Der süsse Duft der Unvernunft

Als harmonisch designtes Coupé propagiert die E-Klasse von Mercedes-Benz die luxuriöse Leichtigkeit des Seins; Raumparfum und elektrischer Butler inklusive.

Das E-Klasse Coupé von Mercedes: Der elegant gezeichnete Wagen kommt mit weniger Kanten aus als sein Vorgänger, ist dafür deutlicher konturiert. Foto: Daimler AG

Das E-Klasse Coupé von Mercedes: Der elegant gezeichnete Wagen kommt mit weniger Kanten aus als sein Vorgänger, ist dafür deutlicher konturiert. Foto: Daimler AG

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«Daybreak» – der Name für das Raumparfum im neuen Coupé der E-Klasse ist bei Mercedes Programm. Denn der Zweitürer, der vor kurzem die Modell­familie ergänzte, will die Businesselite mit dem süssen Duft der Unvernunft in die Pause locken und für ein paar Kilometer vom geschäftigen Treiben in den Führungsetagen entführen. Wer mindestens 61'100 Franken überweist, bezahlt zwar 5900 Franken mehr als für die Grundversion der vergleichbaren ­Limousine, wird dafür aber auch mit der besonders luxuriösen Leichtigkeit des Seins entschädigt.

Dies wird beim Design besonders deutlich: Das elegant gezeichnete Coupé kommt mit weniger Kanten aus als sein Vorgänger, ist dafür deutlicher konturiert, keine markanten Linien und Sicken, die Flächen werden einzig durch Lichteinfall und Schattenwurf definiert und lassen das Coupé wie eine Skulptur auf Rädern wirken. Und nachdem die E-Klasse mit ihrem ausladenden Cinemascope-Cockpit ohnehin schon etwas verführerischer und verspielter als die Konkurrenz auftritt, unterstreichen nun metallisch-funkelnde Lüfterdüsen, ganz im Stil von Jettriebwerken den Abstand zum Alltag. Zudem gibt es auffällige Zierkonsolen und auf Wunsch besonders progressive Farbwelten.

Auch beim Fahren fühlt man den Unterschied: Objektiv, weil das Coupé zwei Zentimeter tiefer liegt als die Limousine und straffer abgestimmt ist. Und subjektiv, weil man nicht einfach teilnahmslos im Sessel hängt und im Kopf unabdinglich seine Termine sortiert, sondern weil man engagiert ins Lenkrad greift und der Blick über die Powerdomes auf der Motorhaube die Fahrbahn fixiert. Wo es sonst um ein möglichst entspanntes Ankommen geht, wird der Weg im Coupé plötzlich wieder zum engagierten Lusterlebnis.

Natürlich verstärkt sich dieser Effekt exponentiell mit der gewählten Motorleistung, und wer sich gut in Geduld üben kann oder noch ein bisschen sparen muss, kann sich schon jetzt auf die AMG-Modelle freuen, die zwar nicht vor 2018 bei den Händlern stehen werden, die aber den fein geschliffenen E-Edelstein in einen rohen, aber lupenreinen Diamanten verwandeln werden. Da läuft nicht nur den Ingenieuren in Affalterbach das Wasser im Mund zusammen.

Doch wer nicht auf die E-Vitaminpille E 43 oder das Topmodell E 63 warten will, der ist auch mit dem E 400 gut bedient. 333 PS und bis zu 480 Nm ma­ximales Drehmoment, eine schnelle Neungang-Automatik – das reicht für den Stammtischsprint von 0 auf 100 in 5,3 Sekunden. Vor allem aber reicht das für den kleinen Endorphinschub zwischendurch. Der dann serienmässige Allradantrieb sorgt dafür, dass sich bei aller Euphorie über die Nehmerquali­täten des Tieffliegers nicht allzu viel Adrenalin unter das Glückshormon mischt.

Elegant-entspanntes Cruisen

Neben dem mindestens 78'400 Franken teuren Top-Modell haben die Schwaben zum Start als weitere Benziner den E 200 mit 184 und den E 300 mit 245 PS sowie einen 194 PS starken Diesel namens E 220 d im Angebot. Damit sinkt der Preis auf bis zu 61'100 Franken und der Normverbrauch von 8,1 auf 4,0 Liter – ein bisschen Vernunft darf bei all dem Vergnügen ja trotzdem sein. In der Schweiz profitieren die Kunden vom exklu­siven Serienmehrumfang. Jedes E Coupé verfügt über zusätzliche Ausstattung wie unter anderem 18-Zoll-Leichtmetallräder, einen grösseren Treibstofftank oder auch den Parkpiloten mit Rückfahrkamera.

Insgesamt sind die Unterschiede zu Limousine und Kombi aber gering – das gilt für den Antrieb genauso wie für die Ausstattung. Aber dafür ist der Abstand zum Vorgänger umso grösser. Zuletzt eher in der C-Klasse zu Hause, nutzt das neue Coupé nicht nur den Namen der E-Klasse, sondern auch deren Plattform und wird entsprechend grösser: Die Länge wächst um zwölf und der Radstand um elf Zentimeter und auch in der Breite legt das Coupé um ganze sieben Zentimeter zu.

Das Ergebnis: Wer sich erst einmal an den rahmenlosen Türen vorbei nach hinten geschält hat, kann auch im Fond des jetzt 4,83 Meter langen Schaustücks vernünftig sitzen. Und vorne sitzt man eh in der ersten Reihe: Nicht einmal um den Gurt muss man sich kümmern, denn der wird in den Zweitürern von Mercedes traditionell vom elektrischen Butler gereicht.

Zwar verschieben sich die Prioritäten bei der E-Klasse schon mit dem Coupé vom Geschäfts- Richtung Genussmobil. Doch ist der Gipfel der Genüsse damit noch nicht erreicht. Denn erst im Spätsommer, wenn er als Cabrio die Hüllen fallen lässt und zum vornehmen Sonnenfänger wird, ist wohl die Spitze des elegant-entspannten Cruisens mit Ambitionen erreicht. Ein exklusives Parfum wird es dann allerdings nicht mehr geben. Denn bei offenem Dach ist auch der stärkste Duft nach wenigen Metern verflogen.

Markus Cavelti fuhr das neue Mercedes E-Klasse Coupé am 27. Februar 2017 auf Einladung von Mercedes Schweiz in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2017, 16:00 Uhr

Mercedes E-Klasse

Modell: Oberklasse-Coupé mit 2 Türen und 4 Plätzen.
Masse: Länge 4826 mm, Breite 1860 mm, Höhe 1430 mm, Radstand 2873 mm.
Kofferraum: 425 Liter.
Motoren: Turbodiesel mit 194 PS (143 kW), Turbobenziner mit 184 PS (135 kW) bis 333 PS (245 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 5,3 bis 7,8 Sekunden.
Höchstgeschwindigkeit: 240 bis 250 km/h.
Verbrauch: 4,0 bis 8,1 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 106 bis 183 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung: sofort.
Preis: ab 61'100 Franken.
Infos: www.mercedes-benz.ch


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