Wirtschaft

Lufthansa setzt Pläne für Billigfluglinie in die Tat um Von Christian Ebner, DPA

Aktualisiert am 19.09.2012

Frankfurt am Main Die Lufthansa zieht ihre umstrittenen Pläne für eine konzerninterne Billigfluglinie durch.

Zum Jahreswechsel werden die Lufthansa-Direktverkehre mit der Tochter Germanwings kommerziell und organisatorisch zusammengeführt, beschloss am Mittwoch der Aufsichtsrat der grössten Fluggesellschaft Europas in Frankfurt.

Dafür wird keine neue Gesellschaft gegründet, sondern die bereits bestehende Germanwings GmbH als Basis genutzt. Der Sitz des Unternehmens bleibt Köln. Unter anderem waren auch Berlin und Düsseldorf im Gespräch.

Auch Flugzeuge der Lufthansa-Tochter Eurowings sollen im Auftrag der neuen Gesellschaft fliegen, die dann über 90 Jets der kleineren Airbus-Reihen verfügt. Sie wird für alle Flüge ausserhalb der Drehkreuze München und Frankfurt zuständig sein. Im ersten Jahr sollen rund 18 Millionen Passagiere befördert werden.

Noch kein Name gefunden

Ein Markenname für die neue Gesellschaft steht noch nicht fest und soll erst in den kommenden Monaten gefunden werden.

Die Gesellschaft werde als Teil des Lufthansa-Airline-Verbundes mit entsprechendem Qualitätsanspruch unterwegs sein, kündigte Lufthansa-Chef Christoph Franz an. Die Bündelung der Direktverkehre berge erhebliche Effizienzpotenziale. Ziel sei es, diese unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu machen.

Bislang fliegt Lufthansa in diesem von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet angegriffenen Bereich hohe Verluste ein.

Gewerkschaften wehren sich

Die Gewerkschaften wehren sich gegen ein deutlich niedrigeres Tarifniveau im Vergleich zur Lufthansa-Passage. Die Entgelte für die rund 2000 Flugbegleiter sind nach den Streiks auch inoffizielles Thema der Schlichtungsgespräche mit der Kabinengewerkschaft Ufo.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft liegen die Gehälter der Germanwings-Flugbegleiter rund 40 Prozent unter Lufthansa-Niveau. Rund 2000 der 18'000 Stewards und Stewardessen der Lufthansa müssten demnach in die neue Gesellschaft wechseln. Das Unternehmen hatte aber zugesichert, dass sie Angestellte der Lufthansa bleiben könnten.

Streit mit Pilotengewerkschaft in Aussicht

Vorprogrammiert ist mit der Entscheidung auch Streit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), der Franz in den bereits laufenden Tarifverhandlungen ebenfalls Opfer für die neue Direktfluglinie abverlangen will.

In der «Financial Times Deutschland» hat VC-Präsident Ilja Schulz schon einmal klar gemacht: Einen Einsatz von Piloten in einer Lufthansa-Tochterairline zu anderen Tarifen und Arbeitsbedingungen wolle man nicht.

Um gutes Wetter bemüht sich die Lufthansa unterdessen bei ihren Kunden. Rund 90'000 vom Streik betroffenen Fluggästen habe man jeweils einen Gutschein über 20 Euro übermittelt, berichtete ein Sprecher. Voraussetzungen waren ein ausgefallener oder mindestens um zwei Stunden verspäteter Flug sowie die an Lufthansa übermittelte E- Mail-Adresse.

Die Bonus-Codes seien als Dankeschön für das Verständnis gedacht und können ein ganzes Jahr lang eingelöst werden. Es handele sich um eine reine Geste, verpflichtet sei das Unternehmen dazu nicht.

Erstellt: 19.09.2012, 18:52 Uhr

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