Klassiker statt Klunker an der Baselworld

Von Isabel Strassheim. Aktualisiert am 19.03.2010

Die Uhrenbranche kehrt zurück zu ihren Wurzeln. Die Krise hat eine Besinnung auf klassische Modelle und Marken gebracht, wie die Baselworld zeigt. Schlichtheit und kleine Uhren sind gefragt.

1/30 Regnerisch: Die Uhrenbranche leidet zwar noch, doch die Wolken verziehen sich bereits wieder.
Bild: Joël Gernet

   

Die meisten Uhren in den Schaufenstern der Messestände ticken nicht, sondern stehen auf zehn nach zehn. Das symbolisiert ein lachendes Gesicht und zum Lachen ist den meisten Ausstellern und Einkäufern in diesem Jahr auch wieder zumute. Anders als vergangenes Jahr: Damals war die Branche, die als Spätzykliker gilt und deshalb einen Konjunktureinbruch erst zeitverzögert vollzieht, nur einige Monate vor dem Start der Baselworld von der Krise gerade kalt erwischt worden.

Inzwischen scheint der Abschwung überstanden. Seit Jahresbeginn geht es mit den Umsätzen von Uhren und Schmuck weltweit wieder bergauf. Dennoch ist die Krise auf der Messe noch immer ein Thema. Übertreibungen der Branche, die zuvor einen jahrelangen Boom erfahren hatte, seien nun korrigiert worden, heisst es.

Rückbesinnung auf Markenbesonderheiten

Was das bedeutet, wird auf der Messe offensichtlich: Es funkelt zwar immer noch an allen Ecken, aber die Uhren- und Schmuckhersteller konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Markenbesonderheiten. Statt ein Modell mit Diamanten aufzuschmücken, um so noch höhere Preise und Gewinnmargen zu erzielen, wie dies vor der Krise von einigen getan wurde, heisst es nun: «zurück zu den Wurzeln».

Der neue Trend für die Schweizer Uhrenfirmen, aber auch für die weltweite Branche insgesamt, sind klassische Designs und kleinere Modelle, bringt es der Präsident der Schweizer Aussteller, François Thiébaud, auf den Punkt. So präsentiert Rado neue Keramikmodelle, mit dem Material, das die zum Swatch-Konzern gehörende Marke 1986 in der Uhrenindustrie eingeführt hatte und für das sie bekannt wurde. Oder die italienische Edelmarke Bulgari zeigt eine neue Kollektion einer ihrer Klassiker, nämlich der Sotirio-Uhr.

Gucci erobert China

Gefragt ist klassischer Luxus, ein bekanntes Label und Design. Davon profitieren die altgedienten Weltmarken der Branche: Der Stand von Dior ist auf der Baselworld überlaufen. Die Marke, die mit ihrer Haute-Couture Geschichte schrieb, ist auch mit Uhren und Schmuck gefragt. Vor allem in Asien, dem Markt der Zukunft. Dort wird der europäische Lifestyle aufgesogen. Davon profitiert vor allem Gucci. «China ist ein ganz grosser Markt für uns. Wir haben dort 36 Boutiquen, darunter in Schanghai unsere weltweit grösste», sagt Michele Sofisti, der Chef der Uhrendivision. Die italienische Edelfirma zählt zu den umsatzstärksten Luxusgütermarken im chinesischen Markt überhaupt.

Die Gucci-Uhren, die in La Chaux-de-Fonds gefertigt werden, sind nicht wegen der hohen Schweizer Handwerkskunst gefragt. Das Uhrwerk kommt von ETA und beliebt ist vor allem die I-Gucci-Kollektion mit ihrer grossen digitalen Anzeige. Die Chinesen sind vielmehr auf das Flair der alten, europäischen Marke aus.

«Poppigere und kleinere Modelle für Asien»

Dennoch ist eine Aufteilung der weltweiten Märkte auszumachen: und zwar in Hinblick auf das Design. Viele Firmen entwerfen Uhrenmodelle extra für Asien sowie andere extra für Europa. Auf dem Casio-Stand sind die Ausstellungsstücke mit Flaggen gekennzeichnet. Vor den Modellen mit den eher gedeckten Farben steckt ein EU-Fähnchen. «Man kann generell sagen, dass für Asien poppigere und kleinere Modelle gefragt sind», sagt Sinan Hayik, Marketing-Manager für Europa.

Uhrenfirmen in Hongkong konzentrieren sich auf China: Sie entwickeln eigens Marken für diesen Markt, wie Lore Buscher vom Hongkong Trade Development Council sagt. So werden zum Beispiel chinesische Comicfiguren ans Handgelenk versetzt. «Wir sind da einfach näher dran als die Europäer», sagt Buscher. Rado, die sehr viele auf die Regionen abgestimmte Modelle hat, ist dagegen darauf aus, wieder mehr weltweit einheitliche Modelle zu entwickeln. Dies hat wohl Kostengründe. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.03.2010, 15:11 Uhr

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