Wahlen 2011
SP und CVP machen Brunner zum Favoriten
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 25.10.2011 82 Kommentare
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St. Galler Sitze im Ständerat
Fast immer FDP und CVP
Seit rund hundert Jahren teilen sich FDP und CVP die zwei Ständeratssitze des Kantons St. Gallen. Einzige Ausnahme war bisher ein Sozialdemokrat, der 1971 anstelle eines FDPlers die Wahl ins Stöckli schaffte. Wegen Toni Brunner könnte nun die CVP aus dem Ständerat gedrängt werden. Der Nationalrat und SVP-Präsident holte beim ersten Wahlgang am letzten Wochenende am zweitmeisten Stimmen.
Zur Erinnerung: FDP-Kandidatin Karin Keller-Sutter erhielt 101'181 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 78'357 Stimmen und schaffte damit den Einzug ins Stöckli. Hinter der Justizdirektorin folgte Toni Brunner mit 56'347 Stimmen. Brunner lag noch vor dem Bisherigen Eugen David (CVP), der 47'774 Stimmen auf sich vereinte. SP-Herausforderer Paul Rechsteiner errang 44'348 Stimmen, Yvonne Gilli von den Grünen erhielt 24'183 Stimmen. Jürg Gehrig (BDP) bekam 5311 Stimmen. Auf Vereinzelte entfielen 2451 Stimmen. Der zweite Wahlgang findet am 27. November statt. (vin)
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Im Kampf um den noch freien St. Galler Ständeratssitz sind die Wahlchancen von SVP-Präsident Toni Brunner deutlich gestiegen. Brunner, der nicht so recht in das «chambre de réflexion» passt, profitiert davon, dass die SP die Teilung der Mitte-links-Stimmen in Kauf nimmt. Einstimmig hat die SP am ausserordentlichen Parteitag am Montagabend beschlossen, mit Rechsteiner in den zweiten Wahlgang am 27. November zu steigen.
Noch vor vier Jahren hatten die Sozialdemokraten nach dem ersten Wahlgang ihre damalige Kandidatin Kathrin Hilber zurückgezogen, um einen Erfolg von Brunner zu verhindern. Allerdings war die Ausgangslage eine andere, weil im zweiten Wahlgang noch beide Sitze zu vergeben waren, die dann an Erika Forster (FDP) und Eugen David (CVP) gingen.
«Es ist nicht so, dass die SP immer Brunner verhindern muss»
Dieses Mal rechnet sich die SP selber« intakte Chancen» aus, nachdem sie ihren Wähleranteil um zwei Prozent steigern konnte und Rechsteiner im ersten Wahlgang ein gutes Ergebnis erzielte. So erhielt der amtsälteste Nationalrat und Gewerkschaftspräsident nur 3000 Stimmen weniger als David. Der Kampf für gute Löhne und gute Renten sei mehrheitsfähig, heisst es bei der SP, die auf die Unterstützung der Grünen zählen kann. Ausserdem sei das rechte Lager mit der am Wochenende klar gewählten Karin Keller-Sutter (FDP) im Stöckli bereits vertreten.
Bei der SP ist man sich allerdings im Klaren, dass die Kandidatur von Rechsteiner dem SVP-Kandidaten Brunner nützen könnte. Dennoch: «Es ist nicht so, dass die SP immer Brunner verhindern muss», sagt Claudia Friedl, Präsidentin der SP des Kantons St. Gallen, im Gespräch mit baz.ch/Newsnet. «Wir wollen auch nicht Steigbügelhalterin der CVP sein.» Schliesslich gibt Friedl zu verstehen, dass die CVP nach dem Rückzug von David keinen valablen Kandidaten für den zweiten Wahlgang zu bieten habe.
Finanzdirektor Gehrer und Nationalrätin Meier-Schatz wollten nicht
Der Mann, der den CVP-Sitz im Ständerat verteidigen soll, ist ein Neuling. Dabei handelt es sich um Michael Hüppi, einen 55-jährigen Rechtsanwalt aus der Stadt St. Gallen. Der Bruder von SF-Sportmoderator Matthias Hüppi und Neffe des verstorbenen Alt-Bundesrats Kurt Furgler ist in der Öffentlichkeit insbesondere als Vizepräsident des FC St. Gallen bekannt. Am Wochenende kandidierte Michael Hüppi auf der Liste Nordwest der CVP und ergatterte den ersten Ersatzplatz für den Nationalrat. Und an der gestrigen Parteiversammlung in Rheineck schickten die Delegierten mit 131 zu 0 Stimmen den Quereinsteiger ins Ständeratsrennen.
Vor dem Delegiertenentscheid hatten die bekannte Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz und der kantonale Finanzdirektor Martin Gehrer ihr Desinteresse an einer Kandidatur erklärt. Gemäss Medienberichten hätte die CVP am liebsten Gehrer als Ständeratskandidaten gesehen. Gehrer gehört erst seit drei Jahren der St. Galler Kantonsregierung an, und er will offensichtlich (noch) nicht nach Bern.
Hüppi sieht sich als Quereinsteiger mit «mit Födle und Herz»
An der gestrigen Delegiertenversammlung präsentierte sich Hüppi als Quereinsteiger, der sich in Bern «mit Födle und Herz» für den Kanton St. Gallen einsetzen wolle, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Und weiter: «Ich bin nicht links, ich bin nicht rechts – ich strebe vorwärts.» Obwohl er mit Rechsteiner und Brunner gegen zwei Schwergewichte der nationalen Politik anzutreten hat, rechnet sich der CVP-Kandidat Chancen aus, «wenn die ganze politische Mitte hinter mir steht und wählen geht».
FDP gibt am Donnerstag ihre Wahlempfehlung ab
Hüppi braucht vor allem die Stimmen aus dem Lager der FDP, die ihre Kandidatin Karin Keller-Sutter souverän in den Ständerat gebracht hat. Die St. Galler FDP wird am Donnerstag ihre Wahlempfehlung bekannt machen, wie deren Präsident Marc Mächler gegenüber baz.ch/Newsnet erklärt. «Persönlich habe ich Sympathien für die Kandidatur von Michael Hüppi», sagt Mächler, «entscheiden wird aber die Parteileitung.» Hüppi selber will positive Signale aus der FDP wahrgenommen haben. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.10.2011, 18:38 Uhr
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82 Kommentare
Traurig, dass sich CVP und SP nicht einigen konnten und damit den Weg für Brunner ebneten. Brunner im Stöckli kommt einer Katastrophe gleicht. Dort braucht es Köpfe, welche vernetzt und vernünftig denken können. Eigenschaften, welche Herrn Brunner abgehen. Antworten
Die SVP hätte ebenso gleich Zottel nominieren können. Hier landet der schwarze Peter aber klar bei der CVP. Sie hat es verpasst, einen valablen Kandidaten für den zweiten Wahlgang zu präsentieren. Entsprechend kann man es der SP nicht verübeln, dass sie ihren eigenen, sehr bekannten (und umstrittenen) Kandidaten ins Rennen schickt. Die CVP sollte ihren Kandidaten zurückziehen. Antworten

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