Japanische Leidenschaft

Mit dem LC will Lexus die Sportwagenwelt aufmischen. Dazu gibts den aggressiv designten Schönling mit V8 oder als Hybrid.

Auch im 2017 in Europa: Der Lexus LC mit 477 PS eines V8-Motors oder mit 359 PS eines Hybridantriebs. Foto: Lexus

Auch im 2017 in Europa: Der Lexus LC mit 477 PS eines V8-Motors oder mit 359 PS eines Hybridantriebs. Foto: Lexus

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Koji Sato ist ein höflicher Mann und lässt auf seine Vorbilder nichts kommen – schon gar nicht, wenn sie von der Konkurrenz stammen. Zwar schwärmt der Japaner vom 6er-BMW, doch eigentlich will der Chief Ingenieur des neuen Lexus LC nichts weniger, als die Ikone der Fahrfreude von ihrem Thron stürzen. Fünf Jahre nach der überraschend wenig veränderten Studie aus Detroit kommt der Flachmann aus Fernost im Sommer zu Preisen knapp unter 100 000 Euro nach Europa.

Für das Ringen um Anerkennung und Aufmerksamkeit hat Sato ein 4,77 Meter langes Coupé auf die Räder gestellt, das einerseits ein Gran Turismo sein will, andererseits aber aussieht wie ein Supersportwagen. Nachdem schon Moder RX und der NX die Züge von Manga-Helden angenommen haben, wird der LC zum Aggressor im Massanzug: Kein Auto in dieser Klasse sieht so frech und fordernd aus, und keines lässt so unverhohlen die Muskeln spielen wie der scharf geschnittene LC.

Aussen hart, innen weich

Während der Lexus aussen Angst und Schrecken verbreiten will, bereitet er seinen Insassen einen warmen und wohligen Empfang. Die Lederschalen in der zweiten Reihe taugen zwar nicht einmal als Alibi für den Selbstbetrug vermeintlich fürsorglicher Familienväter. Denn noch vor der Einschulung ist hinten Schluss mit lustig. Doch vorn schwebt man trotz des niedrigen Schwerpunkts förmlich über den weichen Polstern, lässt die Finger über handvernähtes Leder streifen und die Augen über eine Cockpitlandschaft wandern, die vor allem von den digitalen Instrumenten und dem grossen Bildschirm daneben dominiert wird. Der Sozius schwelgt dabei im lichten Raum, während der Fahrer zwischen Lenkrad und Mitteltunnel schon optisch in die Pflicht genommen wird.

Dabei muss er sich kaum bewegen, denn alle Bedienelemente sind so angeordnet, dass man sie vom Lenkrad aus erreichen kann. Treibende Kraft ist dabei wahlweise ein V8-Benziner, der seine imposanten 477 PS und 540 Nm nach alter Väter Sitte aus der seligmachenden Kombination von grossem Hubraum (5,0 Liter) und hohen Drehzahlen (mehr als 6500 Touren) schöpft, oder – so viel Vernunft und Verantwortung ist sich Lexus dann doch schuldig – ein Hybrid-Strang mit einem 3,5 Liter grossen V6-Benziner mit 299 PS und einer E-Maschine von 179 PS, die im Team auf 359 PS kommen. Beide Motoren kennt man im Grunde aus anderen Modellen. Doch für den Einsatz auf der nagelneuen Luxusplattform des Toyota- Konzerns hat Lexus noch einmal kräftig Hand angelegt: Den Benziner koppeln die Japaner nun mit der weltweit ersten Zehngang-Automatik, die mit ihren sehr harmonischen Übersetzungen wunderbar rhythmische Gangwechsel ermöglicht. Und beim Hybrid puffern sie den Strom endlich in einem Lithium-Ionen- Akku und zerschneiden das Gummiband der CVT-Automatik mit einem nachgeschalteten Vierstufen-Getriebe.

In 4,4 Sekunden auf Tempo 100

Schon der Hybrid beschleunigt in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und schafft mühelos 250 Sachen. Und für den V8 meldet Projektleiter Kojo 4,4 Sekunden für den Sprint und 270 km/h bei Vollgas. So nah sich die beiden Motorvarianten auf dem Datenblatt auch sein mögen, so gross sind die Unterschiede auf der Strasse: hier der gelassene Gleiter mit der Grandezza eines Gran Turismo, der leise über die linke Spur fliegt, da der Kurvenkünstler mit dem Heisshunger eines Supersportwagens, der mit Allradlenkung jede Serpentine schneidet und brüllt und bollert. Kein Wunder, dass Sato von einer Symphonie für acht Zylinder schwärmt und länger über die Soundpipes aus dem Motor- in den Innenraum spricht als über das High-End- Audio-System. Solange die beiden Autos gattungsgerecht genutzt werden, passen die unterschiedlichen Motoren gut ins Konzept.

Doch wenn man das Genre wechselt, wird es für den Hybrid schwierig. Denn während der V8 im Komfortmodus überraschend lässig dahinrollt und den Sound zur Not ja mit der Mark-Levinson- Anlage überdecken kann, tut sich der Teilzeitstromer mit dem Spurwechsel schwer. Zwar kappt das zusätzliche vierstufige Überlagerungsgetriebe tatsächlich das nervige «Gummiband» der CVT-Automatik. Doch so richtig passen die Gangwechsel beim sportlichen Fahren trotzdem nicht. Und wo der Benziner klingt wie ein fernes Gewitter, das mit jedem Kickdown näher kommt, erinnert der Hybrid an einen Staubsauger, dem jemand einen Turbo angeflanscht hat, und produziert mehr Krawall als Kraft. Schön klingt anders. Umso schöner, dass es zwei Varianten gibt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.12.2016, 14:30 Uhr

Gibt keine Rätsel auf: Das fahrerorientierte, moderne Cockpit des LC. Bild: Lexus

Die V8-Version des LC: Vor allem sie macht auf kurvigen Strassen enorm viel Spass. Bild: Lexus

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