Auf zu neuen Ufern

Noch befindet sich der neue Land Rover Discovery im Prototyp-Stadium. Eine erste Fahrt zeigt aber schon mal auf, wohin die Reise geht.

Auf den kompakten Land Rover Discovery Sport folgt im Frühling die neue Generation des klassischen Discovery. Fotos: Land Rover

Auf den kompakten Land Rover Discovery Sport folgt im Frühling die neue Generation des klassischen Discovery. Fotos: Land Rover

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Marco Polo, Christoph Kolumbus, Vasco da Gama – und jetzt ich. Klingt grössenwahnsinnig? Mit Verlaub: Ich steuere als eine der Ersten überhaupt ein Schiff von einem Auto, das nach 27 Jahren, vier Generationen und 1,2 Millionen Verkäufen einen radikalen Kurswechsel vornimmt, um in vielerlei Hinsicht Neuland zu betreten. Mögen die Geschichtsbücher der Zukunft meine Entdeckungen verschmähen – ich stehe im Dienste von König Kunde, der sich anhand meiner in der schottischen Wildnis angefertigten Notizen schon mal ein Bild davon machen kann, zu welchen Ufern die fünfte Generation des Land Rover Discovery aufbricht.

Entdeckung der Aerodynamik

Zwischen den wandschrankartigen Vorgängern und der rundlichen, mit stark geneigter Windschutzscheibe auftretenden Neuentwicklung liegen Welten. Manch einer wird dem Fremdling Traditionsbruch vorwerfen, in Akzenten wie der markanten Dachstufe oder charakteristischen C-Säule spricht er aber immer noch dieselbe Designsprache, und bei einem ungewohnt tiefen Luftwiderstandsbeiwert von 0,33 dürfte nicht nur der Fahrtwind, sondern auch die Kritik unbeirrt an ihm vorbeiziehen.

Entdeckung des Luxus

Sehr gentlemanlike: In Verbindung mit der Luftfederung senkt sich der Wagen um bis zu 4 Zentimeter ab, um das Einsteigen zu erleichtern. Im Interieur erwarten hochwertige Materialien wie Windsor-Leder und Eiche, Sitzheizung auf allen Plätzen, Sitzkühlung sowie eine Massagefunktion in der vorderen Reihe und ein 10,2-Zoll-Touchscreen, der die Anzahl Knöpfe um ein Drittel reduziert, auf die Passagiere. Ganz anders als beim edlen und viel teureren Range Rover bleiben die Instrumente analog, dennoch steht der Discovery angesichts seines Luxus- und Hightech-Ambientes unter Kannibalenverdacht. Zumal es ihn in seiner günstigsten Version schon ab 56 800 Franken gibt.

Entdeckung der Leichtigkeit

Da der Discovery konventionell motorisiert bleibt und trotz des Wechsels auf eine leichte Alu-Plattform mindestens 2099 Kilogramm wiegt, handelt es sich bei der fünften Generation nur um einen kleinen Schritt für die Menschheit. Für die Fans des Geländeklassikers ist es aber ein grosser, denn die Gewichtsersparnis von bis zu 480 Kilo gegenüber dem Vorgänger bedeutet, dass die beiden 4-Zylinder-Turbodiesel mit weniger als 7 Litern auskommen. Und die Leichtigkeit, mit der es durch die Wildnis geht, sucht sowieso ihresgleichen – gerade mit dem 258 PS und vor allem 600 Nm leistenden V6-Diesel. Insbesondere dann, wenn man den Allradler mit zwei statt einstufigem Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung wählt.

Entdeckung der Selbstständigkeit

Für verbesserte Offroad-Eigenschaften sorgt nebst der um 43 auf 283 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit und von 700 auf imposante 900 Millimeter gestiegenen Watttiefe auch die elektronische Crew des Briten. Das Terrain-Response-2-System passt die Sensitivität des Gaspedals und die Gangwechselcharakteristik entweder per Drehregler oder selbsttätig an den jeweiligen Untergrund an. Hinzu kommt die neue All-Terrain Progress Control (ATPC), die im Stil eines Gelände- Autopiloten eine vorher eingestellte Geschwindigkeit beibehält, damit man sich beim Bewältigen heikler Passagen nur noch auf das Lenken konzentrieren muss.

