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Schmerztabletten, Quarkwickel und viel Misstrauen
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 12.02.2010
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Das Training der Frauen konnte am Donnerstag in Whistler nicht durchgeführt werden – das ist ein Vorteil für Lindsey Vonn, die sich an Olympia mit einer schmerzhaften Schienbeinprellung herumplagen muss und deshalb froh ist, wenn der vorgesehene Zeitplan eine Retouche erfährt. Maria Riesch, Freundin und Rivalin der Amerikanerin zugleich, glaubt trotz der Behinderung an einen Start von Vonn. «Ich glaube nicht, dass es sie so sehr behindert. Sie wird die Zähne zum Rennen hin zusammenbeissen. Und wenn sie dann fährt, kann sie die Schmerzen bei all dem Adrenalin ohnehin verdrängen», erklärt die Deutsche gegenüber der Agentur nüchtern und sachlich. Sie findet allerdings auch: «Das alles wurde sehr dramatisch dargestellt, ob jetzt durch Sie oder die Medien.»
Die Tatsache, dass Maria Riesch nichts von der Verletzung ihrer Freundin wusste, wird von «Bild» wiederum als bewusster olympischer Nervenkrieg der Amerikanerin interpretiert. Die Rivalin aus Bayern geht gegenüber der deutschen Sport-Agentur nicht auf diese Vorwürfe ein. «Ich war auch ganz schön erschrocken im ersten Moment, als ich davon erfahren habe. Wenn sich die Freundin so kurz vor dem Grossereignis verletzt, leidet man mit – gerade, weil ich ja selbst schon schwere Verletzungen hatte», erklärt Riesch, die Olympia 2006 in Turin wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte.
Pärsons Zweifel
Anja Pärson dagegen zeigt sich ziemlich verärgert über das Verhalten der Weltcup-Leaderin. «In meinen Augen ist sie nicht verletzt», sagt die routinierte Schwedin, die vermutet, dass Vonn den enormen Druck der amerikanischen Öffentlichkeit abfedern will. «Sobald du als Fahrerin im Starthäuschen ist, machst du dir ohnehin keine Gedanken mehr über deine gesundheitliche Verfassung. Du fährst einfach runter», erklärt Pärson. «Schliesslich haben 75 Prozent aller Fahrerinnen ein Wehwehchen, beissen aber auf die Zähne.»
Vonn selbst versucht, ihr körperliches und seelisches Befinden nach dem Trainingsunfall ins Gleichgewicht zu bringen. Die mehrfache Favoritin auf Gold unternimmt alles, damit sie wieder einigermassen schmerzfrei in die Skischuhe steigen kann. Vom konventionellen Stretching bis zur fortschrittlichen Lasertherapie ist in Sachen Genesung alles dabei. Auf Twitter, wo die Fahrerin gerne mal «zwitschert», lässt sie ihre grosse Fangemeinde wissen, dass sie nicht herumkomme, Schmerzmittel einzunehmen.
Das Heilmittel aus Österreich
Das 25-jährige Aushängeschild der amerikanischen Olympia-Delegation versucht es sogar mit Heim-Rezepten aus Österreichs Bergwelt. So hat die Patientin ihr lädiertes rechtes Bein unter anderem mit Quarkwickeln Marke Austria umhüllt, um die Schwellungen zu lindern. Damit hat die Athletin die medizinische Belegschaft des US-Olympia-Teams überrumpelt. Chefarzt Jim Moeller jedenfalls versucht sich nun über dieses natürliche Wundermittel in diversen Lexika schlau zu machen. «Ich habe das noch nie angewendet», erklärt Moeller gegenüber US-Medien. «Aber wenn es nützt, warum nicht?»
Es scheint zu wirken. Vonn sagt, dass es «von Tag zu Tag besser geht». Moderne Medizin, Heimrezepte aus den Alpen – letztlich sind die trüben Wetteraussichten Vonns grösster Support in ihrem Heilungsprozess. Mit jedem Tag Ruhe verbessert sich ihr Zustand. Vonn ist wohl die einzige Athletin in Vancouver, die sich schlechtes Wetter und damit Verschiebungen wünscht. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.02.2010, 16:02 Uhr

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