Im Jaguar über verschneite Strassen

Ob als SUV oder Offroader: Der F-Pace überzeugt. Nur die Wahl des Motors müsste man überdenken.

Auf Schnee zu Hause: Der Jaguar F-Pace.

Auf Schnee zu Hause: Der Jaguar F-Pace. Bild: PD

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Bis vor ein paar Jahren blieb echten ­Jaguar-Fans im Winter keine andere Wahl, als a) einfach auf ein Auto zu verzichten oder b) ein Winterfahrzeug zu kaufen. Denn die teuren und edlen Sportwagen und Luxuslimousinen hinterliessen im Schnee oder auf vereisten Strassen einen eher schlechten Eindruck. «Der Name der Marke ist Programm», lachte mich einst ein Schweizer Audi-Händler aus: «Wie Hauskatzen lieben auch die Jaguar-Modelle die Wärme. Wenn sie könnten, würden sie sich am liebsten auf die Heizung legen und warten, bis der Sommer kommt.»

Das war Ende der 80er-Jahre, und der Mann hatte gut lachen: Denn damals war Audi bereits seit fast zehn Jahren erfolgreich auf allen vieren («quattro») unterwegs, und die Winter waren noch echte Winter. Mit Schnee bis in die Niederungen. Wochenlang. So blieb den ­Jaguar-Besitzern oft nichts anderes übrig, als zu warten. Zwar rollten die Briten 2001 mit dem X-Type einen ersten Jaguar mit Allradantrieb an den Start, doch der basierte auf dem biederen Ford Mondeo und wurde 2009 nach gut 350 000 verkauften Exemplaren frühzeitig in Rente geschickt.

Anhaltender Allradtrend

Erst die 2012 lancierten Allradmodelle von XF und XJ sorgten für den Durchbruch des AWD. «Heute kann jeder Jaguar mit Heck- oder Allradantrieb bestellt werden», bestätigt PR-Manager Stefan Rufener. «Der Allradanteil bei Jaguar Schweiz liegt derzeit bei 80 Prozent.»

Den grössten Anteil am internen Allradboom der unter indischer Flagge segelnden Briten hat logischerweise der seit Ende April 2016 erhältliche F-Pace. Über 99 Prozent der bisher rund 850 Schweizer Käufer haben den 4,73 Meter langen Schönling mit AWD bestellt. Kein Wunder: Auto-Schweiz, die Vereinigung der Schweizer Automobil-Generalimporteure, bestätigte Anfang März, «dass die Beliebtheit des Allradantriebs in der Schweiz weiter anhält. Mit 45,9 Prozent Marktanteil im Februar landeten die 4x4-Fahrzeuge erneut in der Nähe der 50-Prozent-Marke.»

Riesig: Touchscreen in der Mittelkonsole. Bild: PD

Und daran dürfte sich in naher Zukunft nichts ändern. Denn wie ein Rundgang auf der Geneva International Motor Show vergangene Woche gezeigt hat, stehen erneut jede Menge Autos in den Startlöchern, die auch mit Allradantrieb zu haben sind. Also viel Konkurrenz für unseren Jahrestestwagen F-Pace 20d Portfolio AWD?

Konkurrenz aus der eigenen Familie

Eigentlich nicht: Nach wie vor wirkt der Jaguar im Vergleich zur direkten, mehrheitlich deutschen Konkurrenz besonders attraktiv. Denn das Team um Designchef Ian Callum hat es geschafft, den typischen Jaguar-Stil auf einen SUV zu übertragen. «Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich mal so ein Auto für Jaguar zeichnen würde», so Callum. «Doch der F-Pace ist praktisch und schön – für mich ein Family Sports Car.»

Das passt. Denn obwohl der F-Pace seit bald einem Jahr auf dem Markt ist, hat er seinen Reiz nicht verloren. Optische Konkurrenz droht ihm höchstens aus der eigenen Familie. Denn im Sommer rollt Range Rover mit dem Velar einen besonders edlen Offroader an den Start. Einer, der auf dem F-Pace basiert.

Technisch teilen sich die beiden Fahrzeuge zwar die Aluminiumarchitektur und die Motoren, doch das Publikum ist ein anderes. «Du sitzt im Jaguar, aber du sitzt auf dem Range Rover – das Fahrgefühl ist nicht zu vergleichen», bringt es der englische JLR-Chef Jeremy Hicks auf den Punkt. Im Klartext: Während die Briten den F-Pace eher als «sporty ­saloon» bezeichnen, soll der Velar zum echten Offroader werden.

15 000 überzeugende Kilometer

Egal, ob SUV, Offroader, Crossover oder «sporty saloon»: Der F-Pace hat auf den ersten 15 000 Kilometern durchwegs überzeugt. Zwar wirkt er in der City angesichts seiner Breite von über 1,93 Metern ziemlich wuchtig, doch jenseits der Stadtgrenze spielt er seine Qualitäten aus.

Auch ohne teure Luftfederung und trotz der grossen Räder rollt der F-Pace angenehm ab, verzichtet auf jegliche Wankbewegungen und verwöhnt mit ­gutem Komfort. Dazu tragen auch die bequemen Ledersitze bei. Platz gibt es en masse, die abfallende Dachlinie stört Hinterbänkler wenig, und dass im Heck 650 Liter Gepäck Platz finden, ist erstaunlich.

Sound passt nicht zur Optik

Erstaunlich ist auch, wie unauffällig die 8-Gang-Automatik arbeitet, obwohl sie ordentlich gebraucht wird. Denn – das einzige kleine Manko – zu einem Jaguar würde ein stärkerer Motor als der 2-Liter-Diesel mit 180 PS besser passen. Vor allem der Sound des Selbstzünders passt nicht zur Optik.

Klagen auf höchstem Niveau: Denn der 5-Plätzer spurtet auch so in 8,7 Sekunden auf Tempo 100. Und viel zeitgemässer ist ohnehin die Tatsache, dass wir den offiziellen Verbrauch von 5,3 Litern auf 100 Kilometer mit 5,9 Litern nur ganz knapp verfehlt haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2017, 17:51 Uhr

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