Sport
Schwimmtalent mit Olympia im Visier
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 16.02.2011 3 Kommentare
Über Yannick Käser
Der 18-Jährige aus Mupf im Fricktal trainiert seit sechs Jahren beim Schwimmverein beider Basel. Zuvor schwamm er bei der Rettungsschwimmgesellschaft Fricktal und im lokalen Schwimmclub. 2009 stellte er den Schweizerrekord über 200m Brust auf. Mitte 2010 hat Käser auch auf internationalem Niveau von den Junioren zu den Erwachsenen gewechselt.
Bis zu sechzehn Kilometer schwimmt Yannick Käser pro Tag. Das sind über sechshundert Längen im 25-Meter-Becken. Kein Problem für den Schwimmer aus Mumpf im Fricktal: «Ich fühle mich einfach wohl im Wasser, das war schon immer so.» Allerdings wäre es Käser lieber, wenn er nicht so viele Längen auf der Kurzbahn abspulen müsste. Und auch auf das viele Wenden könnte das Schwimmtalent verzichten: «Eigentlich ist die Infrastruktur in Basel ungenügend», erklärt er. Anders als in Zürich, Genf, Chur oder Schaffhausen gebe es in Basel nämlich kein Trainingsbecken über 50 Meter – die Distanz aller wichtigen Wettkämpfe. «Für mich ist das schon ein bisschen ein Nachteil.»
Sein «Trainingsnachteil» hielt Käser 2009 allerdings nicht davon ab, als erst 16-Jähriger den Schweizermeister-Titel über 200 Meter Brust zu holen – und mit einer Zeit von 2:14,64 den Schweizerrekord dazu. Vergangenes Jahr verteidigte der Fricktaler den Titel in seiner Paradedisziplin. Anfang April kann Käser nun den «Hattrick» erschwimmen und zum dritten Mal in Folge Schweizer Meister werden. «Seit ich den Schweizer Rekord halte, ist es hier schwierig geworden, geeignete Trainingspartner zu finden», erklärt Käser, der froh wäre, wenn er zwei, drei Schwimmcracks zur Seite hätte, die ihn im Training zu Höchstleistungen anspornen.
Trainieren, ohne Muskelmasse anzusetzen
Käser trainiert drei Mal täglich. Zweimal im Wasser und einmal zu Land – im Krafttraining oder in der Turnhalle. Ermöglicht wird das intensive Trainingsprogramm des Schülers durch den Besuch der Sportklasse am Gymnasium Bäumlihof. Um vom elterlichen Bauernhof in Mumpf aus rechtzeitig in der Schule bei Riehen zu sein, steht er morgens kurz vor sechs Uhr auf. Um elf Uhr und um achtzehn Uhr geht Käser dann je zwei Stunden schwimmen in der St.-Jakob-Halle. Dazwischen werden Kraft und Kondition trainiert – und es gibt weitere Schullektionen.
Zeit, um seinen enormen Kalorienbedarf zu decken, bleibt da kaum. Deshalb verpflegt sich Käser, der auf Kraftnahrung verzichtet, oft unterwegs im Tram oder Bus. «Das ist nicht optimal, doch mir bleibt nichts anderes übrig», sagt der frisch gestärkte Yannick Käser, bevor er sich an die Kraftgeräte im Indigo-Fitness begibt. Hier trainiert er hauptsächlich die Muskeln an Oberkörper und den Armen. Auch Beinpressen sind angesagt – obwohl Käser diese Muskelpartie täglich hundertfach beim vielen Wenden im Kurzbecken trainiert. An den Geräten muss der 18-Jährige aufpassen, dass er keine zu schweren Gewichte stemmt: «Zu viel Muskelmasse bringt Nachteile: Ich wäre zu schwer und hätte grösseren Widerstand im Wasser», erklärt Käser.
Olympia 2012 im Fokus
Wenn man sich das schlaksige Schwimmtalent aber so ansieht, muss man sich um das Wettkampfgewicht des Athleten keine Sorgen machen. Die grösste Herausforderung für Käser ist derzeit ohnehin der Spagat zwischen Schule und Schwimmkarriere: Anfang April ist Schweizermeisterschaft; einen Monat später absolviert der 18-Jährige die Matur, und im Juli steht voraussichtlich die Schwimm-WM in Schanghai an. Beim Gedanken an die bevorstehenden Herausforderungen meint Käser: «Momentan weiss ich noch nicht, wo die Priorität liegt», dann aber besinnt er sich, «mit der Matur könnte ich schon einmal etwas abhaken – wenn es dann mit der WM nicht klappt, ist das auch nicht so schlimm.» Falsch liegt er da sicher nicht, schliesslich möchte der Schwimmer nach bestandener Matur ein Zwischenjahr einlegen, in dem er sich – am besten mit einem Stipendium in den USA – voll und ganz auf das Schwimmen konzentriert. Insbesondere auf die Olympia-Qualifikation. «Die Olympischen Spiele waren schon immer mein Ziel», erklärt Käser.
Damit der Fricktaler 2012 in London um Medaillen schwimmen kann, muss er an den Schweizer Meisterschaften im übernächsten Frühling brillieren. «Dann kommt definitiv aus, wer fit ist und mit kann nach London.» Die Chancen, dass dann auch Käser dabei ist, stehen gut: Schliesslich dominiert der 18-Jährige hierzulande seit über zwei Jahren über 200 Meter Brust. Zudem weiss Käser genau, was er können muss: «Die Qualifikationszeiten sind ungefähr bekannt. Ich weiss, was ich brauche, um nach London zu gehen», sagt er selbstbewusst, «und wenn es nicht klappt, kann ich auch 2016 oder 2020 noch an die Olympiade – ich habe ja noch genug Zeit.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.02.2011, 10:29 Uhr
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3 Kommentare
Super, Yannick, du machst das gut. In Aesch BL wohnt unser Enkel, Daniel Rast. Auch Daniel (25 Jahre alt) hat die gleichen Ziele wie Yannick: Olympia 2012 in London. Daniel ist Kurzbahnspezialst und Mitglied der Nationalmannschaft. Schon 2008 schaffte er die Olympialimite 100 Meter Freistil. Zudem ist er in mehreren Disziplinen Schweizer Meister und Vizemeister. Antworten
Wäre schon toll, wenn wir hier in Basel einen erfolgreichen Botschafter für den Trendsport Schwimmen hätten, denn die Situation ist mit dem mickrigen Rialto und dem Joggeli einfach unwürdig. Anstatt auf dem Leibchen private Sponsoren anzupreisen, könnte der Schriftzug dann lauten: "Ja zum Basler Schwimmsport", oder so. Antworten

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