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Sandy den Finger zeigen
Ein Kommentar von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 02.11.2012 14 Kommentare
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Pia Wertheimer ist Redaktorin im Ressort Zürich bei Tagesanzeiger.ch. Sie war zweimal am New York Marathon am Start und ist Autorin des Outdoorblogs von Tagesanzeiger.ch. (Bild: Boris Müller)
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Am ersten Wochenende im November gehört New York in aller Regel den Läufern. Über 47'000 waren es 2011, die an der Startlinie des New York Marathons auf Staten Island standen. Die 42,195 Kilometer führen durch die fünf Boroughs der Metropole. Sturm Sandy hat New York aber gebeutelt, einige Stadtteile gleichen immer noch einem Schlachtfeld. Menschen verloren ihr Leben, Spitäler mussten wegen Stromausfall Tage nach dem Sturm evakuiert werden. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren, die Rettungskräfte arbeiten rund um die Uhr. Die Schäden drohten, den Marathonveranstaltern einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen.
Am Mittwoch kündigte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg an: Der Lauf findet statt. Er erntete dafür prompt Kritik. Zu den lautesten Tadlern gehört die New Yorker Senatorin Liz Krueger. Sie spricht von einer eklatanten Fehlentscheidung, der Marathon binde zu viele Kräfte. Auch James Molinaro, Vorsteher des Stadtbezirks Staten Island, wo der Startschuss fallen soll, rügt den Entschluss des Bürgermeisters. Es sei eine Katastrophe und darum nicht Zeit für eine Parade.
Bloombergs Entscheid ist aber symbolhaft und passt zur amerikanischen Metropole. Die New Yorker haben es immer wieder verstanden, sich nach schweren Schicksalsschlägen aufzubäumen. Das eindrücklichste Beispiel dafür ist der Terroranschlag auf die Zwillingstürme am 11. September 2001. Die Stadt und die Menschen stiessen damals an ihre Grenzen. Kaum zwei Monate später traten für einmal hauptsächlich Amerikaner an die Startlinie des Marathons, während viele Touristen auf eine Reise nach New York verzichteten. Sie trotzten damit ihrer eigenen Angst. Sie machten aus dem New York City Marathon ein Sinnbild für ihren Kampfgeist, ihre Zuversicht und Hoffnung.
Genau dieses Zeichen wollen die New Yorker heuer wieder setzen. Sie wollen Sandy den Stinkefinger zeigen – das hat Bloomberg richtig erkannt. Ein Beweis dafür ist, dass sich beim Veranstalter unzählige zusätzliche Helfer meldeten, sie wollen den Anlass möglich machen. Etliche Läufer widmen ihre Teilnahme zudem den Sturmopfern, indem sie einer der Hilfsorganisationen Geld spenden.
Einen derartigen Anlass trotzdem zu stemmen, ist die Art der New Yorker, Katastrophen zu verarbeiten. Die Politik darf der Bevölkerung dabei nicht im Weg stehen. Zudem sind die New Yorker am Sonntag in bester Gesellschaft: Auch die Marathonläufer wissen, was es heisst, an die Grenzen zu stossen und trotzdem weiterzukämpfen.
Erstellt: 02.11.2012, 09:52 Uhr
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14 Kommentare
An die Grenzen stossen und weiter kämpfen, das ist dann erträglich, wenn die Strassen befreit sind, die Support-Stellen bestückt, Trinken und Essen vorhanden, medizinische Versorgung gewährleistet. Das alles ist den Bürgern im Moment verwehrt. Darum ist es gerade nicht eine richtige Entscheidung den Marathonläufern Ressourcen zukommen zu lassen. Antworten
Vielerorts gibt es weder fliessend Wasser noch Strom. Den Marathon durchzuführen ist so falsch wie ein F1 Rennen in Bahrain wenn nebenbei Bürgerkrieg tobt oder Küken für Ostern einfärben, nur weil man es kann und Konsumenten es erwarten! Durchhaltewillen wollen sie die NY durch den Marathon lehren Fr. Wertheimer? Ich glaube Sie könnten noch etwas dazulernen, nicht die Betroffenen! Antworten
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