläserne Sportler, aber «das ist nicht die Realität», so Kohl: «Im Weltklassebereich in den Ausdauersportarten geht es ohne Doping nicht.»

Mit seinem Sieg in der Bergwertung und dem 3. Gesamtrang der Tour de France 2008 wurde Kohl zum Star in Österreich. Drei Monate später gestand unter Tränen Dopingmissbrauch. Gemeinsam mit seinem Manager hatte er eine Zentrifuge angeschafft, mit der im Wiener Institut Humanplasma sein Blut gewaschen wurde. Er und andere Sportler bekamen Codenamen (Kohl war «Shrek») und wurden jeden Sonntag aus einer nahen McDonald's-Filiale unauffällig zur Blutwäsche geholt. Kohl nahm auch Wachstumshormone sowie die Mittel Cera und Epo.

200-mal kontrolliert, einmal erwischt

Kohls Geständnis brachte einen Dopingskandal ins Rollen, der nun neben der Staatsanwaltschaft auch eine eigene Polizei-Sonderkommission beschäftigt. Mehrere Sportler traten zurück, ein Trainer und ein Manager waren in Untersuchungshaft. Sollte der Sport allerdings lediglich in Österreich sauberer werden, «dann werden wir im Weltspitzensport keine Rolle mehr spielen», warnte Kohl bei seiner Abschiedspressekonferenz: Das System Doping betreffe alle Nationen und alle Sportarten. Und es werde immer weiter perfektioniert, um Kontrollen zu erschweren. Er selbst sei rund 200-mal kontrolliert und nur einmal erwischt worden, so Kohl: Tatsächlich hätten mindestens 100 Tests positiv sein müssen.

Der ehemalige Radprofi will sich nun der Dopingprävention bei der Jugend widmen. Ein Gerichtsverfahren muss er nicht fürchten. Wie in den meisten europäischen Ländern ist auch in Österreich zwar der Handel mit Dopingmitteln, nicht jedoch deren Einnahme strafbar. Kohl ist für eine Verschärfung des Gesetzes: Die Bestrafung dopender Sportler «hätte mich schon abgeschreckt: Ich wollte doch nicht ins Gefängnis.» (bo/ta/)

Erstellt: 26.05.2009, 09:10 Uhr

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8 Kommentare

Markus Gerber

10.06.2009, 23:17 Uhr
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Doping ist Betrug an Mitkonkurrenten, Zuschauern, am Sport und sollte massiv geahndet werden. Nur klare Signale kann die Dopingmafia, das Geschäft mit illegalen Mitteln, eindämmen. Ein gedopter Sportler muss lebenslang gesperrt werden. Er untergräbt einen der wesentlichsten Aspekte des Sports: den Wettkampf mit fairen Mitteln, das Messen um Kraft und Ausdauer mit gleichlangen Spiessen. Antworten


Patrik Mohler

26.05.2009, 18:13 Uhr
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Wahrscheinlich hat Herr Kohl recht und es wird überall gedopt. Entweder du bist dort wo die Musik spielt und dopst oder du bist bestenfalls Mittelmass. An sauberen Sport zu glauben, bei dem alle Sportler ehrlich sind und auf Doping verzichten ist etwa gleich naiv wie daran zu glauben, dass niemand mehr versucht Steuern zu "sparen" oder Waren zu schmugeln. Damit werden wir wohl leben müssen. Antworten


Willi Schmidheiny

26.05.2009, 12:52 Uhr
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Wenn ich lese, Herr Kohl wolle sich nun der Dopingprävention bei der Jugend widmen, so läuft's mir kalt den Rücken runter. Hoffentlich wird dieser Herr von der Sport treibenden Jugend weit ferngehalten. Antworten


Kurt Aegeri

26.05.2009, 11:14 Uhr
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Die Zuschauer und Konsumenten des Produktes "Spitzensport" wünschen dauernd Spitzenleistung und "Action". Das kriegt man ohne Doping doch wirklich nicht mehr hin. Wer was anderes behauptet, denkt sich seine Welt halt schön. Antworten


Hans Nötig

26.05.2009, 11:08 Uhr
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Herr Kohl war bis zur Tour ein praktisch unbeschriebenes Blatt, wenn man dann noch derart kriminelle Energie entwickelt und jeden Sonntag sein Blut "wäscht" ist es für mich auch nicht erstaunlich dass man erst an einem grossen Anlass erwischt wird. Antworten


Fred Winkelried

26.05.2009, 11:07 Uhr
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Brot und Spiele. Opium für das Volk. Gewisse Sportarten verschliessen lieber beide Augen, als dass sie sich das Geschäft vermiesen lassen. Radsport sollte sich an den Fussballern ein Vorbild nehmen. Keine positiven Tests = sauberer Sport. Und dann klingelt die Kasse wieder und die Sponsoren stehen schlange. Gell Sepp? Antworten


Gerhard Engler

26.05.2009, 11:05 Uhr
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"ohne Doping geht es nicht" ist etwas zu kurz gedacht. Wenn die einen dopen und die anderen nicht, dann geht es nicht. Wenn aber gar niemand mehr dopt, dann geht es durchaus. Antworten


Kai Ludwig

26.05.2009, 10:45 Uhr
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Hut ab Herr Kohl, das nenn ich konsequent. Endlich mal jemand, der offen ausspricht, was fast jeder, der mit offenen Augen durchs Leben geht, vermutet: "Im Weltklassebereich in den Ausdauersportarten geht es ohne Doping nicht." Und die Sportfunktionäre müssen sich fragen, warum das Dopingkontrollsystem offensichtlich nicht funktioniert - Kohl ist ja nicht der erste, der lange nicht erwisccht wurde Antworten



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