Sport
Stell dir vor, es ist EM und keiner schaut hin
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 30.07.2010
Als Usain Bolt im vergangenen Jahr vor Weltklasse Zürich einen kurzen Auftritt in der Halle des Hauptbahnhofs hatte, drängten sich die Fans dicht an dicht, um einen Blick auf den jamaikanischen Wundersprinter zu erhaschen. An den Europameisterschaften fehlt nun eine Figur vom Kaliber Bolts – und mit ihr das Publikum. Nur Hansjörg Wirz, der Präsident des Europäischen Leichtathletikverbands EAA, hat von der Tristesse offenbar noch nichts mitbekommen. «Die Welt blickt nach Barcelona», sagt er. Viel mehr als leere Ränge bekommt sie dort aber nicht zu sehen.
Unter den europäischen Athleten, die auch weltweit zur Spitze gehören, gelten EM-Jahre überdies als Übergangsjahre. Disziplinen wie das Kugelstossen, wo sonst nur noch Athleten aus den USA vorne mitmischen, bilden zwar eine Ausnahme. Aber wer schaut sich schon einen Kugelstoss-Wettbewerb an? In der Schweiz etwa ist diese Sportart nach dem Rücktritt von Werner Günthör etwa so populär wie Eishockey in Brasilien.
Die EM dauert zu lange
Die lokale Presse behandelt die kontinentalen Titelkämpfe im Olympiastadion von Barcelona überaus stiefmütterlich. Die Zeitung «Sport» etwa berichtete am Donnerstag auf den ersten 15 Seiten wie immer über den FC Barcelona, dann über das weitere Fussballgeschehen und die Formel 1. Die EM in der eigenen Stadt fand erst auf Seite 33 kurz Erwähnung.
Im Gegensatz zu den attraktiven Meetings der Diamond League, der auch Weltklasse Zürich und die Athletissima Lausanne angehören, ist das Programm einer Leichtathletik-EM überaus langfädig. Viel zu viele Vor- und Zwischenrunden, in denen die Topleute noch nicht an ihre Leistungsgrenzen gehen müssen, verwässern das Geschehen. Die Entscheidungen finden fast alle erst am Wochenende statt, wo es in 30 von 47 Disziplinen um Gold geht.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.07.2010, 16:12 Uhr








