Lithium für Batterien wird zum Spekulationsobjekt

Alle grossen Autohersteller wollen Elektroautos bauen. Das heizt die Nachfrage nach Batterien an – und damit die Preise der Rohstoffe für die Batterien.

Die Gigafactory von Tesla in der Wüste Nevadas wird die weltweite Produktion von Lithium-Ionen-Batterien fast verdoppeln. Foto: Troy Harvey (Bloomberg)

Die Gigafactory von Tesla in der Wüste Nevadas wird die weltweite Produktion von Lithium-Ionen-Batterien fast verdoppeln. Foto: Troy Harvey (Bloomberg)

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Gigantischer als die Gigafactory von Tesla geht es nicht. Auf dem 45 Hektaren grossen Fabrikgelände in der Wüste von Nevada wird derzeit die Produktion von Lithiumbatterien hochgefahren. Schon nächstes Jahr will Tesla dort, gemeinsam mit dem japanischen Partner Panasonic, jährlich 35 Gigawattstunden Batteriezellen für Elektroautobatterien und Speichermodule von Häusern produzieren. Konkret bedeutet das, dass die Gigafabrik, die erst zu einem Drittel fertig gebaut ist, bis 2018 die weltweite Produktionskapazität für Lithium-Ionen-Batterien laut Tesla fast verdoppeln und 6500 Mitarbeitende beschäftigen soll.

Tesla-Chef Elon Musk braucht bald Unmengen der in Nevada produzierten Batteriepacks, wenn er etwa vom neuen Model 3 tatsächlich die versprochenen 500'000 Stück im Jahr absetzen will. Das Fahrzeug soll 35'000 Dollar kosten und wird damit auch für die Mittelklasse halbwegs erschwinglich.Tesla erhält demnächst grosse Konkurrenz. Von Audi über BMW, Chevy, Ford und Mercedes bis zu VW und Toyota wollen alle grossen Hersteller spätestens 2020 im grossen Stil Elektroautos verkaufen.

Die Batterie eines Elektroautos braucht etwa 4800-mal so viel Lithium wie ein Smartphone. Entsprechend gross ist der Hunger der Autoindustrie nach dem Element, einem Schlüsselbestandteil moderner Elektroautobatterien. Wie überhitzt der Markt für den begehrten Rohstoff ist, zeigt ein Beispiel aus Afrika. In Mali verkaufte jüngst eine Minenfirma laut der «Financial Times» eine Abbaustätte für Lithium, die sie letztes Jahr für 40 000 Dollar erworben hatte, für 78 Millionen Dollar nach China – löste also fast das 2000-Fache.

Preise schiessen in die Höhe

Der Bedarf an Lithium nehme pro Jahr um 16 Prozent zu, von 175'000 Tonnen im Jahr 2015 auf 775'000 im Jahr 2025, rechnen Marktanalysten des US-Unternehmens Morningstar vor. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, würde sich die Nachfrage nach Lithium in einem Jahrzehnt mehr als vervierfachen. Morningstar geht davon aus, dass die Nachfrage nach Lithium im Jahr 2025 das Angebot um rund 100'000 Tonnen übertrifft. Entsprechend stark haben die Preise angezogen, Lithium kostet heute etwa dreimal so viel wie 2014. Allein letztes Jahr zogen die Notierungen 60 Prozent an.

Der Batterieboom beflügelt die Bewertungen von Lithium-Abbaufirmen wie Albemarle, FMC, Galaxy Resources, SQM sowie Tianqi aus China. Die grössten Reserven an Lithium sind in Chile und China zu finden, gefolgt von Argentinien und Australien. Lithium ist ein Leichtmetall, das in Südamerika vorab aus Salzseen gewonnen und anschliessend in einem mehrstufigen Verfahren aufbereitet wird. In Australien gewinnen chinesische Firmen Lithium aus Gestein, das Anteile des Leichtmetalls enthält, was teurer und energieintensiver ist.

Neben Lithium wird auch Graphit, ein Mineral aus reinem Kohlenstoff, für die Produktion von Elektroautobatterien in grossen Mengen benötigt. Tesla brauche allein für die Batterien jener 325'000 Stück des Model 3, die letztes Jahr nach dessen Präsentation innert Tagen vorbestellt wurden, neben 15'600 Tonnen Lithiumhydroxid auch 23'400 Tonnen batteriefähigen sphärischen Graphit, rechnet die Londoner Firma Benchmark Mineral Intelligence.

Der limitierende Faktor bei Elektroautos sind die Batterien. Soll der von der Autoindustrie nach Jahren des Zögerns angepeilte Boom bei den Elektromobilen Realität werden, braucht es mehr Batteriehersteller. Traditionell dominiert Asien das Geschäft. 2015 wurden fast 90 Prozent der Lithiumbatterien in China, Japan und Südkorea hergestellt. Die erwartete Steigerung der Nachfrage hat nun dazu geführt, dass eine Batteriefabrik um die andere hochgezogen wird. Zurzeit sind laut Mineral Intelligence weltweit 14 Megafabriken im Bau, 9 davon in China.

Kampf unter Batteriefabriken

Die Asiaten werden sich also bald mit der Gigafactory von Tesla einen Wettstreit um die günstigsten Batterien liefern. Kommt hinzu, dass China jetzt schon Hunderttausende Elektroautos pro Jahr baut – und demnächst den Weltmarkt mit günstigen Elektroautos überschwemmen will. Sollte der von der Autoindustrie ersehnte Elektroboom erneut ausbleiben, könnte das mörderische Preiskämpfe auslösen – sowohl bei den Batterien wie auch bei den Elektrofahrzeugen.

Speziell für den Tesla-Konzern, der von den Autos bis zu den Batterien fast alles selbst herstellt und so riesige Kostenblöcke aufgebaut hat, kann es dann finanziell sehr rasch eng werden. Allein die erste Etappe der Gigafactory in der Wüste von Nevada hat bereits rund 5 Milliarden Dollar gekostet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2017, 21:05 Uhr

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