Wirtschaft

Offshore-Leaks: Wer instrumentalisiert die Medien?

Ein Kommentar von René Zeyer. Aktualisiert am 05.04.2013 22 Kommentare

Medien aus 46 Ländern haben gemeinsam die geheimen Geschäfte von Offshore-Gesellschaften veröffentlicht. Wer ist die anonyme Quelle? Wer profitiert von den Enthüllungen? Ein Kommentar.

Prominenter Ausgespähter: Der 2011 verstorbene Gunter Sachs. Wer hat Interesse daran, dass solche Daten den Weg in die Öffentlichkeit finden?

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Bild: Keystone

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260 Gigabyte Daten, 2,5 Millionen Dokumente, Informationen über 120 000 Briefkastenfirmen und 130 000 Personen. Ein GAU für Off­shore-Konstrukte, ihre Hersteller und Benutzer. Mitleid ist keines zu erwarten. Applaus und Frohlocken allerorten, das haben die Super­reichen redlich verdient.

Im allgemeinen Jubel gehen ein paar entscheidende Fragen unter. Erstens: Wie steht es mit dem Recherche­prinzip, dass man vor allem anonym zugespielte Informationen mit einer zweiten Quelle verifizieren muss?

Keine Daten aus den USA

Zweitens: Cui bono, wem nutzt es? Allen aufrechten Steuerzahlern auf der Welt, ist die simple Antwort. Die Realität sieht anders aus. Bei aller Ehrfurcht vor Anonymous, Wikileaks und allen Hackern der Welt: Zu einem solchen Diebstahl ist wohl nur eine staatliche Behörde in der Lage. Zu den üblichen Verdächtigen gehören China, Russland – und die USA.

Aus den bisher veröffentlichten Informationen geht hervor, dass so ziemlich alle Offshore-Paradiese vorkommen, bis auf Delaware, Florida und ein paar weitere US-Bundesstaaten. Ein merkwürdiger Zufall.

Ein weiterer wichtiger Punkt geht im allgemeinen Frohlocken unter. Kann man wirklich davon ausgehen, dass der Datendieb seine gesamte Beute den Medien zugespielt hat? Wer auch immer es war, er wäre doch blöd, wenn er sich nicht so zwei, drei Dutzend besonders lohnende Exemplare ausgesondert hätte. Wir sprechen immerhin von einem Erpressungspotenzial in Multimillionenhöhe.

Genau darin liegt das Problem, einer anonymen und nicht unabhängig ­verifizierten Quelle zu vertrauen. Die Überbringer der Botschaft, also die Medien, haben keine Ahnung, von wem sie zu welchem Zweck instrumentalisiert werden.

Recht auf Privatsphäre und Datenschutz

Bei aller berechtigten Kritik an Geldhäusern, bei aller Abneigung gegen Superreiche, die sich gesellschaftlichen Verpflichtungen entziehen wollen: Es bleibt ein schaler Geschmack. Vor allem, wenn man sich klarmacht: Keine Daten von niemandem sind mehr sicher. Wenns den Verbrecher trifft, finden wir das alle toll. Wenns uns selbst trifft, doch wohl eher nicht. «Ich habe nichts zu verbergen» darf nicht zur Erlaubnis führen, meine ­Privatsphäre öffentlich zu machen, vor allem nicht durch Diebstahl. Das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz kann missbraucht werden, wie das Bankgeheimnis. Der völligen Abschaffung dieser Schutzrechte zuzujubeln, einem Datenklau, weils die Richtigen trifft, ist dumm.

Erstellt: 05.04.2013, 11:08 Uhr

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22 Kommentare

Erwin Zimmermann

05.04.2013, 11:44 Uhr
Melden 58 Empfehlung 17

Quellen-Kritik ist in der Tat ein essentieller Bestandteil sowohl bei der Informations-Vermittlung als auch bei der Informations-Aneignung.
Daher verwundert es, dass der Artikel keinerlei Angaben zum persönlichen Background von Herrn René Zeyer liefert.
Herr René Zeyer ist gem. WIKI: "Senior Consultant und Vize-CEO bei einer Kommunikations-agentur, als Berater für Banken und Finanzdienstleister"
Antworten


Markus Baumann

05.04.2013, 12:24 Uhr
Melden 32 Empfehlung 4

Sagen wir es mal so: Der Kampf gegen die reichen Steuervermeider ist zu begrüssen. Nur stellen sich tatsächlich Fragen: Wer konnte so umfassende Infos zu diesem Thema zusammenstellen? Wer war Auftraggeber? ? Warum ist nichts zu US-Offshore-Produkten/Orten vorhanden? Fallen gerade alle Grenzen für diese Art Info-Beschaffung? Wird so die totale Manipulation möglich? Horrorvorstellung! Antworten



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