Über 100 Personen in Gewahrsam – Polizei mit Zwischenfazit

Die Zürcher SVP zelebrierte ihr 100-Jähriges. Draussen demonstrierten Aktivisten, drinnen herrschte Ländlerstimmung.

Eingekesselt: Die Polizei verweigert den Demonstrierenden Platz. (Video: Tamedia)

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SVP-Politiker wollen feiern, Linksradikale ihnen das Fest vermiesen. Bereits vor einigen Wochen hat unter anderem der Revolutionäre Aufbau Zürich zum Widerstand gegen das Fest zum 100-Jahr-Jubiläum der kantonalen Zürcher SVP aufgerufen. Auf einem Plakat hiess es: «Linke Fäuste gegen rechte Hetze».

Die Demo hat kurz vor 14 Uhr begonnen, wurde aber durch ein enormes Polizeiaufgebot im Keim erstickt. Rund um den Bürkliplatz wurden Personen von der Polizei angehalten und kontrolliert. Die Anti-SVP-Parolen skandierenden Demonstranten wurden von der Polizei eingekesselt. Zwei Wasserwerfer standen bereit, zu Gewalt kam es bislang nicht. Ein Reporter von baz.ch/Newsnet beschreibt die Stimmung als sehr ruhig.

Später hat sich die Polizei in Richtung Enge-Quartier verschoben und sucht dort offenbar nach Splittergruppen. Es ist zu Verhaftungen gek0mmen. Die Polizei kontrolliert selbst Personen, die nur auf Bänken vor dem Bahnhof Enge sitzen.

Mittlerweile hat die Polizei den Kessel aufgelöst. Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei, zieht eine positive Bilanz des Einsatzes. Alles sei ruhig geblieben, Sachbeschädigungen und Störaktionen konnten verhindert werden. Die Polizei hat die Demonstranten aus dem Kessel gelassen, wo diese ihre Habe abgeben mussten, mit Kabelbinder gefesselt und auf den Polizeiposten gebracht wurden. «Wir haben über 100 Personen für weitere Abklärungen in Gewahrsam genommen und rund 100 weitere kontrolliert und weggewiesen», sagt Cortesi.

Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich im Interview.

«Wir konnten Störaktionen verhindern», sagt Marco Cortesi. Video: Patrice Siegrist

Festliche Stimmung im Kongresshaus

Eine erste Attacke gab es allerdings bereits gestern Samstag. Das Kongresshaus musste am frühen Samstagabend evakuiert werden, weil eine penetrant stinkende Substanz beim Gebäude deponiert wurde. Verletzt wurde gemäss einer Mitteilung der Stadtpolizei niemand. Spezialisten des Forensischen Instituts und Chemiefachberater versuchten herauszufinden, um welche Substanz es sich handelte. Bisher hat die Polizei aber noch keine neuen Erkentisse kommuniziert.

Noch am Samstag wurde auf dem Linksaussen-Portal «Indymedia» ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Demnach soll Buttersäure im Kongresshaus verschüttet worden sein, um der SVP ihren Festanlass etwas zu «versauen».

Dieses Ziel ist den Demonstranten nur bedingt gelungen. Zwar musste die SVP wegen des Gestanks auf einen anderen Saal im Kongresshaus ausweichen, dennoch herrscht dort festliche Stimmung, sagt ein Reporter von baz.ch/Newsnet vor Ort. Schweizerfahnen, sämtliche Kantonswappen und Edelweiss-Symbole schmücken den Raum. Carlo Brunner sorgt für die nötige musikalische Untermalung.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm: Schon über eine Stunde vor Feierbeginn bildeten sich vor dem Kongresshaus lange Schlangen. Die Kontrollen sind intensiv – Sicherheitsleute durchsuchen sogar Taschen. Dabei gehen sie akribisch vor. Sogar Zürcher-SVP-Fraktionspräsident Jürg Trachsel musste sein Schweizer Sackmesser abgeben.

Immer wieder Störaktionen

In der Vergangenheit hat es immer wieder Störaktionen und Angriffe auf Anlässe der SVP gegeben. Beispielsweise wurde 2015 die Wahlkampfveranstaltung der SVP im Zürcher HB mit Lärm und Nebelpetarden gestört. 2011 musste Hans Fehr ins Spital, weil ihn Vermummte im Vorfeld der jährlichen Albisgüetli-Tagung zu Boden geworfen und mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert haben. Oder im September 1995: Am Rande einer von Christoph Blocher angeführten Anti-EU-Demo am Limmatquai lieferten sich 300 bis 400 teils vermummte Jugendliche Strassenschlachten mit der Polizei. 17 Personen wurden festgenommen. Auch das gehört zur 100-jährigen Geschichte der SVP. (sip, rsz, rba)

Erstellt: 19.03.2017, 13:23 Uhr

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