«Die Zeit der Testosteron-Autos ist vorbei»

Mit Mary Barra bei GM steht erstmals eine Frau an der Spitze eines Autokonzerns. Werden Autos nun weiblicher? Fragen an Branchen-Papst Ferdinand Dudenhöffer.

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Mit Mary Barra ist erstmals eine Frau an der Spitze eines Automobilkonzerns. Sie steht für ein völlig neues Image des weltgrössten Autobauers General Motors. Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, erklärt im Interview, warum dies einer Revolution in der männerdominierten Welt der Autobauer gleichkommt und wohin sich die Autos der Zukunft entwickeln werden.

Herr Dudenhöffer, Sie klingen vergnügt. Freuen Sie sich über die Ernennung von Mary Barra als neuer CEO von General Motors?
Ich finde das sensationell. Endlich verändert sich General Motors. Die Firma war viel zu sehr vom Controlling gesteuert. Man gab sich entscheidungsscheu.

Was wird jetzt anders?
Man wird den Anschluss an Europa suchen. Die Abläufe restrukturieren. Es braucht ein neues Denken, eine neue Ausrichtung – und neue Märkte.

Warum ist Barra die richtige Person dafür?
Sie kennt das Produkt und stellt es in den Mittelpunkt. Zudem hat sie gute Verbindungen nach Europa, das ist wichtig, weil die Technologie in Deutschland fortgeschrittener ist. Es wird ein Aufbruch. General Motors wird neu geboren. Wenn man das mit Volkswagen oder anderen Autokonzernen vergleicht, wo nur alte Herren sitzen, die an ihren Sesseln kleben.

Wird Barra das Auto neu erfinden?
Die Wagen werden mit ihr sicher kundenorientierter. Der Trend geht in Richtung anfassbare Technik und smarte Verkehrsmittel. Das wird ihre Handschrift werden. Die Zeit der Testosteron-Autos ist vorbei. Die Welt der alten Autobauer war getrieben von fetten Motoren, von Männerträumen. Von null auf hundert, so schnell wie möglich.

Sind die Frauen als Kundengruppe vernachlässigt worden?
Aber ja. Gehen sie mal an eine Automesse. Die einzigen Frauen da sind die mit den hohen Absätzen und den kurzen Röcken, die mit den Wagen posieren. Das ist das Bild der alten Autohersteller von Frauen.

Warum?
Über zwei Drittel der Autokäufer sind Männer. Deswegen spiegelte das Produkt auch die Werte einer männerdominierten Gesellschaft wieder. In den letzten Jahren hat sich vieles geändert. Die Menschen sind kritischer geworden gegenüber dem Verkehr und der Umweltschutz hat an Stellenwert gewonnen.

Wie wirkt sich das auf die Autos aus?
Qualität und Sicherheit stehen im Mittelpunkt. Bald wird es selbstfahrende Wagen geben. Mit diesen ist es praktisch nicht mehr möglich, einen Unfall zu machen. Das Auto wird dann sicherer als die Bahn und das Flugzeug sein. Zudem kann es sich die Branche nicht mehr leisten, auf die Frauen zu verzichten.

Wie sieht ein Auto aus, das für Frauen attraktiv ist?
Frauen geht es um Mobilität. Hier sind sicher Carsharing-Modelle wie etwa Car2go von Daimler interessant. Das Auto muss in einer Frau Begehrlichkeiten wecken. Da muss man Wege finden, so zu bauen, dass es sie anspricht. Der Mini etwa ist sehr beliebt. Ausserdem ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Auch hier eignet sich die zweifache Mutter Barra hervorragend als Botschafterin für ein neues Zeitalter des Autobauens. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.12.2013, 12:45 Uhr

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Das sagte Mary Barra im März zur Autoindustrie.

Friedrich Dudenhöffer studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Im Jahr 1983 promovierte er dort. Später arbeitete er bei der Adam Opel AG und leitete die Abteilung Marktforschung und Marketingstrategie bei Porsche. Seit 2008 ist er Professor an der Universität Duisburg-Essen in Duisburg und leitet dort das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft. (Bild: zvg)

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