Wirtschaft

Britische Bankenreform lässt Moody's aufhorchen

Aktualisiert am 16.06.2011

London Für die britischen Banken droht die geplante Reform der Finanzbranche teuer zu werden.

Die Ratingagentur Moody's signalisierte am Donnerstag, dass die Vorschriften eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Institute nach sich ziehen könnten.

Vor allem die geforderte strikte Trennung zwischen Privatkundengeschäft und Investmentbanking lasse aufhorchen, teilte Moody's mit. Damit werde das solide Tagesgeschäft vom riskanteren Investmentbanking abgeschirmt und in der Folge könnten die Banken bei Finanzkrisen wohl kaum mehr mit staatlicher Hilfe in grossem Stil rechnen, urteilten die Experten.

Schon Ende Mai hatte Moody's angekündigt, die Bonitätsnoten von 14 britischen Banken zu überprüfen. Auch damals hiess es zur Begründung, die Wahrscheinlichkeit von Staatshilfen nehme ab.

Details noch offen

Finanzminister George Osborne unterstützte am Mittwoch grundsätzlich die von einer unabhängigen Expertenkommission entwickelten Vorschläge, auch wenn noch nicht alle Details klar sind.

Wenn Privatkundengeschäft und Investmentbanking künftig unter dem Dach einer Holdinggesellschaft nebeneinander stehen, könnte letzteres im Krisenfall auch leichter abgewickelt werden.

Der Steuerzahler wäre entlastet, während Grossbanken wie Royal Bank of Scotland (RBS), Lloyds und HSBC viel Geld in den Umbau ihrer Konzerne stecken müssten.

Höhere Kapitalpuffer

Die Reformvorschläge sind die radikalsten, die der britische Finanzsektor seit Jahren gesehen hat. Einige Geldhäuser haben deshalb bereits angedroht, ihren Hauptsitz aus Grossbritannien abzuziehen und in weniger regulierte Länder zu wandern.

Osborne stellte sich mit seinen Äusserungen demonstrativ hinter die Expertenkommission ICB, die ihre Vorschläge im April vorgelegt hat. Sie will ihre endgültigen Empfehlungen voraussichtlich am 12. September veröffentlichen.

Vorgesehen ist auch eine Verschärfung der Eigenkapitalregeln. So sollen die britischen Grossbanken künftig auf eine harte Kernkapitalquote von zehn Prozent kommen - die neuen internationalen Kapitalregeln sehen eigentlich nur sieben Prozent vor.

Erstellt: 16.06.2011, 16:08 Uhr

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