Wirtschaft

Steuern und Bürokratie als Hürden für Schweizer Firmen in Brasilien

Aktualisiert am 17.10.2011

Auf seiner Südamerikareise hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Wochenende mehrere Schweizer Firmen besucht.

Die Unternehmen wollen in den aufstrebenden Märkten Brasilien und Chile ihre Chancen nutzen, beklagen sich aber über Bürokratie und hohe Steuern.

Die hohen Importsteuern und -zölle von derzeit 46 Prozent in Brasilien sind beispielsweise dem Bieler Uhrenkonzern Swatch ein Dorn im Auge. Das Land versuche vor allem, die Produktion vor Ort zu bevorzugen, hielten Swatch-Vertreter anlässlich der Reise von Volkswirtschaftsminister Schneider-Ammann fest.

In einem Memorandum an den brasilianischen Wirtschaftsminister Fernando Pimentel fordert der Verband der Schweizer Uhrenindustrie, dass die Importsteuern gesenkt werden.

Nicht nur über die Steuern, sondern auch über den administrativen Aufwand in Brasilien beklagt sich Swatch: Die Anforderungen alleine machten eine zusätzliche Struktur nötig, sagte Laurent Tavares, Markenchef bei Swatch Group.

Swatch zählt in Brasilien derzeit 42 Läden, die unter Lizenz geführt werden. Der Markt habe ein enormes Potenzial, sei aber schwierig, sagte Carolina Rocha von Swatch.

Lange Verfahrensdauer

Der Basler Pharmakonzern Novartis, der in Brasilien 2,8 Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt, will im südamerikanischen Land ebenfalls expandieren. Der Zugang zu medizinischen Leistungen für alle gehört zu den Prioritäten der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. Davon will auch Novartis profitieren.

Im Nordosten Brasilien will der Konzern bis in fünf Jahren eine Fabrik für 300 Millionen Dollar zur Herstellung von Impfstoffen bauen. Heute betreibt Novartis vier Fabriken in Brasilien und beschäftigt rund 3100 Personen.

Novartis beklagt aber ebenfalls die administrativen Abläufe: Die Verfahren dauerten länger als in Ländern mit ähnlichem Entwicklungsstand, sagte Alexandre Jetzer, Mitglied der Novartis- Geschäftsleitung. Um ein Produkt zu registrieren, müssten drei Jahre eingerechnet werden, bis zur Vergütung dauere es weitere drei Jahre.

Zusammenarbeit mit Unis

Wie in der Schweiz kämpfen die Unternehmen auch in Südamerika mit einem Mangel an Fachkräften. Der Industriekonzern Sulzer, der wie andere Schweizer Firmen seit Jahrzehnten im Land tätig ist, ist deswegen beispielsweise eine Partnerschaft mit einer brasilianischen Universität eingegangen.

Rund 40 Angestellte geben in einem Spezialprogramm freiwillig theoretische und praktische Kurse. Damit trägt das Unternehmen zur Ausbildung von Jugendlichen bei und schafft sich gleichzeitig einen Pool an qualifizierten Arbeitern.

Einen weiteren Halt machte Schneider-Ammann am Sonntag in Maipu in Chile in einer Fabrik des Basler Chemiekonzerns Clariant. Am Montag (Ortszeit) setzt der FDP-Bundesrat seinen Besuch in Chile fort, auf dem Programm stehen Treffen mit Chiles Wirtschaftsminister Pablo Longueira und Aussenminister Alfredo Moreno.

Erstellt: 17.10.2011, 11:44 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.