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Feuz und die grosse Ungewissheit

Von René Hauri, Wengen. Aktualisiert am 14.01.2016

Der Schweizer Skistar plant in Wengen nach einem Teilabriss der Achillessehne einmal mehr sein Comeback. Auf Abfahrtsski fuhr er aber noch keinen Meter.

«Ich weiss noch nicht, ob es Sinn macht»: Beat Feuz und das Rätselraten vor der Abfahrt am Lauberhorn.
Video: Sebastian Rieder

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Dieser Plan von Beat Feuz ging auf. In Wengen wollte er zurück sein im Ski­zirkus. Und Beat Feuz ist zurück. Ein bisschen jedenfalls. Zumindest ist er seit Montag im Berner Oberland. So richtig zurück aber kann er noch gar nicht sein im Weltcup, denn: Gefahren ist der Emmentaler am Lauberhorn noch nicht – gestern musste das Training ebenso abgesagt werden wie tags zuvor.

Überhaupt hat der 28-Jährige noch kein einziges Abfahrtstraining bestritten, noch keinen grösseren Sprung absolviert, weil das Wetter «in ganz ­Europa» keine Tests auf Abfahrtspisten ermöglichte, wie er sagt.

So sitzt Feuz, der im Teamhotel der Schweizer mit grossem Lichtblitzgewitter empfangen wird, also drei Tage vor dem Heimrennen am Samstag, an einem Tisch, umringt von Journalisten, und weiss selber nicht so recht, was er sagen soll. Er sei fit, sagt er dann etwa. Oder: «Die Achillessehne ist geflickt, sie hält, ist stabil und beweglich.» Das ist es, was Feuz vermelden kann. Viel mehr aber weiss er auch noch nicht. «Erst wenn ich einmal gefahren bin, kann ich sagen, ob es Sinn macht, an den Start zu gehen.»

Das Knie macht noch Sorgen

Die Physis sollte auf der mit viereinhalb Kilometern und einer Fahrzeit von rund zweieinhalb Minuten längsten Abfahrtsstrecke im Kalender jedenfalls kein Problem sein, glaubt er.

Und wer soll das besser einschätzen können als Beat Feuz? Der Verletzungsgeplagte, der nun, nach diesem Teil­abriss der rechten Achillessehne, erlitten bei einem Trainingssturz Ende ­August in den chilenischen Anden, einmal mehr ein Comeback anstrebt? Elfmal hatte sich Feuz schon operieren lassen müssen – alleine am linken Knie. So auch 2012 nach einem Knorpel- und Meniskusschaden, ebenfalls zugezogen beim Sommertraining in Chile. Er liess es danach mit einer ­Fischölkur behandeln – mit schwerwiegenden Konsequenzen. Dadurch wurde ein bakterieller Infekt ausgelöst. Eine Amputation seines Unterschenkels war damals sogar eines der möglichen ­Szenarien. Die Folgen begleiten ihn noch immer.

Der WM-Dritte von Beaver Creek hatte gehofft, dass sich nun dank der ­ungeplanten Pause wenigstens das Knie erholen würde, «dass es einen Schritt vorwärtsgeht», wie er das sagt, «aber es hat sich genau so entwickelt, wie wenn ich die ganze Zeit Rennen gefahren wäre». Der Teilabriss der Achillessehne: Er ist für Feuz also ein kleines Übel.

Ganz an Svindal orientiert

Der Skischuh musste angepasst und «so viel wie möglich ausgehöhlt werden», damit sein Fuss Platz hatte. Er arbeitete mit Einlagesohlen, mit Keilen, als er Mitte Dezember wieder erstmals auf den Ski stand. «Schritt für Schritt konnte ich die Einlagen dann reduzieren, sonst wäre ich jetzt nicht renntauglich», sagt er.

Bei seinem Ausrüster Head profitierte Feuz von den Erfahrungen, die das Team im letzten Winter mit Aksel Svindal gesammelt hatte. Dem Norweger war eine Woche vor dem Start zur Saison 2014/15 die Achillessehne gerissen – im Februar an der WM in den USA stand der 33-Jährige bereits wieder am Start und verpasste die Podestplätze nur um 13 (Super-G) und 14 Hundertstel (Abfahrt). Und zurzeit dominiert er die Speed-­Disziplinen wie zu seinen besten Zeiten.

Kein Wunder, orientierte sich Feuz bei seiner Rückkehr an Svindal. «Ich schaute, wann er erstmals auf Ski stand, welche Schritte er in der Reha wann machte und versuchte, es ihm gleichzutun», sagt er. «Das hat relativ gut geklappt.»

Thomas Stauffer, der Cheftrainer der Schweizer Männer, war jedenfalls angetan von dem, was er in der letzten Woche sah, als Feuz in Pfelders in Südtirol ein letztes Mal Super-G trainierte. «Seine Fahrten haben sehr gut ausgesehen», sagt er. «Allerdings war es eine Touristenpiste. Schauen wir einmal, wie es ausschaut, wenn es rumpelt, wenn der Skischuhrand drückt und wenn er nach einem weiten Sprung gelandet ist.»

Feuz wird das heutige Training also vor allem dafür brauchen, um sich wieder an eine Weltcuppiste zu gewöhnen. Gelingt der Test und entscheidet er sich für einen Start am Samstag zur Abfahrt, die er 2012 gewann, dann will er «nicht mitfahren, um 30. zu werden». Erst wenn ihm ein ansprechendes Resultat ­gelingt, wird auch Beat Feuz sagen ­können: «Der Plan ist aufgegangen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.01.2016, 00:06 Uhr

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