Style

Die modischen Hütchen-Spiele der Zürcher

Von Claudia Porchet. Aktualisiert am 25.08.2008

Mal abgesehen von Sängerin La Lupa, halten sich die Zürcher in Sachen Huttragen vornehm zurück. Doch wer sucht, der findet – und nicht nur Baseball Caps.

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Der Baseball-Cap
Bild: Claudia Porchet

   

1: Der Baseball–Cap

Dieser Südamerikaner bereist die Schweiz und ist begeistert. Dass der öffentliche Verkehr so reibungslos funktioniert und sämtliche Abfahrtzeiten stimmen, findet er «super». Das sei bei ihm zu Hause ganz anders. Den Base-Cap mit dem Schweizer­kreuz nehme er mit nach Hause – als Be­weis dafür, dass er wirklich hier gewesen sei und sich von der Pünktlichkeit selber habe überzeugen können. «Das glaubt mir sonst keiner.»

2: Der Cowboyhut

Der Cowboyhut aus lackiertem Bast ist eine Rarität in dieser Stadt und stammt auch nicht von hier. Die Zürcherin hat das Teil aus lackiertem Bast aus L.A. mitge­bracht – als Erinnerung. Sie schwärmt für Amerika, den Grand Canyon und das Death Valley. «Den Hut trage ich im Aus­gang zusammen mit meinen Cowboystie­feln, die ich ebenfalls aus Kalifornien im­portiert habe. Den Stern auf dem Hut finde ich besonders cool.»

3: Der Strohhut

Was macht ein weiblicher Teenager mit einem Strohhut auf dem Kopf in der nach­mittäglichen Mittagshitze vor einem Fahr­radparkplatz? «Na, was wohl?», lautet die schnippische Antwort. «Ich fahre in die Badi.» Wirkt man da nicht overdressed, mit einem Strohhut auf dem Kopf (Blumen und Bänder inklusive)? Das sei jetzt in, sie habe den Hut zwar aus Kuba mitgebracht, aber Strohhüte gebe es auch im H&M, «falls du auch einen möchtest». Und weg ist sie.

4: Der Panamahut

Dieser spanische Tourist kann kein Wort Deutsch oder Englisch, ich kann kein Spa­nisch. Aber dass er seine Hutkollektion zeigen soll, hat er kapiert. Nummer eins ist der sogenannte Panamahut, der zwar ebenfalls aus Stroh hergestellt wird, ein Wunder an manueller Fingerfertigkeit ist und aus Ecuador stammt. Der Name Panama stammt aus der Zeit, in welcher der Panamakanal gebaut wurde. Das Auf­sichtspersonal aus dem Westen merkte, dass die Indios, die unter ihren Füssen gru­ben, die glühende Hitze dank ihrer ge­flochtenen Hüte besser vertrugen als sie.

5: Der Cuba-Cap

Das zweite Modell ist definitiv in: Wenn es einen modischen Hutknüller in dieser Sai­son gibt, dann ist das eindeutig der Cuba­Cap. Die Mütze trägt Mann in den Farben Beige oder Khaki. Als Muster ist Camou­flage erlaubt. Wir sind nicht sicher, ob der Spanier weiss, was er da auf dem Kopf trägt. Er lacht nur, verabschiedet sich und verschwindet.

6: Das Kopftuch

Hermes hat es vorgemacht: Kopftücher sind wieder in, geknotet, geknüpft, ge­schlungen. Hauptsache um den Kopf he­rum und mit Sonnenbrille. Wer das trägt, wirkt unnahbar. Die Journalistin hat es nicht gewagt, diese Dame anzusprechen.

7: Der Pillboxhut

Die erste Adresse in Sachen Hut ist das Geschäft von Edith Gasser (für Damen am Neumarkt 16 und für Herren am Neumarkt 13). Die Chefin selbst ist zwar nicht da, da­für aber die Modistin Seraina Fürst. Ich frage nach dem ultimativen Modehut. Sie nimmt ein schickes, kleines Hütchen von der Stange und setzt es sich auf: «Das ist der sogenannte Pillboxhut», erklärt sie, während sie den Hut mit einem Gummi­band am Hinterkopf befestigt und den Schleier übers Gesicht zieht. Jackie Ken­nedy ist zwar die erste gewesen, die das Ding getragen hat. «Seitdem Carla Bruni die Pillbox getragen hat, wollen das viele junge Mädchen für Hochzeitsanlässe und Bälle.» Bevorzugt würden Seide und Satin­stoffe in Farbtönen wie Ecru und Beige. Elegant ist die Pillbox, ohne Zweifel.

8: Der Herbsthut

«Aber nicht das, was Carla Bruni auf dem Kopf hat», kritisiert die Zürcher Grande Dame der Hutmode, Edith Gas­ser, die den Ladenraum mit energischem Schritt betritt. Wer kauft die Kreationen aus Tüll und Spitze, Federn, Blumen und Bändern in Pastell, Schwarz, Violett und, und, und? Das seien nicht nur Damen vom Züriberg und der Goldküste, son­dern alle, die grad einen schönen Hut brauchen würden. «Bei mir sind alle willkommen, nur bei Japanern, die hor­denweise einfallen und alles anfassen, kann ich giftig werden.» Alte Frauen, jahrzehntelange Stammkundinnen, oft­mals auch mit schmalerem Budget, seien ihr ebenfalls lieb. Frau Gasser setzt sich einen Herbsthut aus Velourfilz in der Farbe Cognac auf. Die beiden echten Fa­sanenfedern bewegen sich leicht im Wind. Elegant sieht das aus, aber auch ein wenig entrückt – wie aus einer ande­ren Zeit.

9: à la Justin Timberlake

Klassischer Herrenhut à la Justin Timber­lake. Das Herrenaccessoire lässt sich nicht mehr wegdenken und wirkt immer gut. Auf diesen Hut dürften vor allem Junge abfahren (vielleicht das Zielpubli­kum dieser «Weltwoche»-Werbekampa­gne?)

10: Die Baskenmütze

Die Casquette basque oder Baskenmütze ist immer wieder beliebt, sie wirkt aber je länger, je mehr ein wenig altväterlich. Beim Stichwort Baskenmütze denkt man an Pfeifenraucher und Pastisse-Trinker, auf jeden Fall an französische Provinz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 16:19 Uhr