Frisch aus der Therapie

Nach über 30 Jahren auf dem Markt erhält der Kleinwagen Nissan Micra einen neuen Look. Die fünfte Fahrzeuggeneration hat ihre Persönlichkeit radikal gewandelt.

Der neue Micra hat sich von seinem knuffigen Image und den treu blickenden Scheinwerfern verabschiedet. Foto: Nissan

Der neue Micra hat sich von seinem knuffigen Image und den treu blickenden Scheinwerfern verabschiedet. Foto: Nissan

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Es war 1993. Roberto Baggio, damals bei Juventus Turin unter Vertrag, wurde zum Fifa-Fussballer des Jahres gewählt, und die zweite Generation des Nissan Micra wurde in Europa zum Auto des Jahres gewählt. Die Zeiten sind vergangen. Exemplarisch lässt sich das auch an den Verkaufszahlen des Nissan Micra ablesen. Der 1983 lancierte Kleinwagen aus Japan verkaufte sich in den neun Lebensjahren seiner ersten Generation weltweit rund 29'000-mal. Seine vierte, in Indien als Weltauto produzierte Generation dagegen liess sich von 2010 bis 2016 nur noch 7000-mal absetzen. Der einst heiss begehrte Kleinwagen von Nissan hat mit dem VW Polo, Citroën C3 oder dem Mazda 2 mittlerweile starke Konkurrenz erhalten, die dem Liebling von früher mit modernerer Optik und Technik den Rang abgelaufen haben.

Die Neuzeit hält Einzug

Fakt ist heute: Zeit seines Lebens war der Micra als knuddliger Kleinwagen bekannt, der mit seinen handlichen Proportionen gefiel und vor allem die Frauen begeisterte. Diesem Zeitalter sagt die nun fünfte Generation Adieu. Der neue Micra verabschiedet sich von seinem Image als knuffiger Charmeur mit treu blickenden Scheinwerfern. Um den erstarkten Mitbewerbern wieder die Stirn zu bieten, hat die ab März erhältliche Micra-Version einen wahren Persönlichkeitswandel hinter sich, oder wie es Produktmanager Laurent Marion ausdrückt: «Der neue Micra ist ein in Europa und vorerst ausschliesslich für Europa gebautes Auto. Er ist für uns keine Evolution, sondern eine Revolution.»

Im Vergleich zum Vorgänger ist der jüngste Micra nicht nur 17, 8 und 6 Zentimeter länger, breiter und tiefer als bisher, sondern vor allem optisch ein komplett neues Auto. Mit seinen nun scharf durchs Blech gezogenen Karosserie­linien, auffälligen Leuchten und einer coupéhaften Dachlinie lässt er die Zugehörigkeit zum Nissan-Bestseller Qashqai deutlich erkennen. Der gemütliche Look von einst ist einem erwachsenen Auftritt gewichen. Der Erscheinungswandel setzt sich im Interieur fort. Mit neuen Details wie einem 7-Zoll-Touchscreen, Apple-Carplay und Bose-Soundsystem mit 360-Grad-Klangerlebnis hält im Micra nun die technische Neuzeit Einzug. Selbstredend, dass auch das Innenraumdesign hochwertiger daherkommt. Der wählerische Kunde von heute kann seinen Wagen selbst aus einer Palette von zehn Aussenfarben, drei Innenraumpaketen und diversen Dekorelementen personalisieren.

Mehr Durchzugskraft

Bei der Motorisierung stehen dem knapp eine Tonne leichten Micra wahlweise die 90 Turbo-PS aus dem Dreizylinder-Benziner oder Vierzylinder-Diesel gut an. Der Selbstzünder macht dabei mit grösserer Durchzugskraft und mehr Agilität bessere Laune als der etwas schwerfällig wirkende Benziner. Ausserdem weist der Selbstzünder mit Start-Stop-Funktion auf 100 Kilometern den laut Nissan um rund einen Liter tieferen Verbrauchswert auf. Die gefühlvolle Lenkung und eine präzise Fünfgang-Handschaltung sind beiden Modellen eigen. Ebenso serienmässig sind die – dank höhen- und tiefenverstellbarer Lenksäule auch für Grosse – gute Sitzposition am Steuer, der 300 Liter fassende Kofferraum und der beim Fünftürer leider etwas enge Einstieg auf die hintere Sitzreihe. Hybrid- oder Elektroantriebe sowie eine Nismo-Sportversion sucht man im Micra-Angebot derzeit noch vergebens.

Solche Extras stellt Nissan aber für die Zukunft ebenso in Aussicht wie ein Automatikgetriebe, das ab 2018 erhältlich sein soll. Nicht von gestern ist der Umfang der Ausstattungsliste bezüglich Assistenzsysteme. Hier setzt der Micra im Kleinwagensegment die Latte hoch: Intelligenter Notbrems-Assistent mit Fussgängererkennung, Spurhalte-Assistent mit Warnsystem, Verkehrszeichenerkennung, Totwinkel-Assistent und eine 360-Grad-Rundumkamera für das sichere Einparkieren in unübersichtlichen Momenten sind im Kleinwagen auf Wunsch mit an Bord. So aufgerüstet, ist der neue Micra wieder auf der Höhe der Zeit. Und wer weiss? Vielleicht kann er an frühere Erfolge anknüpfen. Die Nominierung für die Wahl zu Europas Auto des Jahres hat er jedenfalls auf sicher. Am Autosalon Genf wird sich dann zeigen, ob er das Rad der Zeit nochmals erfolgreich zurückdrehen kann.

* Thomas Borowski fuhr den neuen Micra am 17./18. Januar auf Einladung von Nissan Switzerland in Kroatien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2017, 18:31 Uhr

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Nissan Micra
Modell: 5-türiger Kleinwagen

Masse: Länge 3999 mm, Breite 1743 mm, Höhe 1455 mm, Radstand 2525 mm.
Kofferraum: 300 Liter.
Motoren: Dreizylinder-Benziner mit 73 oder 90 PS (54 oder 66 kW), Vierzylinder-Diesel mit 90 PS (66 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 11,9 bis 12,1. Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 175 bis 179 km/h.
Verbrauch: 3,2 bis 5,1 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangaben).
CO2-Ausstoss: 85 bis 115 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung: ab März 2017
Preis: Ab 13'890 Franken.
Infos: www.nissan.ch


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