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Wenn selbst die Besten um ihr Leben fürchten

Von Yann Cherix. Aktualisiert am 11.02.2016 8 Kommentare

Auf Hawaii messen sich die besten Surfer der Welt auf Monsterwellen. Nur wer eingeladen wird, darf mitmachen.

1/7 Ein gefährlicher Spielplatz für die besten Surfer der Welt: An der Waimea-Bay auf Hawaii gibt es die höchsten Wellen auf der ganzen Welt. Der perfekte Ort für den wohl waghalsigsten Wettkampf überhaupt: den Eddie-Aikau-Contest. Oder kurz: «The Eddie».
Bild: Keystone

   

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Kelly Slater ist kein Mann, der sich schnell aus der Fassung bringen lässt. Der 43-Jährige ist elffacher Weltmeister und dafür bekannt, auch die grössten Wellen souverän zu meistern. Aber wenn der kahlköpfige US-Amerikaner sagt, dass auch er Angst habe beim Gedanken, da rauszugehen, muss das was bedeuten. «Jeder Fehler kann dich an diesem Contest das Leben kosten.»

Und trotzdem. Slaters stahlblaue Augen, die immer die gleiche indifferente Strahlkraft zu haben scheinen, leuchteten in diesen Tagen besonders hell. Der Champion gehört zu den 28 Surfern, die eingeladen waren, in die Waimea-Bay von Hawaii rauszupaddeln und sich beim legendären «Eddie-Aikau-Contest» in die lebensbedrohlichen, den ursprünglichen Prognosen nach über zehn Meter hohen Wasserwände stürzen dürfen.

Nur: Vorfreude war auch diesmal die schönste Freude: Weil die Wellen nicht die erforderliche Minimalhöhe von sieben Metern erreichten, wurde der Anlass schon wieder abgesagt. Letztmals hatte er 2009 durchgeführt werden können.

Der offizielle Trailer. Quelle: Youtube

Nur schon die Einladung nach Hawaii lässt aber selbst einen viel dekorierten Profi wie Kelly Slater nicht kalt. Denn es gibt keinen prestigeträchtigeren Anlass: Gesurft wird in Gedenken an Eddie Aikau. Dieser war zusammen mit seinem Bruder der erste Lifeguard an den Stränden Hawaiis und rettete unzähligen Menschen das Leben. Es heisst, an seinem Strand sei nie jemand ertrunken. Sein Mut war legendär und mündete im Bonmot: «Eddie would go.» Auch wenn die Wellen noch so gross waren, die Strömung noch so stark und selbst die besten Surfer der Insel zögerten: Eddie ist rausgegangen.

1978 ist Aikau weit draussen im Pazifik ums Leben gekommen – beim Versuch, mitten in einem Sturm allein Hilfe zu holen. Seine Leiche wurde trotz einer damals beispiellosen Suchaktion nicht mehr gefunden.

Nur ein Sponsor ist erlaubt

Heute ist Eddie Aikau in Hawaii ein nationaler Held – und Schutzpatron eines Anlasses, der in der längst stark kommerzialisierten Surfindustrie stoisch an alten Traditionen festhält. Ein einziger Sponsor wird geduldet, und wer am Wettbewerb dabei sein darf, bestimmt zu einem gewichtigen Teil die Familie Aikau. Sie führt auch durch das aus uralten Tagen überlieferte Zeremoniell, das die mutigen Surfer segnen und beschützen soll. Dieses Ritual ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Augenzeugen berichten aber von einer magischen, sakralen Atmosphäre, die auch mit allen Wassern gewaschenen Surfprofis wie Kelly Slater nahegeht.

Danach ist aber keine Zeit mehr Gefühle. In den gigantischen Wellenbrechern gehts unter den Augen von über 20'000 Zuschauern um den besten Ride – und das nackte Überleben. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2016, 16:48 Uhr

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8 Kommentare

Remo Kneubühler

10.02.2016, 18:22 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Waimea hat nicht die höchste Welle der Welt, es gibt einige Wellen wie Waimea, Mavericks, Pico Alto, Todos Santos, Jaws. Dies sind die Wellen, die alle mit reinpaddeln gesurft werden, also ohne Jetski als Starthilfe. Dann gibt es Wellen in Portugal und auch Frankreich, die um einiges höher als Waimea surfbar sind (gegen 30 Meter hoch), einfach nicht ohne durch einen Jetski in die Wellen reingezogen zu werden. Waimea ist der Klassiker der Big Waves Spots dieser Welt, die auf die traditionelle Art und Weise, also reinpaddeln, gesurft werden. Antworten


Peter Heiniger

10.02.2016, 18:32 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Wie wird eigentlich die Höhe einer Welle gemessen? Antworten



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