Wirtschaft

Credit Suisse zieht Grossinvestoren an

Aktualisiert am 14.10.2008

Nach der US-Investmentbank Morgan Stanley steigt auch eine israelische Beteiligungsgesellschaft gross bei der Schweizer Grossbank ein.

Koor Industries kauft für 1,2 Milliarden Franken ein dreiprozentiges Aktienpaket der Credit Suisse. Die israelische Beteiligungsgesellschaft kauft gemäss Angaben der Nachrichtenagentur Reuters 34 Millionen Aktien der Credit Suisse zum Preis von je 35 Franken, dem Schlusskurs in New York vom vergangenen Freitag, als die Aktienkurse nach der schlimmsten Börsenpanik seit Jahrzehnten auf breiter Front wie Steine abgesackt waren.

Der CS-Titel verlor am Freitag an der Schweizer Börse 16,2 Prozent gegenüber dem Vortag und ging bei 34,26 Fr. aus dem Handel. Insgesamt büsste die Aktie in der letzten Woche 40,3 Prozent ein. Letztmals so günstig war die CS-Aktie im Jahre 2003 gewesen.

Günstiger Zeitpunkt

Damit haben die Israelis einen günstigen Zeitpunkt für den Kauf erwischt. Beflügelt von den milliardenschweren Rettungspaketen der USA und EU-Staaten zur Stützung der Finanzmärkte hat sich der CS- Kurs seither wieder auf fast 50 Fr. erholt.

Koor werde das Geld am 21. Oktober überwiesen, hiess es weiter. Es stamme vor allem aus den eigenen Mitteln der israelischen Beteiligungsgesellschaft.

Die Investorin ist keine Unbekannte im Credit Suisse-Aktionariat. Koor hatte bereits Ende September ein CS-Paket von 1,21 Prozent verkauft und dadurch einen Kapitalgewinn von 533 Mio. Schekel (167 Mio. Fr.) erzielt.

Einstieg von Morgan Stanley

Am Montagabend wurde überraschend bekannt, dass auch die angeschlagene US-Investmentbank Morgan Stanley Grossaktionärin bei der CS geworden ist. Morgan Stanley habe am 1. Oktober über Aktien und Derivate 6,87 Prozent der Stimmrechte an der Schweizer Grossbank erworben, teilte die Credit Suisse mit. Gehalten würden die Anteile von verschiedenen Tochtergesellschaften der US-Bank.

Damit wird Morgan Stanley, die am Montag noch eine lebenswichtige Kapitalspritze von 9 Mrd. Dollar von der japanischen japanische Grossbank Mitsubishi UFJ bekam, auf einen Schlag zur viertgrössten Credit Suisse-Aktionärin. Dass Morgan Stanley mit den Milliarden aus Japan im Rücken eine Übernahme der CS anstrebe, halten Finanzkreise für unwahrscheinlich.

Das sei kein strategischer Einstieg von Morgan Stanley bei der Credit Suisse, sagte Analyst Stefan Stalmann von der deutschen Dresdner Kleinwort gegenüber der SDA. Die Anteile von 6,87 Prozent würden entweder für Kunden von Morgan Stanley gehalten werden oder für Finanzprodukte.

Ins selbe Horn stiess auch Georg Kanders von der WestLB: Vielleicht habe die US-Bank ein Paket von Kunden, etwa von Hedge Fonds übernommen, die hätten aussteigen müssen. Er glaube nicht, dass Morgan Stanley so stark sei, die Credit Suisse zu übernehmen.

Teure Rettungsringe

«Morgan Stanley ist im Moment froh, wenn die den nächsten Tag noch erleben. Die fangen jetzt sicher keine Grossübernahme an», sagte Kepler-Analyst Dirk Becker.

Einen Aufkauf von Schweizer Grossbanken durch ausländische Konkurrenten mit Hilfe der staatlichen Rettungsmilliarden würde er kategorisch ausschliessen, sagte Stalmann. Die Rettungspakete der Regierungen seien nicht einfach ein Geschenk, sondern eine sehr teure Angelegenheit für die Banken, die sie in Anspruch nähmen, sagte ZKB-Analyst Andreas Venditti.

Deshalb werden nur die Banken von den Paketen Gebrauch machen, die unbedingt müssten. Und dann gingen sie damit nicht auf Einkaufstour, sondern würden das Geld zum Stopfen ihrer Löcher verwenden, sagte Venditti.

Vielmehr müssten die Banken, die Regierungshilfe erhielten, Einschränkungen in ihrem Geschäftsmodell hinnehmen. Diese Institute dürften für einige Zeit nicht mehr am Markt für Fusionen und Akquisitionen teilnehmen, sagte Stalmann. (vin/sda)

Erstellt: 14.10.2008, 20:01 Uhr

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