Entdeckung der Variabilität

Die unebenen Feldwege im schottischen Niemandsland lassen das «Schiff» so sehr schwanken, dass es den im Zusammenhang mit der neuen Integral-Hinterachse versprochenen Fahrkomfort erst noch zu entdecken gilt. Die Hinterbänkler bekommen auch nur am Rande mit, wie viel Platz ihnen nun der um knapp 13 Zentimeter auf üppige 4,97 Meter gestreckte Discovery zugesteht. Schon gar nicht trauen sie sich bei derart stürmischen Bedingungen in die dritte Sitzreihe, in der laut den Prophezeiungen von Land Rover rund 90 Prozent aller Menschen komfortabel mitreisen. Dringlicher erscheint im Auge des Offroad-Orkans die Frage, ob irgendwo ein Spuckbeutel verborgen liegt. Vielleicht im Geheimfach hinter dem Klimaanlagen-Bedienfeld? In einem von drei Mittelkonsolen- Fächern? Im unteren Handschuhfach? Im oberen? Gar im Kofferraum, der bis zu 2500 Liter fasst und zur Ladesicherung eine zweite Heckklappe bietet? Faszinierend, mit wie vielen Staumöglichkeiten der «beste Familien-Geländewagen der Welt» aufwartet.

Faszinierend aber auch, dass es heutzutage möglich ist, die verschiedenen Sitzkonfigurationen aus der Entfernung einfach per App einzustellen – etwa, wenn man schon im Shoppingcenter entscheidet, die Fondsitze einer riesigen Ladefläche zu opfern. Überhaupt schickt sich der neue Discovery dazu an, mit seinem modernen Infotainmentsystem, neun USB-Buchsen, sechs 12-Volt-Ladestationen und Wi-Fi für bis zu acht Endgeräte die digitale Welt zu erobern. «Nichts, was der menschliche Fortschritt hervorbringt, erhält die Zustimmung aller», sagte einst mein Entdecker- Kollege Kolumbus. Doch beim Discovery ist nach 12'000 Vorbestellungen, 70'000 heruntergeladenen Broschüren und 680'000 Onlinekonfigurationen Zuversicht geboten, und bis zur Entdeckung des Randsteins – im März 2017 kommt das Auto auf die Strasse – bleibt ja noch etwas Zeit.

Nina Vetterli fuhr den Prototyp des Land Rover Discovery vom 8. bis 9. Dezember auf Einladung von Jaguar Land Rover Schweiz in Grossbritannien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.12.2016, 15:57 Uhr

Land Rover Discovery

Der Entdecker

Kategorie 5-türiger SUV mit bis zu 7 Plätzen
Masse Länge 4970 mm, Breite 2073 mm, Höhe 1846 mm, Radstand 2923 mm
Kofferraum 1231 bis 2500 Liter (5-Sitzer) und 258 bis 2406 Liter (7-Sitzer)
Motoren 2,0-Liter-4-Zylinder-Diesel mit 180/240 PS (132/177 kW), 3,0-Liter-V6-Diesel mit 258 PS (190 kW), 3,0-Liter-V6-Benziner mit 340 PS (250 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 7,1 bis 10,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 189 bis 215 km/h
Verbrauch 6,0-10,9 Liter auf 100 Kilometer
CO2-Ausstoss 159 bis 254 Gramm/Kilometer
Preis ab 56'800 Franken
Markteinführung 22. März 2017
Infos: www.landrover.ch

Dank Alu-Leichtbau 480 Kilo leichter.

Aufgeräumtes Cockpit mit Touchscreen.

Sieben vollwertige Sitze im Discovery.

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