Sport
«Ohne Doping geht es nicht»
Aktualisiert am 26.05.2009 8 Kommentare
Für kurze Zeit war er Österreichs Held. Dann wurde er zum Buhmann der Nation. Und gestern gab der 27-jährige Radrennfahrer Bernhard Kohl das Ende seiner Karriere bekannt. Er habe die Lügen und die Heuchelei im Sport satt, begründete Kohl in Wien seinen Rückzug: Die Öffentlichkeit erwarte saubere, gläserne Sportler, aber «das ist nicht die Realität», so Kohl: «Im Weltklassebereich in den Ausdauersportarten geht es ohne Doping nicht.»
Mit seinem Sieg in der Bergwertung und dem 3. Gesamtrang der Tour de France 2008 wurde Kohl zum Star in Österreich. Drei Monate später gestand unter Tränen Dopingmissbrauch. Gemeinsam mit seinem Manager hatte er eine Zentrifuge angeschafft, mit der im Wiener Institut Humanplasma sein Blut gewaschen wurde. Er und andere Sportler bekamen Codenamen (Kohl war «Shrek») und wurden jeden Sonntag aus einer nahen McDonald's-Filiale unauffällig zur Blutwäsche geholt. Kohl nahm auch Wachstumshormone sowie die Mittel Cera und Epo.
200-mal kontrolliert, einmal erwischt
Kohls Geständnis brachte einen Dopingskandal ins Rollen, der nun neben der Staatsanwaltschaft auch eine eigene Polizei-Sonderkommission beschäftigt. Mehrere Sportler traten zurück, ein Trainer und ein Manager waren in Untersuchungshaft. Sollte der Sport allerdings lediglich in Österreich sauberer werden, «dann werden wir im Weltspitzensport keine Rolle mehr spielen», warnte Kohl bei seiner Abschiedspressekonferenz: Das System Doping betreffe alle Nationen und alle Sportarten. Und es werde immer weiter perfektioniert, um Kontrollen zu erschweren. Er selbst sei rund 200-mal kontrolliert und nur einmal erwischt worden, so Kohl: Tatsächlich hätten mindestens 100 Tests positiv sein müssen.
Der ehemalige Radprofi will sich nun der Dopingprävention bei der Jugend widmen. Ein Gerichtsverfahren muss er nicht fürchten. Wie in den meisten europäischen Ländern ist auch in Österreich zwar der Handel mit Dopingmitteln, nicht jedoch deren Einnahme strafbar. Kohl ist für eine Verschärfung des Gesetzes: Die Bestrafung dopender Sportler «hätte mich schon abgeschreckt: Ich wollte doch nicht ins Gefängnis.» (bo/ta)
Erstellt: 26.05.2009, 09:10 Uhr
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8 Kommentare
Hut ab Herr Kohl, das nenn ich konsequent. Endlich mal jemand, der offen ausspricht, was fast jeder, der mit offenen Augen durchs Leben geht, vermutet: "Im Weltklassebereich in den Ausdauersportarten geht es ohne Doping nicht." Und die Sportfunktionäre müssen sich fragen, warum das Dopingkontrollsystem offensichtlich nicht funktioniert - Kohl ist ja nicht der erste, der lange nicht erwisccht wurde Antworten



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