USA produzieren weltweit am meisten Öl

Nicht mehr Saudis und Russen, sondern die Amerikaner werden in diesem Jahr grösster Ölproduzent sein. Dafür sorgen hohe Zuwächse beim Abbau von Schiefergasvorkommen.

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In der Rangordnung der grössten Öl produzierenden Staaten hat eine einschneidende Verschiebung stattgefunden: Mit einer Tagesproduktion von durchschnittlich über 11 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) im ersten Quartal 2014 sind die USA an den beiden bisherigen Spitzenreitern Saudiarabien und Russland vorbeigezogen. Auch im weiteren Jahresverlauf dürfte die weltgrösste Volkswirtschaft am meisten Öl erzeugen, wie die Bank of America (BOA) in einem kürzlich publizierten Report unter dem Titel «The United Petrostates of America» schreibt. Bereits im Juni war die in Paris ansässige Internationale Energie-Agentur (IEA) zur gleichen Einschätzung gelangt. Verglichen mit dem Krisenjahr 2008, haben die Amerikaner laut dem BOA-Papier ihre Ölproduktion um 70 Prozent gesteigert.

In die Statistiken fliessen neben der herkömmlichen Rohölproduktion auch die aus Schiefergesteinsschichten mittels der sogenannten Fracking-Methode geförderten Öl- und Gasvorkommen mit ein. Letzteres hat entscheidend dazu beigetragen, dass die USA bereits 2010 zum grössten Erdgasproduzenten avancierten. Nach Schätzungen der IEA werden die USA ihren Ölausstoss bis 2019 auf eine mittlere Tagesproduktion von 13,1 Millionen Barrel pro Tag ausweiten und dann in etwa auf diesem Niveau verbleiben.

Deutlicher Preisvorteil der USA

Der Schiefergas-Boom spielt eine entscheidende Rolle beim derzeitigen Aufschwung der US-Wirtschaft, sind die BOA-Experten überzeugt. Denn würden die USA nicht über dieses zusätzliche Öl- und Gasangebot verfügen, wären ihre Energiepreise längst auf ein deutlich höheres Niveau geklettert – und hätten damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage gedämpft. Derzeit kommen die Amerikaner dank der reichlichen Ölproduktion in den Genuss eines Preisvorteils von rund 7 Dollar je Barrel, gemessen an den einschlägigen Terminkontrakten der Börsen in New York einerseits und London andererseits.

Nach Ansicht der Bank of America wird die rasante Produktionssteigerung in den USA auch durch eine hohe Investitionstätigkeit in die Öl- und Gasindustrie gestützt. Die hierfür vorgesehenen jährlichen Investitionen hätten einen Rekordstand von nahezu 200 Milliarden Dollar erreicht, schreibt die Bank. Sie sind damit annähernd so hoch wie die (zuletzt rückläufigen) US-Wohnungsbauinvestitionen – und dürften in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen.

Beunruhigung wegen Irak

Die BOA-Experten zeigen sich erstaunt darüber, dass die deutliche Angebotserhöhung in den USA bislang keinen stärkeren Niederschlag in den internationalen Ölpreisnotierungen gefunden hat. Dass die Preise bislang nicht gesunken sind, ist laut dem Report primär auf die kritische geopolitische Lage an verschiedenen Brennpunkten zurückzuführen. Im Fokus steht dabei der Irak, der zweitgrösste Ölförderer innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec), dessen staatliche Einheit zusammenzubrechen droht. Unter Experten gilt als grösstes Schreckensszenario, dass die im Süden der Landes liegenden Erdölvorkommen, die von der Regierung in Bagdad kontrolliert werden, in regierungsfeindliche respektive terroristische Hände geraten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.07.2014, 17:29 Uhr

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