Wirtschaft

Die Citigroup lässt die Steuerzahler zur Ader

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 24.11.2008 4 Kommentare

Im dritten Hilfseinsatz in kurzer Zeit sichert die US-Regierung über 300 Milliarden an faulen Krediten der Citigroup ab. Der Deal kommt einem unfähigen Management entgegen.

Wer meinte, 150 Milliarden Dollar für das marode Unternehmen AIG markierten den Tiefpunkt der Teilverstaatlichung von Verlusten der Finanzindustrie, muss umdenken. Die US-Regierung hilft nun auch der Citigroup mit einem grosszügigen Hilfspaket auf die Beine, das die Steuerzahler mit einem ungedeckten Scheck von über 300 Milliarden Dollar zurücklässt.

Die Teilverstaatlichung «war nicht als Strafe gedacht, sondern als Beitrag zur finanziellen Stabilisierung», umschrieb gestern der Finanzchef der Citigroup, Gary Crittenden, die über das Wochenende beschlossene Aktion. Tatsächlich sind die Bedingungen derart grosszügig, dass weder die Aktionäre, darunter der saudische Prinz Al Waleed, noch die Obligationäre, noch das Management zu stark belastet werden.

Das Topkader unter der Führung von Vikram Pandit darf im Amt bleiben. Im Unterschied zu den noch unfähigeren Managements bei AIG, Fannie Mae und Freddie Mac verzichtet die US-Regierung bei der Citigroup auf eine Wachtablösung. In unverbindlicher Form verlangt sie nur, dass sich die Manager bei der Festlegung der Boni zurückhalten. Ob und um wie viel die Entschädigungen gekürzt werden, wollte Crittenden nicht sagen. Auch kann die Bank weiterhin Dividenden zahlen. Auch wenn diese von 16 auf 1 Cent pro Quartal sinken, so ist anzunehmen, dass sie aus den vom Staat eingeschossenen Mitteln ausbezahlt werden.

Der Noteingriff war nötig geworden, weil die Aktien der Citi in den letzten Wochen unter enormen Druck geraten waren und der Börsenwert auf noch rund 20 Milliarden Dollar sank. Dem standen faule Papiere von weit über 300 Milliarden Dollar gegenüber, die auf gescheitertes Risikomanagement zurückgehen. Der Staat sichert nun 306 Milliarden dieser Kreditpapiere ab, ohne dass klar wäre, ob alle Verlustpositionen abgesichert sind. Gut möglich, dass weitere Löcher im Bereich der Konsumkredite auftauchen und der Staat noch einmal Geld einschiessen muss. Die Bank selber muss nur für die ersten 29 Milliarden an Verlusten geradestehen, 90 Prozent der Abschreiber gehen zulasten der Steuerzahler.

Zusätzlich spritzt die Regierung 20 Milliarden Dollar in die Kapitalbasis der Bank ein, womit sie inzwischen direkt mit 45 Milliarden an der Citi beteiligt ist. Im Gegenzug erhalten die Steuerzahler Vorzugsaktien, die indessen nur mit acht Prozent verzinst werden. Dies sind zwei Prozentpunkte weniger als die finanziell stabilere Goldman Sachs und General Electric für die Finanzspritzen von Warren Buffett zahlen. Die Verwässerung für die Altaktionäre ist verkraftbar; auch die Obligationäre der Citi kommen weitgehend ungeschoren davon.

Ein Totalkollaps der Citigroup wäre vom angeschlagenen Finanzsystem nicht zu verkraften gewesen. Die Bank ist in über 100 Ländern tätig, hat mehr als 200 Millionen Kunden und beschäftigte in den besten Zeiten fast 400'000 Angestellte, wovon sie rund 75' 000 abbauen will. Die Bank hat übers Wochenende erst dringend nötigen Sauerstoff bekommen, auf dem Weg zur Besserung ist sie damit noch nicht. Experten rechnen damit, dass der Konzern neu gebaut und möglicherweise aufgespalten werden muss. Die Citigroup ist das Produkt von 17 Bankenfusionen unter Sandy Weill, der einmal als einer der grössten Banker gefeiert wurde. Seine Vorwärtsstrategie indessen geschah um jeden Preis und verleitete das Management, ähnlich wie bei der UBS, zu Exkursionen in riskante, zu wenig verstandene Geschäftsbereiche.

Gut möglich, dass weitere Löcher bei den Konsumkrediten auftauchen werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.11.2008, 21:26 Uhr

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4 Kommentare

Iwan Reuveni

25.11.2008, 07:31 Uhr
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Der Staat greift mit über 300 Milliarden ein um eine Bank zu stützen.... darauf "erholt" sich der Aktienkurs mit Gewinn bis 60% (gestern).Es wird munter weiter spekuliert, ein paar Schlaumeier werden riesig absahnen und in ein paar Tagen oder Wochen sind wir wieder gleich weit. Ich bin kein HSG Absolvent, aber dass eine solche Lösung nicht funktionert, ist ziemlich offensichtlich. Antworten


Ingeburg Lang

25.11.2008, 08:18 Uhr
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Tja, für die Wirtschaft / Bank ist das Geld da ---- wo bleibt die Umwelt, der Naturschutz, die Kinder, die Schule, die Lehrer .... es ist besorgniserregend und sehr traurig, die "Manager" die den Karren in den Dreck gefahren haben - weltweit - müssen nur jammern und schon hilft ihnen einer... Antworten



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