«Ich hoffe, sie trägt dabei geschlossene Schuhe»

Beth Mowins wird mit Reaktionen der üblen Sorte eingedeckt. Warum? Die 49-Jährige kommentiert im Machosport Football. Steffi Buchli dürfte das bekannt vorkommen.

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«Ich schalte den Fernseher stumm und lasse meinen Sechsjährigen kommentieren.»

Lange brauchte man nicht zu warten, bis die Meldung von «Sports Illustrated» exakt so kommentiert wurde, wie man es befürchten musste: mit Verachtung. Gemeldet hatte das Magazin dies: In der kommenden Saison der National Football League wird mit Beth Mowins erstmals seit 30 Jahren eine Frau das Mikrofon übernehmen und am ersten Spieltag die Partie vom 11. September zwischen Denver und den Los Angeles Chargers kommentieren.

Die 49-Jährige hat jede Menge Erfahrung in den verschiedensten Sportarten und sich selbst im beinharten American Football einen Namen gemacht – sie kommentierte schon Vorbereitungsspiele der Oakland Raiders und Partien der Hochschulmeisterschaft. Und sie erhält Lob von den Fachleuten. So sagt Vittorio De Bartolo, TV-Chef der Raiders: «Sie macht das exzellent und zeigt eine Professionalität, die ich noch von niemandem gesehen habe.»

«Sie macht das exzellent»: So kommentiert Beth Mowins Hochschul-Football. Video: Youtube

Ihr Engagement provoziert trotzdem Ablehnung – bei vielen Fans des Sports zumindest. Und schürt, nun ja, bemerkenswerte Ängste. «Ich hoffe, sie trägt dabei geschlossene Schuhe», schreibt ein besorgter User auf Twitter. Zur Erinnerung: Mowins sitzt an der Seite des Experten hinter dem Mikrofon und kommentiert ein Spiel. Sie steigt auf keine Berge.

ZDF im Shitstorm der Fans

Die Reaktionen der amerikanischen Footballfans ähneln jenen von deutschen Fussballanhängern im vergangenen Sommer. Auf ZDF kommentierte mit Claudia Neumann erstmals eine Frau ein EM-Spiel, was gehässige Reaktionen hervorrief. Vor allem auf Social Media überboten sich Chauvinisten mit Beleidigungen. Ob Neumann einen guten Job machte, war dabei nicht entscheidend – das Fanal war, dass eine Frau über Fussball sprach. In einer Nachtschicht musste das ZDF den eigenen Facebook-Kanal von den gröbsten Unflätigkeiten säubern.

Neumann nahm die Affäre sportlich und rief ihren Kritikern zu: «Hey, Leute, es geht nur um Fussball! Die meisten, die da schreiben, waren noch gar nicht geboren, als ich schon irgendwelche Fallrückzieher versenkt habe.» ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz stellte sich schützend vor sie: «Sie hat kompetent kommentiert. Mich wühlt diese asoziale Kritik auf.»

Vor allem: Frauen sind ja keinesfalls eine Seltenheit in der Bundesliga-Berichterstattung. Mit Carmen Thomas hatte schon Anfang der Siebzigerjahre eine Frau das «Aktuelle Sportstudio» im ZDF moderiert. Doch schon da wurde das argwöhnisch beobachtet. Am Tag nach ihrem Debüt am 3. Februar 1973 wartete die «Bild am Sonntag» mit dem Urteil auf: «Charme allein genügt nicht, Frau Thomas!» Dass dieser Kommentar gedruckt war, bevor spät am Samstagabend das Sportstudio begann, wurde erst später bekannt. Und gerade das Boulevardblatt hielt ihr den Lapsus noch Jahre später vor, Schalke 04 als «Schalke 05» bezeichnet zu haben.

Heute ist Katrin Müller-Hohenstein das Gesicht des Sportstudios. Sabine Töpperwien wiederum ist seit Jahren fester Bestandteil in der Radioberichterstattung, und aus den Stadien kennt man die Gesichter von Laura Wontorra, Esther Sedlaczek oder Jessica Kastrop.

Die Ohnmacht von Steffi Buchli

Im Schweizer Fernsehen wurde noch kein Fussballspiel von einer Frau kommentiert, und auch sonst gibt es wenige Frauen, die sich medial um diesen Sport kümmern. Bei Teleclub hat sich Annette Fetscherin einen Namen gemacht, sie wechselt bald zu SRF.

Beim Staatssender wiederum steht mit Steffi Buchli eines der bekanntesten Gesichter vor einem Wechsel: Die Eishockey-Fachfrau zieht es zu UPC. Und auch wenn sie als Moderatorin bei SRF keine Spiele kommentiert: So wie Buchli mit ihrem auffälligen Auftreten polarisiert in der Schweiz keine Journalistin. Und das bekommt sie nicht nur durch «Blick»- Schlagzeilen, sondern regelmässig auch in den sozialen Netzwerken zu spüren. Als sich ein User im vergangenen Sommer besonders unflätig äusserte, riss der 38-Jährigen der Geduldsfaden. «Haters gonna hate», schrieb sie auf Facebook – und veröffentlichte den Eintrag samt Namen und Handynummer dieses Hassers.

Buchli bedauerte dies hinterher als Fehler, und doch zeigte der Ausrutscher ihr Ohnmachtsgefühl. Als Frau sei es nicht einfach, sich in einem Männerberuf zu behaupten, sagte sie später der «Wochenzeitung». Als sie vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter Karli im vergangenen Jahr an den Bildschirm zurückkehrte, wurde sie auch dafür kritisiert – gerade so, als entsprächen 14 Wochen nicht dem gesetzlichen Mutterschaftsurlaub.

Die Premiere im Jahr 1987

Auch in der ausgesprochenen Männerdomäne American Football sind Journalistinnen durchaus anwesend, meist nehmen sie jedoch eine Nebenrolle ein: als Reporterinnen an der Seitenlinie, die den Kommentatoren Neuigkeiten von den Teams durchgeben. Erin Andrews oder Pam Oliver sind Stars der Szene.

Aber als Kommentatorin? Nachdem Ende 1987 die Journalistin Gayle Sierens als erste Frau überhaupt ein NFL-Spiel kommentiert hatte, verlangte ihr Arbeitgeber NBC, dass sie sich wieder auf ihre Kernaufgabe, die Nachrichten, fokussiere – und untersagte ihr die zugesagten sechs weiteren Auftritte für NBC Sports.

Nun also die Ankündigung, dass Beth Mowins als inoffizelle Nachfolgerin von Gayle Sierens für ESPN mindestens ein NFL-Spiel kommentieren wird. Das schlug Wellen in beide Richtungen. «Das sind exzellente News. Beth ist grossartig», schrieb ein Benutzer auf Facebook, während ein anderer fragte: «Ist das eine Ausgeburt der politischen Korrektheit oder tatsächlich verdient?» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.05.2017, 13:41 Uhr

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Stand: 20.05.2017 17:30

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NameSpSUNG:EP
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14.Hamburger SV341081633:6138
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16.VfL Wolfsburg341071734:5237
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18.Darmstadt34742328:6325
Stand: 20.05.2017 17:30

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