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«Es ist hart, eine positive Einstellung zu behalten»
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 11.02.2010
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Die Amerikanerin hat sich in Österreich im Slalom-Training eine Verletzung am rechten Schienbein zugezogen. «Es kann sein, dass ich in Vancouver nicht starten werde. Ich kann problemlos gehen. Aber ich versuchte mehrere Male, in meine Skischuhe zu steigen, und dies tat mir sehr weh», erklärte Vonn an einer Medienkonferenz in der Olympiastadt an der Westküste Kanadas.
Dabei kämpfte die alpine Weltcupleaderin mit den Tränen, sie hinterliess einen angeschlagenen Eindruck. Auf die Frage, ob sie das erste olympische Rennen am Sonntag absagen muss (Super-Kombination), antwortete sie seufzend: «Ja, das ist möglich.» Die Gemütslage der Skifahrerin deutet daraufhin, dass sie nicht eine leichte Blessur vorgibt, um Druck wegzunehmen, sondern, dass sie tatsächlich um ihre Teilnahme an den Spielen bangt. Der 25-jährige Skistar ist nicht dafür bekannt, eine – überspitzt formuliert – Jammertante zu sein. Sie hat in der Vergangenheit immer auf die Zähne gebissen, wenn sie angeschlagen war; sei es bei Weltcupprüfungen, bei der Ski-WM oder 2006 in Turin.
Noch keine Medaille an Olympia
Damals vor vier Jahren stürzte sie im Training und zog sich Prellungen zu. Sie startete unter grossen Schmerzen und erreichte in den olympischen Speed-Disziplinen immerhin die Ränge 7 (Super-G) und 8 (Abfahrt). Vonn und Olympia – das passte bis jetzt nicht zusammen: An den Winterspielen ging sie in Sachen Medaillen bisher leer aus.
Die Zeit drängt. Heute Donnerstag steht in Whistler das erste Training für die Super-Kombination an. «Ich habe keine Ahnung, ob das klappen wird. Das ist die schmerzvollste Verletzung, die ich bisher hatte», erklärte der Pechvogel am Mittwoch. Und sagte auch noch, wie sehr ihr die nun missglückte Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt mental zu schaffen macht. «Es ist eine schwierige Situation. Es ist hart, eine positive Einstellung zu behalten und sich auf den Wettkampf zu fokussieren. Das ist keine gute Art, in die Olympischen Spiele zu starten. Aber am Donnerstag werden wir ein genaueres Bild haben.»
Die Sache mit der Wahrheit
Die überaus erfolgreiche Athletin hat die Ratschläge des medizinischen Staffs, die fragliche Stelle am Unterschenkel röntgen zu lassen, ignoriert. «Ich weiss nicht, ob es vielleicht gebrochen ist. Ich will es auch nicht hören, denn sonst ist meine Saison zu Ende.» Ihr Arzt habe den Knochen abgetastet und ihr gesagt, dass sich dieser ziemlich stabil anfühle - ein Hoffnungsschimmer also für den Star, der so kurz vor Olympia auch Angst vor der Wahrheit betreffend seines körperlichen Befindens hat.
Vonn ging erst am Mittwoch an die Öffentlichkeit. Jetzt will sie, dass die Öffentlichkeit über ihr körperliches und seelisches Befinden Bescheid weiss. «Ich will, dass die Leute wissen, was los ist. Und falls ich nicht gut fahre, warum das so ist.»
Auch die NBC zittert
Nicht nur punkto Sport wäre ein Forfait von Vonn ein herber Verlust für die alpinen Frauen-Rennen. Die Favoritin auf gut und gerne vier Goldmedaillen ist für den US-Sender NBC einer der wichtigsten Stützpfeiler für das Medien-Spektakel «Vancouver 2010». Die «LA Times» hat ausgerechnet, dass eine Absage des weiblichen Ski-Stars, die wegen des Titelbilds in der «Sports Illustrated» (unfreiwillig) für Furore sorgt, NBC einen Verlust von rund 200 Millionen US-Dollar bringen könnte. Das sind Bad News für die TV-Station, die amerikanische Helden braucht, um Olympia schmackhaft und populär in der Öffentlichkeit zu machen. Schliesslich braucht die TV-Station hohe Einschaltquoten, schon aus finanziellen und Prestigegründen. Der Fokus von NBC während der Spiele ist neben Vonn auch auf den Snowboarder Shaun White und die Apolo Anton Ohno (Short Track) und Shani Davis (Eisschnelllauf) ausgerichtet. Das Quartett ist auf Gold programmiert.
Brad Adgate, der für die Firma Horizon Media olympische Medien-Trends studiert, beurteilt die Lage aus einem amerikanischem Blickwinkel: «Lindsey Vonn ist neben Shaun White das Gesicht dieser Winterspiele. Wenn sie nicht starten kann, wird Olympia in den USA ein medialer Flop.»
Immerhin bleibt dem Sender ein kleiner Trost: Die Story, dass der amerikanische Sport-Star seine Skis in Whistler in die Ecke stellen muss und aus Verletzungsgründen nicht die Piste runtersausen kann, ist olympisches Drama zu Genüge. Auch dieser Stoff lässt sich irgendwie verkaufen und vermarkten. Besonders in den USA.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.02.2010, 11:16 Uhr

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